Sascha Häcker kann es selbst nicht fassen. Der Torjäger vergab die Großchance zum Ausgleich – und somit zur möglichen Wende im Spiel. Foto: Günter Bergmann

Nach der Auftaktniederlage verliert der Verbandsligist Calcio auch sein ersten Heimspiel der Saison. Beim 0:3 gegen Gmünd macht vor allem eine Komponente den Unterschied.

Echterdingen - Der Trainer Francesco Di Frisco starrte kopfschüttelnd auf den Rasen. Der Sportdirektor Angelo Vaccaro lehnte mit nachdenklicher Miene an der Spielfeldumzäunung. Und der Mittelfeldrecke Diamant Avdiu wurde unfreiwillig zur Symbolfigur. Wegen einer zuletzt erlittenen Knieverletzung weilte der 28-Jährige nur unter den Zuschauern – humpelnd und mit vorsorglich geschientem rechten Bein.

Humpelnd, im übertragenen Sinn, kommen die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen gerade überhaupt daher. Mit einer 0:3-Niederlage gegen den 1. FC Normannia Gmünd ist es für den Filderclub am Samstag auch in der ersten Heimbegegnung der Saison schief gegangen. Zwischenbilanz: zwei Spiele, null Punkte. Bleiben die Ambitionierten aus den Goldäckern in den Startblöcken hängen?

Der Spielfilm

Der Gmünder Trainer Holger Traub sah „ein über 90 Minuten ausgeglichenes Spiel“. Und das war nicht nur die Höflichkeitsfloskel eines siegreichen Gasts. In der Tat hätte die Partie auch anders ausgehen können – ja, hätte es nicht diesen einen Punkt gegeben, in dem sich die beiden Kontrahenten dann gravierend unterschieden. Stichwort Chancenverwertung. Während die Echterdinger ihre Möglichkeiten mehr oder weniger kläglich vergaben, wartete ihr Gegner mit kühler Effizienz auf – und profitierte bei den drei Toren zudem von Calcio-Abwehrfehlern.

Die Schlüsselszenen

Es gab vor allem zwei. Und im selben Zug wurden zwei Echterdinger Spieler zu den Unglücksraben. Erstens Bastian Joas. In Hälfte eins ließ dessen konzentriert arbeitende Mannschaft wenig zu, bis dem Angreifer kurz vor der Pause ein verhängnisvoller Fehler unterlief. Ein Ballverlust am eigenen Strafraum, und prompt bestrafte Ferhat Karaca diesen mit dem 0:1.

Zweitens Sascha Häcker. Der Torjäger ließ die dickste Ausgleichsgelegenheit liegen. Nach einem Pass von Ugur Capar hatte er freie Bahn (54.). Häcker musste sich eigentlich nur noch die Ecke aussuchen, scheiterte zur Calcio-Fassungslosigkeit aber am Gmünder Keeper. Ausgerechnet er, der sonst so abgezockte Vollstrecker! „Vielleicht hatte er zu viel Zeit zum Nachdenken“, mutmaßte Vaccaro, einst selbst Profistürmer – und ließ an einem keinen Zweifel: „Klar, das Ding muss er machen.“

Stattdessen legte der aus der Oberliga abgestiegene Gegner zweimal nach. Erneut Karaca sowie der Sommertransfercoup Alexander Aschauer (zuvor Red Bull Salzburg, VfB Stuttgart II, Großaspach) erhöhten zum Endstand. Letzterer nutzte einen Stellungsfehler von Lukas Ryl.

Wo ist Steigerungsbedarf?

Gibt es bei Calcio noch in allen Bereichen. Bezeichnenderweise fiel es am Ende schwer, einen Spieler des Spiels zu bestimmen. Keiner, der wirklich geglänzt hätte. Für alle Feldakteure galt: teils Licht, aber auch viel Schatten – die diesmal nur drei in der Startelf stehenden Neuzugänge inklusive, namentlich Ryl, Marcel Bahm und Valentino Stepcic.

Noch läuft der Motor nicht rund im PS-starken Ensemble. Und in Anbetracht dessen wird der Coach Di Frisco womöglich auch noch einmal über seine Taktik nachdenken. Aktuell verordnete er den Seinen innerhalb der Partie mehrere System- und Positionswechsel. Erst 4-2-3-1, dann 4-1-4-1, dann 3-4-3, dann wieder zurück. „Wir wollten variabel und nicht ausrechenbar sein“, begründete Di Frisco. Aber ob es auch wirklich hilft in einer Phase, in der es noch um ein Zusammenfinden und um Stabilisierung geht?

Die Aussichten

Fakt ist: viel Zeit zum Tüfteln bleibt nicht. Schon am Mittwoch geht es für Calcio weiter, auswärts beim, ganz im Gegensatz zum eigenen Team, glänzend in die Runde gekommenen Aufsteiger VfL Pfullingen – ehe am nächsten Samstag die schwere Heimaufgabe gegen den Titelfavoriten Backnang folgt. Danach wird man bei den Echterdingern wissen, ob der Saisonstart gänzlich in die Hosen gegangen ist oder doch noch irgendwie gut. Und auch, ob der Patient Avdiu (Diagnose steht noch aus) tatsächlich als Omen betrachtet werden muss.

Von bisher „zwei ganz doofen Ergebnissen“ spricht Di Frisco. „Ich ziehe erst nach sieben, acht Spieltagen ein Resümee“, sagt derweil Vaccaro und zeigt Gelassenheit – betont aber auch: „Wir müssen jetzt punkten.“

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Ryl, Bäuerle, Biljeskovic, Bahm – Pranjic (86. Zweigle), Ismaili (67. Akcan) – Joas, Stepcic, Capar (69. Gerber) – Häcker (74. Offei).

1. FC Normannia Gmünd:
Ellermann – Fröhlich, Lämmle, Stölzel, Glück (60. Schuckenböhmer) – Kianpour, Kotiukov – Coppola (82. Iatan), Gnaase (76. Seitenreich) , Karaca – Aschauer (77. Bauer).

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