Weilimdorfs Tarik Bouich beendet hier sein Solo mit dem Chipball an Torhüter Nikolay Goranov vorbei zum 2:0. Foto: Günter Bergmann

TSV Weilimdorf gewinnt sein letztes Saisonspiel gegen Meister Young Boys Reutlingen mit 3:0 und ist dennoch so gut wie abgestiegen. Derweil gibt es Signale für die kommende Runde.

Es war unmittelbar nach dem Abpfiff keine Zeit für Jubel oder Enttäuschung. Weder die Spieler des TSV Weilimorf noch deren Fans hielten sich lange am eigenen, verdienten 3:0-Heimsieg über den bereits feststehenden Meister Young Boys Reutlingen fest. Vielmehr galt das große Interesse den Blicken in die Handys, um die Ergebnisse der Konkurrenz zu erfahren. Nach geraume Zeit trat sie dann aber doch ein, die Enttäuschung. Die unmittelbare Konkurrenz hat ihre Hausaufgaben erledigt. Die Chancen für das Team aus dem Stuttgarter Norden doch noch die Relegation um den Klassenverbleib in der Verbandsliga zu erreichen, kommen damit einem mittelschweren Wunder gleich.

 

Anders gesagt, alles muss positiv laufen für das Team von Trainer Oliver Stierle. Konkret: Die Weilimdorfer haben mit dem Spiel gegen Reutlingen die Runde abgeschlossen und rangieren auf Rang zwölf – definitiv ein Abstiegsplatz. Platz elf könnte noch zur Relegations reichen, gegebenenfalls der Oberligist VfR Mannheim setzt sich in den Aufstiegsspielen zur Regionalliga Südwest gegen den FC Eddersheim und den FK 03 Pirmasens durch. Der Beginn des Dreierturniers ist am 4. Juni. Auf besagtem elften Rang der Verbandsliga steht aktuell der FC Rottenburg – punktgleich mit Weilimdorf, aber vier Tore besser und eben noch die eine Partie beim SSV Ehingen-Süd zu absolvieren. Bedeutet: Rottenburg muss mit vier Toren Unterschied verlieren, damit die Weilimdorfer auf Rang elf springen – und eben Mannheim aufsteigen. Bei einem 5:0-Sieg von Ehingen-Süd würde selbst dieser noch an Weilimdorf und Rottenburg auf Platz elf vorbeiziehen.

An der Giebelstraße macht man sich aber wenig Hoffnung, dass das einjährige Gastspiel in der Verbandsliga doch noch in die Verlängerung geht. Und dies, obwohl der Aufsteiger aus dem Stuttgarter Norden 41 Punkte auf das Tableau gebracht hat. Dementsprechend sagt der Sportliche Leiter Michael Bachmann: „Die Jungs haben eine tolle Rund gespielt. Mir ist kein Team bekannt, das jemals mit solch einer Punktezahl abgestiegen ist. Ein Unding vom Verband, dass sechs oder sieben Teams absteigen. Das geht gar nicht.“ Ähnlich sieht es auch der Weilimdorfer Trainer Stierle, dem nach der Partie die Enttäuschung anzusehen war. „Du hast 41 Punkte geholt und es reicht trotzdem nicht, das ist schon sehr bitter“, sagt Stierle. Auch wenn alle einen Hals auf den Verband haben, werden die Fehler auch in den eigenen Reihen gesucht – drei Punkte mehr hätten nämlich wohl gereicht. „Wir müssen uns, auch die Mannschaft und das Trainerteam, hinterfragen, ob wir in den vier Partien vor dem Reutlinger Spiel alles gegeben haben. Oft war man nicht schlechter, aber es hat dennoch zu keinem Punkt mehr gereicht“, sagt Bachmann.

Stierle sieht mit ein Grund für den Abstieg in der schwachen Hinrunde, in der die Seinen nur 15 Punkte ergattert haben. Neben einer vor allem löchrigen Defensive in der Vorrunde habe auch die Offensive trotz eigener 63 Tore – drei besser als beispielsweise der Viertplatzierte Fellbach – einiges liegengelassen. „Die Chancenverwertung hätte besser sein können, wenn ich nur schaue, wie wir im vorletzten Heimspiel gegen Berg 30 Minuten lang ohne Erfolg auf ein Tor gespielt und letztlich 1:2 verloren haben.“

Auch im abschließenden Saisonspiel gegen den Meister Reutlingen war das Toreschießen trotz des 3:0-Erfolgs ein Manko der Nord-Stuttgarter – sie hätten Rottenburg in Sachen Torverhältnis durchaus unter Druck setzen können. Allein Terry Offei scheiterte zweimal alleine vor dem Reutlinger Tor kläglich, schoss einmal freistehend neben selbiges und bediente zudem einen Mitspieler schlampig vor dem Tor. Immerhin, zweimal (5./74.) netzte er ein. Offeis Führungstreffer war schön herausgespielt von Samir Genc und Tarik Bouich. Letzterer sorgte nach der Pause für das Sahnestück des Spiels. Im Strafraum tanzte er einen Reutlinger fein aus und chippte das Spielgerät an Torwart Nikolay Goranov vorbei zum 2:0 ins Netz.

Auch wenn der Abstieg unumgänglich ist, schaut man an der Giebelstraße positiv nach vorne. „Wir werfen hier nicht alles über den Haufen, schließlich ist das nicht unserer erster Abstieg, wir wissen damit umzugehen“, sagt Bachmann. Was die Mannschaft anbelangt, scheint sie in großen Stücken zusammen zu bleiben. Unter anderem haben bereits vor Wochen Samir Genc, Tamer-Harun Fara, Erdinc Bozoglu, Riccardo Scarcelli, Giuseppe Berretta, Joel Heske und Tarik Bouich zugesagt, Torjäger und Urgestein Daniel Baierle bleibt ebenfalls. Positive Signale gibt es auch von dem Regionalliga-erfahrenen Jonathan Zinram-Kisch, der einmal mehr gegen Reutlingen im defensiven Mittelfeld einen starken Eindruck hinterlassen hat. „Es sieht gut aus, dass ich bleibe“, so Zinram-Kisch, „schließlich will ich mithelfen, den Karren wieder aus dem Dreck ziehen“.

„Spieler des Spiels“ des TSV Weilimdorf

Jonathan Zinram-Kisch (Nominierungen: 3). Sorgte im Mittelfeld für Ordnung. Gewann viele Zweikämpfe und leitete den ein oder anderen gefährlichen Konter ein.

TSV Weilimdorf: Heske – Krasniqi, Kuchler, Nije (67. Stagel Alberto), Milenkovic (46. Addo) – Zinram-Kisch (84. Takasaki), Genc – Scarcelli, Bouich (62. Wojcik), Beretta (58. Küley) – Offei.

Young Boys Reutlingen: Goranov – Qadeer, Wagner, Herberth (46. Tasdögen) – Diescher (67. Breuninger), Aktepe, Silov, Iggoute (89. Welsch), Lennerth – Drljo (57. Gaiser), Galic (46. Dünkel).