An der Tankstelle sind die Preise im April deutlich gesunken. Foto: dpa/Sven Hoppe

Die Corona-Krise hat den Rückgang von Heizöl- und Spritpreisen beschleunigt. Gleichzeitig verteuert sie frisches Obst und Gemüse.

Frankfurt - Die Inflationsrate ist im April deutlich gesunken – die Preise für ­Lebensmittel zogen allerdings kräftig an: Sie verteuerten sich gegenüber April 2019 um 4,6 Prozent. Insgesamt ­legte der Verbraucherpreisindex dagegen nur um 0,9 Prozent zu. Das ist der geringste Anstieg seit November 2016. Unter den Nahrungsmitteln hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts vor allem Obst und Gemüse deutlich verteuert, bei Obst registrierten die Statistiker ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), die zwischen Konserven und frischen Früchten unterscheidet, verzeichnet für letztere noch höhere Steigerungsraten. Obst- und Gemüsekonserven dagegen seien trotz der Hamsterkäufe nicht teurer geworden.

Bei frischen Früchten machte sich die Corona-Krise nach Angaben des AMI-Experten Thomas Els deutlich bemerkbar: Es habe an Erntehelfern gefehlt, das verbleibende Personal musste Sicherheitsabstände und andere Auflagen einhalten, und auch die Auslieferung sei unter erschwerten Bedingungen erfolgt, sagte Els unserer Zeitung. Für die nächsten Wochen sei eine leichte Entspannung zu erwarten: „Es ist möglich, dass nach Überwindung der ersten Anlaufschwierigkeiten und Rückkehr vieler Erntehelfer die Preise wieder etwas zurückgehen. Aber aus der Welt sind die Probleme nicht.“

Fleisch- und Wurstpreise steigen schon seit Monaten

Auch Schweinefleisch und Wurst sind deutlich teurer als vor zwölf Monaten. Das habe mit der Corona-Krise allerdings nichts zu tun, sagte Els: „Der Preis für Schweinefleisch steigt seit vielen Monaten. Hauptgrund dafür war der erhöhte Bedarf in China, wo die Afrikanische Schweinepest grassierte, so dass mehr importiert werden musste.“

Dass die Inflationsrate trotz der Teuerung bei Lebensmitteln insgesamt gesunken ist, liegt vor allem am kräftigen Rückgang der Energiepreise. Rohöl hat sich in den vergangenen Monaten massiv verbilligt – zunächst lieferten sich die Förderstaaten Russland und Saudi-Arabien einen ruinösen Preiskampf, dann brach wegen der Corona-Krise die Nachfrage ein. Die Folge: Heizöl kostete im April 24 Prozent weniger als vor Jahresfrist, die Kraftstoffpreise fielen um 15 Prozent. Ohne diesen Effekt hätte die Inflationsrate im April bei 1,6 Prozent gelegen.

Für viele Verbraucher dürfte vor allem diese Zahl interessant sein, denn vom Preisrückgang an der Tankstelle hatten die meisten wegen der Kontakt- und Reisebeschränkungen in den vergangenen Wochen nicht viel. Umgekehrt flossen in die Inflationsrate allerdings auch Preissteigerungen für Dienstleistungen ein, die zuletzt kaum in Anspruch genommen wurden: Bei Gastronomie- und Übernachtungspreisen unterstellte das Statistische Bundesamt einen Anstieg um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Krise erschwert Inflationsmessung

Das überrascht, liegt laut Bundesamt aber daran, dass Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen als Saisongüter gelten. Für solche wurden die üblichen saisonalen Preisbewegungen fortgeschrieben – und dazu gehört in der Hotellerie natürlich ein Preisanstieg in den Osterferien. Das Bundesamt folgte mit dieser Methode den Vorgaben des europäischen Statistikamts Eurostat. Weil die üblicherweise praktizierte Preiserhebung in Geschäften durch die Ladenschließungen im April nur sehr eingeschränkt möglich war, mussten die Statistiker nicht nur bei Dienstleistungen, sondern auch bei vielen Waren auf mathematische Verfahren zur Abschätzung der Preisentwicklung zurückgreifen. Sowohl bei Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen als auch in den Kategorien Bekleidung und Schuhe sowie Möbel und Haushaltsgeräte versahen die Statistiker ihre Zahlen zu den Preissteigerungen daher mit dem Hinweis „Aussagewert eingeschränkt“.

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