Der Torhüter Henning Bortel zeigte sich gut aufgelegt, war beim späten Gegentor aber chancenlos. Foto: Archiv Yavuz Dural

Calcio überzeugt beim Favoriten Essingen, verliert aber durch ein spätes Tor mit 0:1. Dass der Trainer weiter mit seiner Zusage zögert, hat indes andere Gründe.

Essingen - Gestik und Mimik der Betroffenen sprachen Bände: Was für ein bescheuertes Spiel kann Fußball doch manchmal sein! Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass die Verbandsliga-Kicker von Calcio Leinfelden-Echterdingen nach dem Abpfiff mit Lob überschüttet wurden. Keinen Geringeren als den Tabellenführer Dorfmerkingen hatten sie streckenweise an die Wand gespielt – umso aberwitziger das Resultat. Es lautete aus Echterdinger Sicht 1:5.

Nun, am aktuellen Spieltag, fühlte sich die Delegation des Filderclubs schon wieder im falschen Film. Erneut Ostalb, erneut ein favorisierter Gegner, erneut eine couragierte eigene Vorstellung – und ebenso erneut traten der Trainer Francesco Di Frisco und die Seinen die Heimfahrt als bedröppelte Verlierer an. „Das ist nach so einem Auftritt einfach ärgerlich“, sagte der Coach, der mit ansehen musste, wie seiner Mannschaft kurz vor Ultimo noch der Lohn aller Anstrengungen aus den Händen glitt. Es lief bereits die 90. Spielminute, als der Aufstiegsanwärter TSV Essingen einen Freistoß zum einzigen Treffer der Begegnung verwandelte. Diesmal Endstand 0:1, verbunden mit einem für die Echterdinger aus dieser Saison überhaupt längst lästigen Erkenntnis: jener, dass in einer Begegnung mehr möglich gewesen wäre, man es jedoch versäumt hat, Aufwand und Ertrag ins passende Verhältnis zu bringen.

Joas vergibt Führungschance

Gäbe es ein Ranking nach unnötig und unglücklich liegen gelassenen Punkten, Calcio läge wohl ziemlich weit vorn. Doch muss man sich eben auch an die eigene Nase fassen. „Wir haben den Gegner früh gestört und ihn unter Druck gesetzt. Und wir hatten mehr Ballbesitz“, konstatierte Di Frisco, räumte aber auch ein: „Tormöglichkeiten sind kaum herausgesprungen.“ Weder hüben noch drüben. Genauer gesagt: für die Gäste war es während der gesamten Partie nur eine einzige aus der Hochkaräter-Kategorie. Jene vergab Bastian Joas in der Anfangsphase (7.). Nach einem Pass von Diamant Avdiu hatte er freie Bahn zum Essinger Tor, schloss aber zu überhastet ab.

Demgegenüber verrichtete die Echterdinger Defensive einen guten Job. Wirklich brenzlig wurde es für jene lediglich bei drei Standardsituationen. Zweimal, jeweils nach Eckstoß und Kopfball des Ex-Profis Niklas Weißenberger (dritte Liga in Würzburg), kratzte Calcio den Ball von der Torlinie. Timo Bäuerle sowie der Keeper Henning Bortel verhinderten so einen Rückstand (30./67.). Dann, als bereits alles auf einen Achtungserfolg mit einem torlosen Remis hindeutete, musste doch auch der gute Schlussmann hinter sich greifen. Der Essinger Torjäger Stanislaus Bergheim zirkelte einen Freistoß in die Dreiangel.

„Insgesamt nicht unverdient“, befand der Di-Frisco-Gegenüber Beniamino Molinari, „denn der Gegner war zwar auf Augenhöhe und hat uns gefordert, wir hatten aber halt die besseren Chancen.“ Nun auch weiter auf den Aufstieg. Vom Relegationsplatz zwei trennen den Klassenkrösus und ursprünglichen Titelfavoriten drei Punkte. Calcio hingegen muss aufpassen, dass es nicht unerwartet noch einmal in die andere Richtung eng wird. Der Abstand der Echterdinger zur Abstiegszone ist auf fünf Zähler geschrumpft. „Einen Sieg brauchen wir noch“, sagt Di Frisco. Der soll am nächsten Sonntag im Heimspiel gegen den Tabellenvorletzten FV Olympia Laupheim eingefahren werden – um dann vollends in die Planung für die bereits nächste Saison durchstarten zu können.

Di Frisco zögert weiter mit Zusage

Offen ist dabei nach wie vor Di Friscos Zukunft. Die Vereinsverantwortlichen würden wie berichtet gerne verlängern – der Coach zögert unverändert, weil er erst die Entwicklung in ein paar Bereichen abwarten will. Stichwort Neuzugänge. Stichwort Infrastruktur. Stichwort professionelleres Umfeld. „Wenn ich bleibe, will ich solche Rahmenbedingungen, dass wir in der kommenden Runde die Oberliga anpeilen können“, sagt Di Frisco.

Hierfür, das ist allen Beteiligten klar, muss Calcio noch eine Schippe drauflegen. Nicht zuletzt die aktuellen Partien in Dorfmerkingen und Essingen haben es gezeigt – allem letztlich erhaltenen Lob zum Trotz.

TSV Essingen:
Spasojevic – Ruth, Weißenberger, Müller – Weiß (59. Zahner), Gurrionero Munoz, Dodontsakis, Eiselt (86. Skrobic) – Biebl (78. Ibrahim) – Bergheim, Groiß (59. Gallego Vazquez).

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Bäuerle, Pranjic, Biljeskovic – Vidic, Avdiu, Ismaili (76. Ikeng), Gerber (82. Carfagna) – Joas (85. Candan), Lekaj (88. Häcker), Capar.

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