Am Taktstock: Ulrich Walddörfer Foto: Musacchio & Ianniello

Insgesamt 14-mal hat Ulrich Walddörfer Giuseppe Verdis Messa da Requiem auf die Bühne gebracht. Wenn sie nun am 18. November in der Liederhalle erklingt, hat das für Walddörfer eine besondere Bedeutung.

Es wird nach 23 Jahren das letzte große Konzert sein, bei dem er als musikalischer Leiter die Konzertchöre des Stuttgarter Liederkranzes dirigieren wird. Verdis Requiem, so erzählt er, hat ihn durch sein Leben begleitet.

„Es ist einfach ein geniales Stück“, sagt der studierte Schulmusiker und Kapellmeister, der eine große Affinität zur Opernmusik hat. Das ist bei Chorleitern nicht die Regel. Sie haben oft einen ausgeprägteren kirchenmusikalischen Hintergrund. Dass Walddörfers Frau Carmen Mammoser eine in Stuttgart ebenso durch ihr Wirken am Opernhaus als auch an der Stuttgarter Musikhochschule bekannte Opernsängerin ist, mag da durchaus mitgespielt haben.

Sie wird am 18. November als Solistin zu hören sein. Was Walddörfer am Verdi-Requiem liebt, ist zweierlei. Da ist die, wie er es ausdrückt, italienische Weise, mit den Glaubensinhalten umzugehen. „Das Elementare wird mehr emotional aufgefasst und wiedergegeben, nicht in erster Linie über den Kopf“, umschreibt er. Was ihn ebenfalls begeistert, das ist Verdis Fähigkeit, hier musikalische Elemente der Opernmusik so einzusetzen, dass die Inhalte deutlich ausgemalt sind.

Großen Eindruck hinterlassen

Das Liederkranz-Konzert in der Liederhalle ist nicht das erste, bei dem dieses Requiem auf dem Programm steht. Ulrich Walddörfer erinnert sich noch sehr gut an eine andere Aufführung, die großen Eindruck bei ihm hinterlassen hat. 2007 hatte der Stuttgarter Liederkranz zusammen mit Mitgliedern weiterer Chöre genau dieses Werk zur Aufführung gebracht, und zwar in Rom in der Kirche San Paolo fuori le mura, eine der Papstbasiliken von Rom. Ein italienisches Orchester musizierte damals mit ihnen.

In der Liederhalle werden es Mitglieder des Stuttgarter Staatsorchesters sein. „Man muss das einmal in einem solchen Raum hören, dann versteht man erst das Werk und worauf es ankommt“, resümiert er. 2011 reiste der Liederkranz nochmals nach Rom und brachte das Requiem von Giovanni Sgambati mit. Nach Sgambati sei zwar ein Saal im Konservatorium benannt, aber seine Musik hätten die römischen Gastgeber erst durch ihr Konzert kennengelernt, so Walddörfer schmunzelnd. Als sie ein anderes Mal das Requiem von Franz von Suppé einstudierten, knüpfte er die nötigen Kontakte, damit das nur als Manuskript vorliegende Werk vom Carus-Verlag als Partitur herausgegeben werden konnte.

Aktuell 400 Vereinsmitglieder

Neben diesen herausragenden Erinnerungen verbindet natürlich noch vieles andere Ulrich Walddörfer mit dem traditionsreichsten Chor in Stuttgart, der 1824 gegründet wurde und aktuell etwa 400 Vereinsmitglieder hat, 120 davon sind in den Chören aktiv. Schwerpunkt ist die Chorsinfonik des 19. Jahrhunderts, aber auch Experimente abseits des Mainstream gehören zum Programm. Dass der Vorstand ihn bei solchen Vorhaben immer unterstützt hat, schätzt Walddörfer hoch ein.

Deswegen ist es keine Frage, dass er dem Stuttgarter Liederkranz nach dem Konzert am 18. November weiterhin verbunden sein wird: als Leiter des Orchesters und des Ensembles Stuttgarter Liederkranz Plus, das kleinere Projekte verfolgen wird.

Messa da Requiem von Giuseppe Verdi: 18. November, 19 Uhr, Liederhalle, Tickets gibt es telefonisch unter 07 11 / 2 555 555

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