Der neue Vaihinger Oberbürgermeister erntet für seine erste Rede bei der Amtseinsetzung stehende Ovationen.
Die Bürger von Vaihingen/Enz freuen sich offenbar auf ihren neuen Oberbürgermeister. Diesen Schluss muss man aus den Reaktionen der zahlreichen Besucher in der Vaihinger Stadthalle ziehen, die die Vereidigung und Verpflichtung von Uwe Skrzypek als neuen Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt am Mittwochabend live miterlebt haben: Die vollkommen frei gehaltene Rede des 51-Jährigen mit zahlreichen Pointen, in der er die Bürger zu Engagement und Zusammenhalt aufforderte, wurde regelmäßig von Beifallsstürmen begleitet. Am Ende erhoben sich alle Besucher, sogar „Bravo-Rufe“ waren zu hören.
Skrzypek, der seit 1. September im Amt ist, bedankte sich für die herzliche Aufnahme im Rathaus und bat alle Vaihinger, sich auf ihn einzulassen – auch wenn er „als Ostwestfale eigentlich eine Zumutung für Vaihingen“ sei. Er griff die Bitten und Wünsche von engagierten Bürgern aus der Stadtgesellschaft auf, die diese wenige Minuten zuvor in kurzen Statements an ihn gerichtet hatten. So entgegnete er einem Vertreter der Migranten, der erklärt hatte, Integration sei eine schöne Blume, die aus vielen Blütenblättern entstehe, in diesem Fall sei Vaihingen eine Blumenwiese, man müsse sie nur gut gießen.
Skrzypek versprach, bei den Entscheidungen nicht nur die Kernstadt im Auge zu behalten, sondern auch die neun Stadtteile. „Demokratie bedeutet nicht nur Mehrheitsmeinung, sondern auch, dass kleine Ortsteile nicht unter die Räder kommen“, erklärte er. Er stellte aber klar, dass er alle Bürger stets mit „Meine Vaihinger“ ansprechen werde. „Das müssen auch die Horrheimer und Roßwager aushalten, wir werden das trainieren“, versprach der OB mit einem Schmunzeln.
Bürgernähe auch in Sachen Kommunikation
Der studierte Diplom-Ingenieur bereitete Bürger und Mitarbeiter auch auf Einschränkungen im Zusammenhang mit der Energiekrise vor. Diese sei auch eine Gewohnheitskrise, man habe sich bisweilen einen behaglichen Lebensstil angeeignet. „Wenn ich in meiner Kindheit das Licht im Treppenhaus angelassen habe, wurde das anschließend intensiv besprochen“, erzählte der 51-Jährige und ergänzte: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Pullover diesen Winter im Rathaus eine Renaissance erlebt.“
Bürgernähe demonstrierte er auch in Sachen Kommunikation: „Bei meinem Namen ist Barrierefreiheit schon in der Anrede schwierig“, meinte Skrzypek. Er sei daher schnell beim „Du“ – genauso wie Sportler, Bergsteiger und Bauarbeiter. Er bot an, dass jeder ihn ansprechen solle, wie er wolle – was aber nicht zu einer Distanzlosigkeit gegenüber dem Amt führen dürfe. „Aber das Schlimmste wäre, wenn sich einer nicht getraut, mich anzusprechen, weil er Angst hat, meinen Namen falsch auszusprechen“, erklärte Skrzypek.
Politprominenz gratuliert
In Anwesenheit von Politprominenz wie den Bundestagsabgeordneten Macit Karaahmetoglu (SPD) und Steffen Bilger (CDU) sowie dem Landtagsabgeordneten Konrad Epple (CDU) hatte zuvor die Regierungsvizepräsidentin Sigrun von Strauch dem „leidenschaftlichen Bergsteiger“ Uwe Skrzypek zu dessen „kommunalpolitischem Gipfelsturm“ gratuliert. Sie wünschte viel Akzeptanz, Fingerspitzengefühl und gute Ratgeber, wenn „das Pferd doch einmal quer im Stall“ stehen sollte. Eberhard Zucker, Skrzypeks ehrenamtlicher Stellvertreter im Gemeinderat, versprach in Anspielung auf den Surfkurs des OB im Urlaub, es werde die ein oder andere Bauchlandung geben, zusammen mit dem Gemeinderat werde man aber versuchen, wieder aufs Brett zu kommen.