Der Schlüssel steckt von innen – damit beginnt das florierende Geschäft vieler unseriöser Schlüsseldienste. Foto: dpa-tmn

Fast 1000 Euro für einmal Haustür öffnen? Natürlich ist das Abzocke. Doch Strafen gibt es kaum. Die Fälle in der Region häufen sich – und die Spur führt meist nach Nordrhein-Westfalen.

Stuttgart - Betrügerische Schlüsseldienste werden immer dreister. Opfern werden enorme Summen abgenommen, zum Teil fahren die Monteure sie sogar zur Bank.

Allein in Stuttgart ermittelt die Polizei in diversen Fällen. „Es gibt Hinweise, dass es sich um eine Gruppe handelt“, sagt ein Sprecher. Die Spur führt nach Nordrhein-Westfalen. Oft kommen die Verdächtigen, die im ganzen Bundesgebiet unterwegs sind, von dort. „Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren eine hohe dreistellige Zahl an Fällen. Es gibt eine auffällige Häufung“, sagt Anette Milk von der Staatsanwaltschaft in Essen. Man untersuche derzeit die Zusammenhänge. Klar ist jedoch: „Es gibt einige Strafverfahren, aber auch viele Einstellungen.“ Meist kommen die Abzocker straffrei davon.

Mehrere Fälle pro Tag in Stuttgart

Das liegt am geltenden Recht. Für Betrug oder Wucher gelten juristisch hohe Hürden. Im Normalfall muss der Auftraggeber nachweisen, dass eine Zwangslage ausgenutzt worden ist. Das ist in der Praxis fast unmöglich. „Die Leute arbeiten mit allen Tricks. Wir haben jeden Tag mehrere Fälle“, sagt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Für uns ist das Organisierte Kriminalität. Polizei und Staatsanwaltschaften müssten dagegen vorgehen, doch da tut sich fast nichts“, kritisiert er.

„Solange der Gesetzgeber wegschaut, werden diese Geschäfte so weitergehen“, sagt auch Constantin von Piechowski. Der Hamburger Rechtsanwalt ist regelmäßig mit solchen Fällen betraut. Große Chancen gebe es trotz einiger weniger Verurteilungen aber weder straf- noch zivilrechtlich: „Wir haben kaum eine Handhabe. Das aktuelle Recht schützt nicht den Schwachen, sondern die Firmen.“ Und die wüssten ganz genau, wie sie vorgehen müssen. „Da geht es um enorme Summen“, sagt der Jurist.

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