Akrobatische Zugabe zum Führungstor: Diamant Avdiu geht in die Luft. Insgesamt traf der 28-Jährige in neuer Rolle sogar zweimal. Foto: Baumann

Die Verbandsliga-Kicker von Calcio Leinfelden-Echterdingen beenden ihren Sinkflug mit einem 3:1-Sieg in Löchgau und entkräften dabei einen aufgekeimten Verdacht.

Löchgau - Falls es noch Zweifel gegeben haben sollte, diese eine Szene hat sie ausgeräumt. Es lief bereits die Nachspielzeit, und die Begegnung war praktisch längst entschieden, als der Gegner einen letzten Angriff startete. Was passierte? Gleich vier Spieler des Fußball-Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen stürzten sich wild entschlossen auf den Ballführenden und drängten jenen an die Seitenauslinie ab. Als die Kugel schließlich zurückerobert war, fügte der Kapitän Shaban Ismaili eine Art Schlachtschrei an: „Ja! Weiter so, Jungs!“ Fehlte nur noch, dass er und die Seinen sich mit den Fäusten auf die Brust trommelten.

Können die Echterdinger Abstiegskampf? Der Auftritt am Samstagnachmittag hat die Antwort gebracht: Ja, sie können. Von wegen, dass es diesem mit Feingeistern der Ballkunst bestückten Ensemble an rustikaler Alltagstauglichkeit fehlt. Vielleicht war es ja gerade dieser im sportlichen Sinkflug der vergangenen Wochen aufgekeimte Verdacht, der die Beteiligten anstachelte. „Aggressiv, zweikampfstark – die Mannschaft hat ein Zeichen gesetzt, dass sie bereit ist“, sagte der Trainer Francesco Di Frisco nach gut 90 Minuten des demonstrativen Ärmelhochkrempelns, die mit einem 3:1-Sieg beim FV Löchgau belohnt wurden. Im vierten Anlauf also endlich die ersten Punkte seit der Winterpause. Punkte, mit denen beim Filderclub nun die Hoffnung verbunden ist, dass es überhaupt die Wende zum Besseren war.

„Begriffen, um was es geht“

Klar, beim Tabellenvorletzten zu gewinnen, bei einem Aufsteiger, der als krasser Außenseiter in die Saison gegangen ist, das sollte schlicht auch der Echterdinger Anspruch sein. Eigentlich bloße Normalität. Doch was ist schon normal in einer Liga, in der ein Hinterbänkler der vorigen Runde Herbstmeister wird (Rutesheim), in der aktuell der Letzte beim Titelfavoriten gewinnt (Albstadt in Hollenbach) – und in der eben ein vermeintlicher Spitzenanwärter wie Calcio am Rand der Abstiegszone taumelt. „Mittlerweile aber“, ist Di Frisco überzeugt, „haben alle begriffen, um was es geht und dass man gegen jeden Gegner alles abrufen muss.“

Hinzu kam zur Willenskraft, dass das gegnerische Tor anders als noch beim 0:3 vor Wochenfrist in Ehingen nicht quasi vernagelt war. Ein Doppelschlag ließ bei den Echterdingern schon kurz vor der Pause einige Steine der Erleichterung fallen. Nachdem die Gastgeber sich bis dahin auf Augenhöhe bewegt hatten, rappelte es innerhalb von nur 60 Sekunden zweimal in ihrem Kasten (38./39.). Erst verlängerte Diamant Avdiu den Ball nach Vorarbeit von Josip Pranjic und Gentian Lekaj ins Netz. Dann fügte Lekaj selbst seinen zwölften Saisontreffer an, indem er nach einem Lattenlupfer von Bastian Joas nachsetzte.

Überraschungen in der Aufstellung

Als schließlich im zweiten Durchgang erneut Avdiu zur Stelle war (59.), diesmal nach einer Joas-Flanke per wuchtigem 15-Meter-Schuss, waren die Würfel gefallen – und Di Frisco sah sich bestätigt in seinen taktischen Maßnahmen. Die Idee, Avdiu vom Linksverteidiger zum zentralen Mittelfeldmann umzufunktionieren? Aufgegangen. Die Überraschung, den bisherigen Dauerbankdrücker Vincenzo Parrinello in die Startelf zu befördern? „Er hat gute Pässe gespielt“, lobt Di Frisco. Und die Entscheidung, von der Abwehrvierer- zu einer -dreierkette zurückzukehren? Zugelassen hat eine konzentriert verteidigende Calcio-Mannschaft jedenfalls nicht viel, sieht man von zwei Großchancen ab. Die eine vergab der Löchgauer Stürmer Marco Knittel unbedrängt (27.), die andere nutzte er zum zwischenzeitlichen Anschlusstor, wobei der 26-Jährige von einem Stellungsfehler Pranjics profitierte (54.).

Freilich: bei aller sonstigen Calcio-Stabilität, der Gegner stellt halt auch nicht von ungefähr den harmlosesten Angriff der Liga. 18 Tore nur in 19 Spielen – und derjenige, der davon die Hälfte erzielt hat, der Ex-Bissinger Peter Wiens, fehlte wegen privater Verpflichtungen. Überhaupt stand dem Di-Frisco-Gegenüber Thomas Herbst nur ein Notaufgebot zur Verfügung. Bezeichnend auch für ihn eine Begebenheit aus der Endphase der Begegnung. Da war es bei Calcio so weit: Sascha Häcker durfte auf den Platz. Der Torjäger feierte nach mehrmonatiger Verletzungspause ein Comeback. „Damit ist dann viel gesagt: Die wechseln einen Häcker ein, der gefühlt 500 Verbands- und Landesliga-Spiele auf dem Buckel hat. Bei uns dagegen kommen A-Jugendliche von der Bank“, konstatierte Herbst. Sein Fazit, ganz nüchtern und ohne Galligkeit: „Von den Voraussetzungen her sind da zwei verschiedene Fußballwelten aufeinander getroffen.“

Daran, dies auch in der Tabelle zum Ausdruck zu bringen, werden die Echterdinger in den nächsten Wochen weiter arbeiten müssen. Betonung auf „arbeiten“. Immerhin: ein wichtiger Anfang ist mit Leistung und Ergebnis vom Samstag gemacht.

FV Löchgau:
Altmann – Macorig (61. Trautwein), Kühnle, Haug, Haile – Asare, Wolter (29. Andric), Feufel (71. Stender), Gurth (81. Wieland) – Baki – Knittel.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Bäuerle, Pranjic, Zweigle – Vidic, Avdiu (80. Offei), Ismaili, Gerber – Parrinello (60. Candan), Lekaj (82. Häcker), Joas (86. Syla).

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