Diamant Avdiu (links) ist einer von drei Spielern, die wohl ins Calcio-Aufgebot zurückkehren. Foto: Archiv Yavuz Dural

Calcio Leinfelden-Echterdingen misst sich am Sonntag mit dem Tabellenführer Rutesheim. Es ist für die Gastgeber die Chance, eine zunehmend ärgerliche Rubrik endlich zu verlassen.

Echterdingen - Vielleicht sollten sie ja mal eine alternative Tabelle aufstellen. In der, das ist sicher, wären die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen in dieser Saison unangefochten die Nummer eins. Ein Ranking nach unnötig liegen gelassenen Punkten? Keine andere Mannschaft hat derart viele Begegnungen unter der Rubrik „Möglich gewesen wäre mehr“ absolviert. Kein anderes Team hätte mehr Anlass, mit sich selbst zu hadern unter der Gewissheit, Chancen verschenkt zu haben. So kommt es, dass sich zur Spitze des Klassements bereits eine mächtige Kluft von elf Zählern aufgetan hat. Der tatsächliche Tabellenführer, der heißt derweil sensationell SKV Rutesheim – und ist am Sonntag als nächster Gegner im Sportpark Goldäcker zu Gast. Eine schwierige Auf­gabe, bei der der Trainer Francesco Di Frisco nun auf eine Initialzündung für die Seinen hofft.

Di Frisco: „Ein Zeichen setzen“

Nur ein Sieg aus acht Spielen – das ist die kärgliche Echterdinger Ausbeute der vergangenen Wochen. Dass dies zu wenig ist, weiß auch Di Frisco. Zumal für einen Verein mit Ansprüchen, wie sie Calcio hat. „Jetzt können wir ein Zeichen setzen, vor allem fürs Selbstvertrauen“, sagt der Coach mit Blick auf den aktuellen Spieltag. Ein Heimcoup gegen den Klassenprimus, ist er überzeugt, würde einiges anstoßen. „Holen wir einen Dreier“, so Di Friscos Rechnung, „dann werden auch die noch verbleibenden Auftritte bis zur Winterpause erfolgreich.“

Freilich: eben das Erfolgsrezept hat der Filderclub bislang nicht so richtig gefunden. Mal fehlte es an der defensiven Stabilität, mal an der Kreativität. Mal ließ die Mannschaft in entscheidenden Phasen die taktische Cleverness vermissen, mal den Torriecher. Letzteres wurde jüngst beim 0:0 in Laupheim zum Verhängnis, als Volkan Candan und Meksud Colic zwei Riesenmöglichkeiten zum Auswärtssieg vergaben. So unspektakulär die Leistung dort alles in allem war, „daran wollen wir anknüpfen“, sagt Di Frisco – „nur mit dem Unterschied, dass unsere Nadelstiche nach vorn diesmal etwas Zählbares bringen sollen“. Als Mutmacher zieht er die beiden Kräftemessen aus der vergangenen Saison heran: Damals behauptete sich Calcio gegen den Kontrahenten aus dem Strohgäu zweimal, mit 4:2 und 2:1.

Vom Beinahe-Absteiger zum Spitzenteam

Allerdings haben sich die Vorzeichen geändert. Seinerzeit waren die Rutesheimer noch kein Spitzenteam. Ganz im Gegenteil. Erst in der Relegation und nur dank Ilshofener Schützenhilfe kamen sie im Juni zum Klassenverbleib. Umso erstaunlicher der jetzige Wandel. Hätte vor Rundenbeginn jemand den aktuellen Stand getippt, er wäre wohl als Ahnungsloser belächelt worden. Und manch einer mag sich bei den Gästen nach wie vor selbst zwicken, um sich zu vergewissern, dass alles nicht bloß ein schöner Traum ist. Aber Realität: der krasse Außenseiter stellt bislang die Liga auf den Kopf. Im laufenden Spieljahr der Staffel hat das Aufgebot von Di Friscos Amtskollege Rolf Kramer erst ein einziges Mal verloren (0:1 in Laupheim).

Ansonsten überzeugte der Vorjahresaufsteiger mit mannschaftlicher Geschlossenheit und einer breit aufgestellten Offensivabteilung. Unter den Angreifern Steffen Hertenstein, Noah Lulic und Salvatore Catanzano galt zuletzt: einer trifft immer. Und dabei ist der eigentliche Toptorjäger noch gar nicht mit aufgezählt: Gianluca Crepaldi tastet sich gerade erst langsam wieder zu alter Form. Wegen eines Achillessehnenrisses war der 28-Jährige mehrere Monate lang außer Gefecht.

Demgegenüber muss bei Calcio der Goalgetter Sascha Häcker im Spiel gegen seinen Ex-Verein mit einer Wadenzerrung weiter passen. Drei andere, Timo Bäuerle, Diamant Avdiu und vermutlich auch Ugur Capar (nach Hochzeitsreise), kehren ins Aufgebot zurück. Ob dies zudem für Alessandro Nicastro gilt, will Di Frisco nach den letzten Übungseindrücken entscheiden. Vor Wochenfrist hatte der Verteidiger eine „Denkpause“ erhalten, wie sein Coach sagt – wegen „mangelnder Trainingsleistung“. Noch etwas aus der erwähnten Kategorie „Möglich gewesen wäre mehr“.

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