Volkan Candan (links) vergab eine von zwei Echterdinger Großchancen zum Sieg. Foto: Archiv Yavuz Dural

Nur ein 0:0 – die Durststrecke des Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen hält auch in Laupheim an. Dabei vergeben zwei Spieler kläglich den möglichen Sieg.

Laupheim - Beide wussten, was sie „angerichtet“ hatten. Hätte sich vor ihren Füßen ein großes dunkles Loch aufgetan, sie wären wohl dankend darin versunken. So vergrub der eine, Volkan Candan, sein Gesicht in den Händen, ehe er später kopfschüttelnd den Rasen verließ. Der andere, sein eingewechselter Teamkollege Meksud Colic, blieb erst einmal wie versteinert stehen – ungläubig ging sein Blick in Richtung Wolken, dorthin, wo der Ball gerade im Steilflug gesegelt war.

Es waren zwei Torchancen, die sich anfühlten wie Elfmeter ohne gegnerischen Torhüter. „Zwei mehr als Hundertprozentige“, wie der Trainer Francesco Di Frisco befand. Seine Spieler Candan und Colic haben sie am Samstag in der Endphase ihrer Begegnung vergeben. Und so lag es nicht zuletzt an ihnen, dass die Durststrecke der Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen anhält. Auch im fünften Anlauf nacheinander schaffte der Filder­club keinen Sieg. Mit dem 0:0 beim FV Olympia Laupheim setzte sich zugleich eine andere Serie fort: In der vierten Partie gegen einen Aufsteiger erreichten die Echterdinger in dieser Saison zum vierten Mal nur ein Remis. Zu wenig für die eigenen Ansprüche. Zu wenig, um in der Tabelle vom Fleck zu kommen. In jener verharrt jene Mannschaft, die 2018/2019 eigentlich im oberen Drittel hatte angreifen wollen, auf einem enttäuschenden elften Platz.

Die neue Calcio-Devise: „Safety first“

Doch haben die vorangegangenen Rückschläge bei den Verantwortlichen fürs Erste offenbar für eine neue Genügsamkeit gesorgt. Di Frisco jedenfalls wollte aktuell weniger hadern ob einmal mehr unnötig liegen gelassener Punkte – der Coach bemühte sich zuletzt eher, die positiven Aspekte hervorzuheben. „In der Verteidigung standen wir gut. Wir haben kaum etwas zugelassen“, konstatierte er. Und das ist ja in der Tat ein Fortschritt, hatten die Calcio-Kicker sich bei ihren Schlappen in Wangen (0:4) und gegen Essingen (1:4) noch jeweils vier Gegentreffer eingefangen. Die Konsequenzen zogen Di Frisco und dessen diesmal fehlender Trainerpartner Francesco Guerra (beruflich verhindert) mit ihrer Aufstellung. Allein deren Namen signalisierten bereits ein Schluss mit Angriffs­hurra, sondern eine defensivere Ausrichtung. Unter der Devise „Safety first“ hatten die Gäste sieben überwiegend mit Abwehrarbeit beauftragte Akteure auf dem Platz. Das bisher bevorzugte 3-4-3-System wich einem 4-2-3-1 mit doppelter zentraler Absicherung im Mittelfeld.

Und, um beim Plus zu bleiben: vor allem der Schachzug, den Kapitän Shaban Ismaili dabei in neuer Rolle als rechter Außenverteidiger zu präsentieren, ging auf. Der 29-Jährige bot einer konzentrierte Leistung. „Er hat ein klasse Spiel gemacht“, lobte Di Frisco. Begünstigend hinzu kam für Ismaili und Co., dass für den Laupheimer Torjäger Simon Dilger bereits nach einer knappen halben Stunde Feierabend war. Der Führende der Liga-Schützenliste musste wegen muskulärer Probleme passen.

Großchancen verballert

Dann allerdings auch zum Calcio-Problem: Toreverhindern allein reicht halt dummerweise noch nicht, um zu gewinnen. Man muss dann schon mal auch auf der anderen Seite etwas beisteuern. Und da wurde es für die Echterdinger an diesem Spieltag ziemlich dünn. In der ersten Hälfte gestatteten sich beide Kontrahenten in einem zähen Ringen allenfalls ein paar Halbchancen. In der zweiten wurde die Begegnung offener – und verballerte Di Friscos Elf aber die beiden eingangs erwähnten dicksten Möglichkeiten.

Erst stand Candan nach einem Konter über Gentian Lekaj sowie den eingewechselten Martini Lombaya plötzlich völlig frei im gegnerischen Strafraum (75.). Das war Matchball Nummer eins, der über dem Querbalken landete. Dann lief Colic wie bei einem Penalty im Eishockey unbedrängt auf das Tor der Gastgeber zu – der Laupheimer Verteidiger Dario Nikolic hatte auf Höhe der Mittellinie an der Kugel vorbeigesäbelt (89.). So ergab sich kurz vor Schluss Matchball Nummer zwei. Das Ergebnis: erneut drüber, erneut ein auf den Lippen erstickender Echterdinger Torjubel. „Natürlich macht das keiner mit Absicht, da vorbeizuschießen“, sagte Di Frisco, „aber es ist schwer zu fassen.“

Di Friscos Wunsch: ein neuer Stürmer

Ob der Trainer deshalb bereits einen Wunsch dick auf seine Weihnachtsliste geschrieben hat? Für die Rückrunde hätte er gern noch einen weiteren Stürmer. Aktuell fehlten ihm die Alternativen, nachdem kurzfristig auch noch Ulas Saglam (Oberschenkelverhärtung) und Sascha Häcker (Wadenverhärtung) ausgefallen waren. Der Befreiungsschlag, so die Hoffnungen, möge nun stattdessen am nächsten Wochenende gelingen.

Der Optimist Di Frisco sieht im folgenden Heimspiel gegen den Überraschungstabellenführer Rutesheim eine gute Gelegenheit dafür – der ein oder andere rund um die Echterdinger dagegen mittlerweile wohl mehr eine Gefahr. Dahingehend, dass die Fehlschützen Candan, Colic und deren Mitstreiter ihre anfänglichen großen Ziele schon jetzt, noch während der Hinrunde, vollends aus den Augen verlieren könnten.

FV Olympia Laupheim:
Lense – Steinle, Nikolic, Topolovac, Biesinger – Schrode (81. Hanisch), Hegen, Haug, Filho – Dilger (27. Dürr, 72. Ness), Vargas Müller.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Ismaili, Biljeskovic, Zweigle, Vidic – Zalac (87. Colic), Pranjic – Joas, Candan (77. Syla), Parrinello (46. Lombaya) – Lekaj.

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