Der Traum vieler Kinder beim Wasen-Besuch: Ein mit Gas gefüllter Luftballon. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Auf öffentlichen Flächen und bei städtischen Veranstaltungen dürfen in Gütersloh künftig keine mit Gas gefüllten Luftballons mehr in die Luft steigen. Auch in Stuttgart haben sie schon für Ärger gesorgt – kommt auch hier ein Verbot?

Gütersloh/Stuttgart - Bunte Luftballons fliegen in den strahlend blauen Himmel empor, Hochzeitsgäste jubeln und winken dem farbenfrohen Meer hinterher, das mit dem Wind davonzieht. Luftballons sehen hübsch aus, bringen ein Leuchten in Kinderaugen – und lassen die Umwelt ächzen. Dieser Meinung ist zumindest der Umweltausschuss der Stadt Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. Am Dienstag beschloss der Ausschuss, mit Gas gefüllte Luftballons ab sofort von städtischen Veranstaltungen und öffentlichen Plätzen zu verbannen. Dabei geht es aber nicht darum, Kindern ihre geliebten Luftballons wegzunehmen. Es gehe um große Feierlichkeiten, bei denen die Ballons scharenweise in den Himmel geschickt werden. Das Verbot geht auf den Antrag einer Bürgerin zurück: Durch die Ballons werden Tiere gefährdet, kritisierte sie. Diese verwechseln die herunterfallenden Überreste mit Futter, Vögel verheddern sich in den Fäden und die Umwelt wird durch den Müll belastet, so die Argumentation.

In der baden-württembergischen Landeshauptstadt muss man bislang nicht befürchten, Hochzeiten und Feste ohne Luftballons feiern zu müssen. „In Stuttgart spielen derartige Überlegungen bislang keine Rolle, da wir keine rechtliche Grundlage für ein Luftballonverbot sehen“, teilt die Stadt mit. Jedoch beobachte man die Entwicklungen in Gütersloh mit Interesse.

Metallbeschichtete Luftballons sind auf dem Wasen bereits verboten

Doch auch in Stuttgart ist eine Art der bunten Himmelsstürmer nicht gern gesehen: Metallbeschichtete Luftballons dürfen auf dem Wasen nicht mehr verkauft werden, auf Bahnsteigen sind sie grundsätzlich verboten. Allerdings nicht aus Umweltbedenken, sondern wegen Sicherheitsrisiken. Kommen sie mit den Oberleitungen von Zügen in Kontakt, drohen lebensgefährliche Folgen. Durch die Metallbeschichtung kann der Strom aus der Leitung in die Schnur gelangen – und darüber auf den Menschen. Ein schmerzhafter Griff in die Steckdose ist das nicht: Die Leitung hat 15000 Volt Spannung. 2017 kam es zu einem Zwischenfall, als ein metallbeschichteter Luftballon an die Oberleitung im Stuttgarter Hauptbahnhof geriet. Die Folge: Ein Funkenregen ergoss sich über den Bahnsteig, ein Kurzschluss entstand, S-Bahnen konnten nicht mehr einfahren, der Zugverkehr war bis auf Weiteres lahm gelegt.

Nichtsdestotrotz, private Veranstalter beginnen bereits, sich von der bunten Plastikdekoration zu verabschieden. Wie unsere Zeitung berichtete, haben bereits mehrere Eventveranstalter beschlossen, zukünftig auf Luftballons zu verzichten, darunter der Christopher Street Day oder die evangelische Kirche.

Neu ist das Verbot von Luftballons übrigens nicht: In den Niederlanden gab es bereits vergangenen März in 17 Prozent der Gemeinden ähnliche Regeln wie in Gütersloh.

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