Kaum zu glauben, dieses Ergebnis. Auch nicht für den Calcio-Verteidiger Lukas Zweigle, der bei den beiden ersten Gegentoren patzte. Foto: Archiv Pressfoto Eibner

Der Verbandsligist Calcio trumpft beim Tabellenführer spielerisch auf – und geht zur eigenen Fassungslosigkeit mit einer 1:5-Schlappe auf die Heimreise. Das hat freilich Gründe.

Dorfmerkingen - Dass dieses Fazit womöglich etwas komisch rüberkommt, dessen ist sich Francesco Di Frisco durchaus bewusst. „Vielleicht denken jetzt einige: Der Mann hat einen Dachschaden“, sagt der Trainer von Calcio Leinfelden-Echterdingen. Aber was nach seiner Beobachtung wahr ist, bleibt eben wahr. Also schwärmt der Coach: „Toller Fußball von uns, überragend. Spielerisch der beste Auftritt, seit unsere Mannschaft in der Verbandsliga ist“ – und „belohnt“ am Samstag mit der höchsten Saisonniederlage. Im Kontrast zum Lob steht, flankiert von Echterdinger Fassungslosigkeit, das Ergebnis: Aller Ballkunst zum Trotz ging der Filderclub im Auswärtsspiel beim Tabellenführer Spfr. Dorfmerkingen mit 1:5 unter.

Nach zuletzt vier Siegen in Serie nun also eine heftige Abfuhr. Wer in die Calcio-Gesichter nach dem Abpfiff schaute, der hätte vermuten können, den Beteiligten wäre gerade mitgeteilt worden, dass der Weltverband die Abschaffung von Toren und des Balls als Spielgerät beschlossen hat. Ungläubigkeit. Kopfschütteln. Nicht zuletzt bei Di Frisco, der „dieses Resultat nach dem, was auf dem Rasen war“, für „schwer begreifbar“ hält. Konnte das alles sein? Es konnte. Denn dummerweise werden im eigenen Sport halt keine Schönheitspreise vergeben. Es gibt keine Noten für den künstlerischen Wert – was am Ende zählt, sind Tore, nackte Zahlen, mithin die Effizienz. Und in diesem Bereich war dann doch der Gegner weit voraus.

Acht Mann top, drei außer Form

„Eine spielerisch imponierende Leistung von Calcio“, räumt der Dorfmerkinger Di-Frisco-Amtskollege Helmut Dietterle anerkennend ein, „wir haben dagegen schwer zu kämpfen gehabt.“ Aber, das stellt er mit Blick auf den Kontrahenten ebenfalls fest: „Der letzte Pass und die letzte Konsequenz haben ihnen gefehlt.“ Hinzu kamen individuelle Echterdinger Schwächen bei den Gegentoren. Um es mit Di Frisco zu sagen: „Acht Mann unserer Elf haben einen Supertag erwischt, drei leider nicht.“

Gemeint sind Lukas Zweigle und Felix Gerber, die die linke Abwehrseite bildeten, sowie vor allem der Keeper Henning Bortel. Jenem attestiert Di Frisco eine Mitschuld an drei der fünf Dorfmerkinger Treffer. „Er hat da jeweils nicht so gut ausgesehen“, sagt der Trainer, der somit die eigene frühe Führung, die Diamant Avdiu nach Vorarbeit von Ugur Capar und Gentian Lekaj erzielte (4.), zum Muster ohne Wert verrinnen sah.

Defensive Pannen bei den Gegentoren

Erst versäumten es die Echterdinger, bei mehreren Chancen in der ersten Hälfte nachzulegen. Dann folgten die angedeuteten defensiven Pannen. Vor dem 1:1 spielte Zweigle einen Fehlpass, wusste sich nur noch durch ein Foul zu helfen, und den Freistoß versenkte Timo Zimmer gegen eine von Bortel schlecht platzierte Calcio-Mauer im Netz (7.). Beim 1:2 verzichtete Zweigle diesmal fahrlässigerweise auf ein entschiedeneres Eingreifen und flutschte Benjamin Schieles Schuss unter Bortels Armen durch (38.). Dem 1:3 ging ein Ballverlust Lekajs voraus – erneut profitierte Zimmer (61.). Und beim 1:4 ließ Bortel die Kugel nach vorne abprallen, sodass Daniel Nietzer nur noch abstauben musste (68.). Als zuletzt dann auch noch Fabio Mango einen Dorfmerkinger Konter kühl vollendete (74.), waren die Echterdinger vollends bedient.

Dorfmerkingen, so scheint es, wird überhaupt zum Schreckensort. In der vergangenen Saison hatten die Calcio-Kicker an selber Stätte gar ein 2:7-Debakel erlebt – damals freilich unter anderen Umständen. Seinerzeit ließ sich eine bereits im Sommerpausen-Modus befindliche Gästeeelf vorführen. Diesmal führte sie den Spitzenreiter streckenweise selber vor, was offenbarte, welches Potenzial im eigenen Kader steckt und was in dieser Saison eigentlich möglich gewesen wäre.

Carfagna erneut verletzt

Tatsächlich sind Di Frisco und die Seinen nun sechs Spieltage vor Rundenschluss nur Tabellenachter. Die aktuelle Partie darf, bei allem zwischenzeitlichen Highlight-Charakter, als Sinnbild für verpasste Gelegenheiten in die Jahresbilanz eingehen. Ebenso wie der eigene Angreifer Toni Carfagna am Ende sinnbildlich stand. Der Comeback-Einsatz des Dauerpatienten der vorigen Monate dauerte nur gut 20 Minuten. Eingewechselt und wieder ausgewechselt. Der Grund: eine Knöchelprellung. Kein Dach-, sondern ein Fußschaden.

Auch Carfagnas Gesichtsausdruck sprach Bände, als er das Spielfeld verließ. Auch ihm kam an diesem Nachmittag einiges ziemlich komisch vor.

Spfr. Dorfmerkingen:
Zech – Roschmann, Michael Schiele (83. Schmidt), Janik, Gruber – Benjamin Schiele, Sauer, Zimmer (78. Milojkovic), Bihr (46. Scherer) – Nietzer, Mango (79. Schwarzer).

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Biljeskovic, Pranjic, Zweigle – Vidic, Avdiu (75. Syla), Ismaili, Gerber (62. Carfagna, 83. Ikeng) – Joas, Lekaj (75. Häcker), Capar.

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