Das Fairtrade-Siegel ist nur eines von vielen – Verbraucherschützer fordern mehr Klarheit Foto: dpa

Siegel kennzeichnen gerecht produzierte Lebensmittel. Doch Verbraucherschützer warnen: Betrüger nennen ihre Produkte fair, um sie besser zu verkaufen.

Siegel kennzeichnen gerecht produzierte Lebensmittel. Doch Verbraucherschützer warnen: Betrüger nennen ihre Produkte fair, um sie besser zu verkaufen.

Stuttgart - Gewürze, Linsen, Wein und Süßes: Die Palette fair gehandelter Produkte ist groß. Und das Angebot wächst weiter. Das schätzen die deutschen Verbraucher und kaufen immer mehr. Zum Beispiel Schokolade: 1000 Tonnen haben sie 2013 gegessen – ein Plus von 28 Prozent zum Vorjahr. Die 1000 Tonnen beziehen sich nur auf Schokolade mit dem Fair-Trade-Siegel.

Das blau-grüne Zeichen vergibt der Verein Transfair an Produzenten, die bestimmte Kriterien erfüllen. Das Siegel soll dem Verbraucher letztlich garantieren, dass er mit einem zertifizierten Produkt die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern und ihren Arbeitern verbessert.

„Fairer Handel hilft den Erzeugern“, sagt Monika Vogelpohl von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Er sichere den Produzenten und Bauern stabile Preise, unabhängig vom Weltmarktpreis. Bei Missständen seien die Organisationen durchaus bemüht, diese zu ändern. „Sie wissen, dass nicht alles rosarot ist“, sagt Vogelpohl.

Nicht jedes fair gehandelte Produkt trägt das Fair-Trade-Siegel. Auch die Weltläden wollen mit ihrer Ware erreichen, dass die Erzeuger von den Erlösen leben können. Sie betonen, mit ihnen Handelsbeziehungen auf Augenhöhe einzugehen. Die Artikel ohne Siegel verkaufen die Weltläden vorwiegend dort. Bundesweit gibt es 800 Weltläden, ein Viertel davon ist in Baden-Württemberg. Anfang dieser Woche hat in Stuttgart Weltladen Nummer sieben eröffnet. Der durchschnittliche Umsatz eines Weltladens liegt bei 94 000 Euro. Aber auch Weltläden wollen wachsen. Für Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch sie ihre Produkte in Supermärkten und Discountern vertreiben.

Fair-Trade-zertifizierte Produkte gibt es bereits in mehr als 42 000 Supermärken, Discountern oder Bioläden. Entsprechend sind die Unterschiede beim Umsatz: Fair-Trade-Produkte setzten im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Milliarde Euro um. Das ist ein Viertel mehr als im Vorjahr.

Beim fairen Handel steht der Verbraucher aber vor einem Problem. Was fair bedeutet, definiert jeder für sich „Der Begriff ‚Fairer Handel‘ ist gesetzlich nicht geschützt“, sagt Vogelpohl. Als Konsequenz finden Kunden verschiedene Produkte mit verschiedenen Siegeln. Zu viele, sagen Experten.

Betrüger kennzeichnen immer wieder Produkte mit „fair gehandelt“ oder denken sich ein Logo aus, obwohl die Ware konventionell gehandelt ist. Verbraucherschützer fordern deshalb ein einheitliches Zeichen, wie es beim EU-Biosiegel der Fall ist. Bis dahin muss sich der Verbraucher selbst helfen, indem er sich über gängige und seriöse Siegel informiert. Das gilt auch bei Einkäufen im Internet.

Von Produkten ohne Siegel rät Vogelpohl generell ab. Ob sie fair seien, könne der Kunde nicht nachvollziehen. „Es gibt viele gute Siegel. Man muss sie nur kennen“, sagt Vogelpohl. Neben Fair Trade seien das die Logos der drei größten Fairhandelsimporteure Deutschlands, Gepa, El puente und dwp. Vogelpohl bezeichnet deren Standards als gute Kriterien, die erfüllt würden – gerechte Löhne, keine Kinderarbeit, langfristige Handelsbeziehungen.

Regionale Produkte sind grundsätzlich am fairsten, sagt sie. Das unterstützt die Erzeuger vor Ort, die Obst und Gemüse ebenso vertreiben wie Honig, Senf oder Wein. Wer exportierte Ware kauft, weil ihm der chilenische Wein schmeckt, sollte zu einem fair gehandelten Produkt greifen. Dabei ist es egal, ob es im Discounter, Supermarkt oder Weltladen steht.

Produkte aus einem Rohstoff – Kaffee, Tee, Bananen – sind zu 100 Prozent fair. Aufmerksam müssen Verbraucher bei wie Müsli, Schokolade oder Keksen sein, in denen mehrere Rohstoffe stecken. Sogenannte Mischprodukte können größtenteils unfair sein. Weltläden garantieren, dass sie mindestens 51 Prozent fair gehandelte Bestandteile enthalten. Der internationale Dachverband von Fair Trade senkte 2011 den Anteil auf mindestens 21 Prozent – gegen den Willen von Fair Trade Deutschland. Nicht nur das ärgert Verbraucherschützer. Aus ihrer Sicht steht der Fair-Anteil zudem zu unauffällig auf der Rückseite der Packung. Sie fordern mehr Sichtbarkeit. „Verbraucher müssen wissen, dass Standards sich verändern können“, sagt Vogelpohl.