Zumindest drei der aktuellen Neuen sind bei Calcio gleich als feste Größen eingeplant. Von links: José-Alex Ikeng, Felix Gerber und Terry Offei. Foto: Yavuz Dural

Mit fünf Winterpausen-Neuzugängen will es der Filderclub besser machen als in der Hinrunde. Im Kader gibt es aber auch zwei Sorgenkinder – und in der Tabelle eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Echterdingen - Eine alte Weisheit besagt, dass es immer auf den Blickwinkel ankommt im Leben. Schaut der Trainer Francesco Di Frisco auf die aktuelle Wintervorbereitung seiner Mannschaft zurück, muss er schmunzeln. Tun seine Spieler dies, dürfte sich die Heiterkeit in ungleich engeren Grenzen halten. „Die meisten von ihnen bekommen wohl schon beim bloßen Gedanken daran erneut Muskelkater“, sagt Di Frisco und lacht. Ja, er habe in den vergangenen Wochen „etwas den Felix Magath geben müssen“. Magath, den „Quälix“, wie sie ihn in der Branche getauft haben. Heißt: in den Übungseinheiten ging es an die Schmerzgrenze und darüber hinaus.

Was die Schufterei gebracht hat, muss sich nun vom morgigen Samstag an zeigen. Für Calcio Leinfelden-Echterdingen beginnt mit dem Auswärtsspiel beim 1. FC Heiningen die zweite Saisonphase. Geknüppelt hatten sie beim Filderclub ja auch im vergangenen Sommer schon. Auch damals schienen die Voraussetzungen top. Auch damals waren die Testspielergebnisse glänzend. Und auch damals war die Erwartungshaltung bei allen Beteiligten groß. Gefolgt ist dann allerdings eine recht ernüchternde Hinrunde. Zwar ist es so, dass die Echterdinger im dicht gedrängelten Klassement als Neunten gerade mal drei Punkte von Platz vier trennen. „Unser Ziel, im oberen Drittel dabei zu sein, können wir also immer noch gut erreichen“, sagt Di Frisco. Zur Wahrheit gehören aber auch zwei andere Statistiken.

Zur Abstiegszone beträg der Abstand nur einen Zähler

Davon, wie ursprünglich erhofft, ganz vorne anzugreifen, ist die Mannschaft gefühlt so weit entfernt wie der VfB von der Champions-League-Qualifikation. Die drei Führenden der Tabelle sind meilenweit enteilt. Und, was noch deutlich nachdenklicher stimmen muss: in die andere Richtung, zur Abstiegszone, beträgt der Abstand nur einen einzigen Zähler – so paradox das in Anbetracht des Kaderpotenzials und auch der zwischenzeitlich gezeigten Leistungen erscheinen mag.

Zu was sie in dieser Liga in der Lage sein könnten, das haben die Calcio-Kicker durchaus angedeutet. Welches andere Team könnte von sich behaupten, die Titelfavoriten Hollenbach und Dorfmerkingen im Schwitzkasten gehabt und dem Ersten Rutesheim vier Treffer eingeschenkt zu haben? Das Problem ist: das Ganze dann auch in entsprechende Resultate umzumünzen, das haben Di Frisco und die Seinen allzu oft versäumt. Starke Erlebnisse, schlechte Ergebnisse. „Insgesamt“, schätzt der Coach, „haben wir in dieser Saison schon um die zwölf Zähler völlig unnötig hergeschenkt.“ Mal wegen ausgelassener Torchancen, mal wegen am Ende noch individueller defensiver Aussetzer, mal wegen kollektiv taktischer Naivität. In entscheidenden Phasen fehlten immer wieder Killerinstinkt, Abgezocktheit und Cleverness.

Neuzugang José-Alex Ikeng soll eine Schlüsselrolle bekleiden

Da wollen die Echterdinger folglich den Hebel ansetzen. Vor allem im Umschaltspiel nach Ballverlusten sieht Di Frisco Steigerungsbedarf. Eine Schlüsselrolle soll dabei einer der Neuzugänge bekleiden: Der Ex-Profi José-Alex Ikeng ist nach des Trainers Einschätzung „die Figur, die uns im Mittelfeld noch gefehlt hat“. Der 31-Jährige passe „als Chef auf dem Platz – als einer, der die Kommandos geben kann“. Für Ingolstadt kickte der gebürtige Kameruner einst in der zweiten Liga, für mehrere andere Clubs in der dritten – erwarb sich in dieser Zeit jedoch auch den Ruf eines Enfant terrible. Allemal unglücklich verlief sein Einstand für Calcio. Im Test gegen Geislingen sah Ikeng die rote Karte und ist bis 2. März gesperrt, mithin auch beim jetzigen Punktspielauftakt.

Im Calcio-Kader ist er indes nur eine von fünf Winterpausen-Nachbesserungen. Die vier anderen fallen in die Kategorie „jung, hungrig, talentiert“. So hat der Verein in Melvin Tullo (20) und Maximilian Röck (21) nun zwei Ersatzkeeper, die das Vakuum hinter dem Platzhirsch Henning Bortel beheben. Felix Gerber (20, zuvor Stuttgarter Kickers) stärkt die linke Abwehrseite im beabsichtigten ­4-3-3-System – vor allem er habe es „bisher prima gemacht“, konstatiert Di Frisco.

Die Torjäger sind die Sorgenkinder

Und dann ist da noch Terry Offei (20). Der Angreifer war eigentlich als perspektivische Verpflichtung gedacht. Nun deutet aber alles darauf hin, dass auch der bisherige Löchgauer gleich in der ersten Elf auftauchen wird. Auch, weil Offei seit seinem Einstieg erfrischend aufgetreten ist. Mehr aber noch, weil die beiden etatmäßigen Torjäger gerade die Sorgenkinder sind.

Sascha Häcker, bester Schütze der vergangenen Saison, bleibt das Verletzungspech treu. Nach verschiedenen Blessuren schon in der Hinrunde hat er nun auch den Großteil der Vorbereitung verpasst. Der diesmalige Grund: ein leichter Bandscheibenvorfall. Und Gentian Lekaj, bester Schütze der aktuellen Saison, ist ebenfalls seit Wochen raus. Bei ihm wurde im Rahmen einer Virusinfektion eine Herzmuskelentzündung festgestellt.

Die Frisco will mehr Punkte holen als in der Hinrunde

Ein Schelm, der behauptet, in einer Hinsicht habe dies für die beiden auch etwas Gutes gehabt: Di Friscos Stressprogramm blieb ihnen somit jedenfalls erspart. Freilich: auch für den Ligabetrieb sind sie hiernach bis auf Weiteres keine Option. Für die ausgegebenen Ziele müssen sich andere bemühen. Jene formuliert Di Frisco deutlich zurückhaltender als noch zum Saisonbeginn. „Wir wollen mehr Punkte holen als in der Hinrunde“, sagt er. Zu was das dann noch reicht, wird man sehen. Zumindest zum Klassenverbleib wohl schon – so wenig dieser auch als Maßstab vorgesehen war.

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