Ein Verstorbener liegt in der Pathologie in Rostock. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Ein Mann versteckt seine tote Mutter jahrelang im Keller, um heimlich ihre Rente zu kassieren. Dieser Betrugsfall aus Berlin hört sich krass an: Doch immer wieder werden Leichen vergraben, zerstückelt oder eingemauert, um an das Altersgeld der Toten zu kommen.

Berlin - Ein Berliner soll seine tote Mutter mehr als zwei Jahre in einem Keller versteckt haben. Gegen den 57-Jährigen wird nun wegen mutmaßlichen Leistungsbetrugs ermittelt, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch (18. September). Vermutet wird, dass der 57-Jährige die Rente seiner Mutter kassierte.

Die 85-Jährige sei nach bisherigen Erkenntnissen im Frühjahr 2017 eines natürlichen Todes gestorben, so die Polizei. Der Sohn habe sie aber nicht bestatten lassen, sondern in einem selbst gebauten Sarg in einen Kellerverschlag des Mietshauses in Pankow geschafft.

Dies sei, „so makaber das klingen mag“, lediglich eine Ordnungswidrigkeit, erklärte die Sprecherin. In Deutschland müssen Tote bestattet werden.

Rentenbetrugsfälle wie dieser kommen immer wieder vor. Eine Übersicht:

Erschlagen und im Keller vergraben

Magdeburg, August 2019: Eine Haushaltshilfe gesteht vor Gericht, dass sie ihren 81-jährigen Nachbarn mit einem Küchenmesser und Beil getötet und dann jahrelang seine Rente kassierte. Sie habe dann im Keller ein Loch gegraben und schließlich die Leiche verbuddelt.

Dass der sehr zurückgezogen lebende Mann tot war, bemerkte im Ort Rieder im Harz niemand. Auch die Kinder nicht, die nach Aussage der 62-Jährigen keinen Kontakt zu ihrem Vater hatten. So kassierte die Haushaltshilfe über viele Jahre dessen Rente – insgesamt fast 105 000 Euro.

Erst 2016 wurde der Fall bekannt: Laut Anklage war Mitarbeitern der Krankenkasse des Mannes aufgefallen, dass er nie zum Arzt ging – ungewöhnlich für einen vermeintlich 96-Jährigen.

Zerstückelt in der Tiefkühltruhe

Berlin, Mai 2019: Der Bundesgerichtshof (BGH) verwirft die Revision eines Angeklagten gegen eine lebenslange Freiheitsstrafe als unbegründet.

Der Berliner Trödelhändler war im April 2018 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er laut Urteil einen Rentner erschossen und zerstückelt jahrelang in einer Tiefkühltruhe verborgen hatte, um die Rente des alten Mannes von monatlich 2000 Euro zu kassieren. Im Namen des Opfers schickte der Mörder zudem Schreiben an das Finanzamt und die Hausverwaltung.

Rollkoffer-Mord

Berlin, September 2014: Zwei Spaziergänger finden am Brunsbütteler Damm in Berlin eine stark verweste Leiche in einem schwarzen Rollkoffer. Die Mordkommission ermittelt und findet folgendes heraus:

Bei dem Toten handelt es sich um einen 72-jährigen Rentner, der im Sommer 2013 eines natürlichen Todes gestorben war. Sein Sohn hatte die Leiche in dem Koffer verstaut und an dem Fundort am Güterbahnhof versteckt, um weiterhin die Rente seines Vaters zu kassieren. Bis einschließlich Juni 2015 gingen die Zahlungen auf seinem Konto ein.

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Eingemauert

Rom, April 2014: Ein drogenabhängiger Italiener mauert bei Rom seinen toten Vater ein und streicht dann dessen Rente von 1400 Euro im Monat ein. Der damals 44-Jährige baute demnach im August 2011 für die Leiche seines Vaters extra in der Ecke des Schlafzimmers mit Ziegeln und Zement einen Hohlraum.

Im Garten versteckt

Landau, März 2014: Eine Frau aus Landau in Rheinland-Pfalz versteckt die Leiche ihrer Mutter jahrelang im Garten und kassiert heimlich deren Rente. Die damals 56-jährigen muss sich wegen Betruges vor Gericht verantworten.

Im Prozess erklärt sie, dass sie ihre tote Mutter im Februar 2010 gefunden habe. Sie sei damals nicht in der Lage gewesen, sich um die ordnungsgemäße Bestattung zu kümmern. Nach einiger Zeit habe sie die Leiche im Garten abgelegt.

Im Wald verscharrt

Wolfsburg, November 2013: Um weiter Rente und Pflegegeld kassieren zu können, begräbt ein damals 67-jähriger Wolfsburger seine tote Mutter im Wald nahe Helmstedt. Zunächst habe er den Tod der 89-Jährigen vertuscht, dann habe er das Geld mehr als anderthalb Jahre lang eingestrichen.

Wohnwagen-Mörder

August 2013: Ein damals 39-Jähriger Berliner steht wegen Mordverdachts vor Gericht. Er hat fast zwei Jahre lang die Leiche seiner Mutter in einem Wohnwagen versteckt und ihre Rente kassiert. Von Mai 2011 bis Anfang 2013 kassierte er die Rente der 76-jährigen Frau weiter.

„Ich wusste nicht, wovon ich leben sollte.“ Er habe zudem Schulden begleichen müssen, die er und seine Mutter angehäuft hätten. Auch habe er Geld für seine zehn Katzen gebraucht. „Das hätte ich von Hartz IV nicht bezahlen können“, sagte der Arbeitslose aus Spandau.

Zusammengewohnt mit einer Leiche

Saarlouis, März 2011: Über mehrere Jahre hat ein 46 Jahre alter Mann aus Saarlouis mit seiner toten Mutter zusammengewohnt und ihre Leiche versteckt. Polizisten fanden den bereits skelettierten Leichnam der Frau am Freitag in einem Fernsehsessel sitzend. Der Mann hatte kein Einkommen und lebte offenbar jahrelang von der Rente seiner Mutter.

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