In vielen Krankenhäusern der Republik wird das Personal knapp. Für die Pflegekräfte bedeutet das oft: Arbeitsverdichtung und viele Überstunden. Foto: dpa

Die Gewerkschaft Verdi kämpft weiter für eine bessere Personalausstattung der Pflege in Kliniken. Mitarbeiter von neun Krankenhäusern im Land beteiligen sich an der Aktion „Grenzen setzen“.

Stuttgart - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi setzt ihre Aktionen gegen die Personalknappheit in Kliniken fort. An diesem Dienstag beteiligen sich im Land Mitarbeiter von neun Krankenhäusern, darunter in Stuttgart Beschäftigte des Robert-Bosch-Krankenhauses.

Viele Überstunden

Unter dem Motto „Grenzen setzen“ ­wollen Klinikmitarbeiter Überstunden verweigern und nicht einspringen, wenn Kollegen kurzfristig ausfallen. Man unterstütze die von Verdi organisierte Aktion, sagte ein Mitglied des Personalrats im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK). Es handle sich um ein „drängendes“ Problem. „Wir haben enorme Überstundenstände in der Pflege“, so der Personalrat. „Die Personalnot ist groß – wie an allen anderen Krankenhäusern.“ Das RBK hat an drei Standorten insgesamt rund 2700 Mitarbeiter.

Marc Kappler, der bei Verdi zuständige Gewerkschaftssekretär, konkretisiert das Problem am Beispiel des RBK. Sechs Stationen hätten systematisch ihre Arbeitszeit erfasst. Dabei habe sich gezeigt, dass das monatliche Kontingent der Beschäftigten wegen Überstunden im September schon nach drei Wochen aufgebraucht gewesen sei. „Vom 21. September an haben die Mitarbeiter den Aufkleber ‚Das Soll ist voll‘ getragen“, erklärt Kappler. Im Oktober sei die Lage nicht anders. „Das ist ein Zustand, der sich jeden Monat wiederholt – bei allen anderen Krankenhäusern nicht anders“, sagt er. „Da besteht dringender Handlungsbedarf.“

Verdi: Im Land fehlen 7000 Pflegekräfte

Die Gewerkschaft hatte vor der Bundestagswahl mit den bundesweiten Aktionen begonnen. Im September haben Gewerkschaftsmitglieder in Krankenhäusern bei einem „Handdesinfektionstag“ und bei der Aktion „Schluss mit dem Pausenklau“ auf die Personalknappheit aufmerksam gemacht. In Stuttgart stand das Katharinenhospital im Fokus der Veranstaltungen.

Nach Angaben von Verdi gibt es in den Krankenhäusern im Südwesten gut 37 000 Pflegekräfte. Dies seien „mindestens 7000 zu wenig“. Die Gewerkschaft fordert gesetzlich festgeschriebene Personalvorgaben für alle Krankenhausbereiche. Die Kritik von Verdi richtete sich nicht nur gegen den Gesetzgeber, sondern auch gegen die Kliniken. Diese seien für den Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten verantwortlich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: