Er ist dann mal wieder da: Nach zweimonatiger Auszeit und zwischenzeitlicher Funkstille kehrt Henning Bortel in den Kader des Verbandsligisten Calcio zurück. Foto: Archiv Günter Bergmann

Der vor zwei Monaten im Ärger geschiedene Torhüter Henning Bortel trainiert wieder bei Calcio Leinfelden-Echterdingen. Nur ein Burgfrieden oder mehr? Vor dem Spiel in Wangen muss sich der 25-Jährige erst einmal hinten anstellen.

Echterdingen - Mal Turbulenzen hinter den Kulissen. Mal spektakuläre Spielertransfers. Mal, wie in dieser Saison vermehrt, zwischen furios und kurios schwankende sportliche Auftritte. Wenn es in der Region einen Verein mit quasi eingebauter Nicht-Langeweile-Garantie gibt, die Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen sind es. Und warum also sollte sich daran vor dem nun anstehenden Verbandsliga-Auswärtsspiel an diesem Samstag beim FC Wangen etwas ändern? Die Überraschung dieser Woche: der Torhüter ­Henning Bortel ist zurück. Zwei Monate nach seinem Ausstieg im Ärger befindet sich der vorherige Leistungsträger wieder im Training.

Zur Erinnerung: im September war es zum Zwist zwischen dem 25-Jährigen und der Echterdinger Chefetage gekommen. Der Auslöser: wegen Trainingsfehlzeiten hatte der Filderclub seinem Keeper einen Teil des Gehalts gestrichen. Bortel, vom Trainerduo Francesco Di Frisco/Francesco Guerra damals aus demselben Grund mittlerweile zum Bankdrücker degradiert, reagierte – nämlich indem er seine Siebensachen packte und seither in den Goldäckern nicht mehr gesehen ward. Bis zum vergangenen Montag. Da stand der Mann, der es zu seinen FC-Bayern-Zeiten einst sogar in die Junioren-Nationalmannschaft schaffte, plötzlich wieder da. Ihre Funkstille hatten beide Parteien zuvor beendet. „Es hat einige Telefongespräche zwischen der Vereinsführung und dem Spieler gegeben“, sagt Di Frisco. Das Ergebnis sei Bortels jetzige Rückkehr.

Di Frisco ist „nicht nachtragend“

Wer schließlich auf wen zugegangen ist? Ob eher die eine Seite Zugeständnisse machte oder eher die andere zu einer Einsicht kam? Geheimsache. Über genauere Inhalte wollen sich die Beteiligten nicht äußern. Fragen freilich bleiben – auch, inwieweit es sich lediglich um einen Burgfrieden handelt oder es tatsächlich zu einer neuen gedeihlichen Zusammenarbeit kommen kann. Jenes werden die nächsten Monate zeigen müssen. Fest steht für Di Frisco: „Henning hat einen Vertrag bis 30. Juni. Und ich bin nicht nachtragend – es liegt nun an ihm.“ Zugleich ist für den Coach klar, dass sich Bortel seinen Status erst wieder erarbeiten muss. „Wochenlang weg sein, und dann gleich spielen“, das gehe natürlich nicht. Heißt: zwischen den Pfosten bleibt bis auf Weiteres der in der Zwischenzeit auch mangels Alternativen zur neuen Nummer eins aufgebaute Sezer Özerdem. Vorausgesetzt, er ist fit. Beim 4:1 zuletzt gegen Öhringen stand sein Einsatz wegen muskulärer Probleme bis kurz vor dem Anpfiff auf der Kippe.

Totzdem weiter auf Torhütersuche

Parallel will Di Frisco nicht vom Vorhaben abrücken, dass in der Winterpause ein weiterer Torhüter kommen soll. Nun halt nicht ein zweiter, sondern ein dritter. Das Motto lautet: Konkurrenz belebt das Geschäft – und sicher ist sicher. „Es kann ja eben mit Verletzungen immer mal was passieren“, sagt der Trainer, „wir bleiben auf der Suche.“ Zumindest für diese Position, womöglich aber auch für andere. So steht offenbar der Spielmacher Daniel Bosnjak vom Landesliga-Aufsteiger NAFI Stuttgart auf der Calcio-Wunschliste. Di Frisco hält viel auf den 29-Jährigen, den er schon aus Jugendzeiten kennt. Er und Bosnjak kickten einst gemeinsam beim VfB.

Zudem schwebt über allem unverändert das Thema Kevin Kuranyi. Zwar gibt es in dessen Fall keine neue Entwicklung. Der Ex-Nationalspieler ist Trainingsgast in den Goldäckern, um sich dort fitzuhalten – nicht mehr. Doch hatten die Echterdinger ja schon bei Bekanntwerden dieses Coups keinen Hehl daraus gemacht, dass sie gern am ganz großen Rad drehen würden. Kuranyi als Spieler für Calcio? Die leise Hoffnung ist da, dieses vermeintliche Märchen aus „Tausend und eine Nacht“ Wirklichkeit werden lassen zu können.

Scheuring wieder dabei

Einstweilen muss es allerdings weiter das gehabte Personal richten – welches zuletzt ja auch in dieser Konstellation durchaus erfolgreich war. Ohne Bortel. Ohne Bosnjak. Und auch ohne Kuranyi. In Wangen werden Di Frisco und Guerra wohl weitgehend der Elf vom vergangenen Wochenende vertrauen. Die Ausnahmen: der Routinier Thomas Scheuring steht nach seinem Muskelfaserriss erstmals wieder parat und dürfte in die Abwehrzentrale zurückkehren. Und Bastian Joas fällt wegen einer Einblutung im Oberschenkel aus. Eh weiter nicht dabei sind die Langzeitverletzten sowie Josip Pranjic. Jener hat für seine rote Karte in Ilshofen (Gegenspieler-Beleidigung) eine zweiwöchige Sperre erhalten und muss somit letztmals pausieren.

Was die Echterdinger nach ihrer weitesten Auswärtsfahrt der Saison beim Tabellenneunten im Allgäu erwartet? Schwer zu sagen. Die Calcio-Verantwortlichen haben den Gegner zweimal beobachtet – und sind ähnlich schlau wie zuvor. „Gegen Dorfmerkingen waren die sehr stark, gegen Sindelfingen haben sie sich dagegen unter aller Kanone präsentiert“, sagt Di Frisco. Mal schauen, welches Gesicht gegen die Seinen dran ist.

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