Bastian Joas steigt in Echterdingen aus. Er wechselt zum Staffelrivalen Normannia Gmünd. Foto: Yavuz Dural

Calcio Leinfelden-Echterdingen bastelt am Kader für die nächste Saison. Noch ungeklärt ist die Trainerfrage – und auch die Zukunft des Torjägers.

Echterdingen - Die Enttäuschung ist noch immer nicht ganz verflogen. Blödes Coronavirus! Wurden die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen somit doch um die Chance gebracht, ihre ambitionierten Rückrunden-Pläne umzusetzen. Stichwort „Angriff auf die vorderen Tabellenplätze“. Nun soll gelten: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auf ein Neues dann halt in der nächsten Saison. Aktuell bastelt der Filderclub eifrig am Kader – und kann inzwischen erste Ergebnisse vermelden.

Die wichtigsten Eckdaten? Erstens: das Grundgerüst mit dem Kapitän Shaban Ismaili an der Spitze bleibt. Zweitens: zugleich verlassen in Henning Bortel, Bastian Joas und Gökhan Gümüssu aber auch drei Leistungsträger den Verein. Drittens: ein ehemaliger Schlüsselspieler, namentlich Shkemb Miftari, steht vor der Rückkehr. Gleichwohl dürfte den Verantwortlichen die Arbeit nicht so schnell ausgehen. „Es war wichtig, jetzt erst einmal einen Grundstock zu errichten“, sagt der Co-Trainer und derzeit verstärkt in die Planung eingebundene Marijo Marinovic. Jedoch gebe es noch einige Fragezeichen. Zum Beispiel um den Torjäger Sascha Häcker. Und ebenso zum Beispiel und nicht zuletzt um den Chefcoach-Posten. Der Amtsinhaber Francesco Di Frisco zögert bislang mit einer Vertragsverlängerung.

Di Frisco zögert noch

Klar ist: Calcio würde gern mit Di Frisco weitermachen. Geht es nach dem Verein, wird der 33-Jährige von Juli an in seine dann fünfte Saison bei den Echterdingern durchstarten. Di Frisco indes hätte vor einem erneuten „Ja“ gern noch ein paar Dinge geklärt, wie er sagt. Vor allem einen Punkt: wie wird die Arbeitsverteilung fortan sein? „Wenn weiter 80 Prozent aller Aufgaben auf meinen Schultern lasten, dann tue ich mich schwer“, sagt er. Sein Wunsch ist: das eigene Pensum reduzieren. Wenn es der Beruf erfordere, dann am ein oder anderen Trainingsabend auch mal nicht selbst zugegen sein. Der Ball, so Di Frisco, liege nun bei Calcio. Der Verein müsse aufzeigen, ob man mit der „erforderlichen Manpower“ dienen könne.

Laut Marinovic sollte es daran eher nicht scheitern. Die Echterdinger Bemühungen, das eigene Funktionärsteam zu erweitern, laufen – auch eingedenk der Tatsache, dass der Spielleiter Gioacchino Di Frisco, der Vater des Trainers, sein Amt über die Jahreswende aus zeitlichen Gründen niedergelegt hat. Marinovic selbst hat auch zuletzt schon gelegentlich Übungseinheiten geleitet und ist gewillt, sich als Assistent weiter tatkräftig einzubringen. In Richtung seines abwartenden Weggefährten und Chefs hat er eine Botschaft mit Augenzwinkern: „Ich arbeite hier gerade mit Vollgas, um seine personellen Vorstellungen umzusetzen. Wenn er nun absagt, dann kriegt er ein Problem mit mir.“ Auf dem Rasen kann es gemäß Marinovic eh nur eine Marschrichtung geben: nach oben. Vom Ziel Oberliga mögen er und der Sportdirektor Angelo Vaccaro zwar nicht direkt sprechen, indirekt aber schon. „Wir waren jetzt Fünfter. Sollen wir da sagen, dass wir mit einem erneuten fünften Platz zufrieden wären?“, sagt Marinovic. Für einen Fußballer müsse es immer das Bestreben sein, vorne dabei zu sein.

Im Kader, der ob des praktisch sicheren Saisonabbruchs das Training wohl erst im Juli wieder aufnehmen wird, ergibt sich aktuell folgender Stand:

Abgänge

Wie gesagt: in Henning Bortel, Bastian Joas und Gökhan Gümüssu gehen drei Leistungsträger. Der Keeper Bortel wechselt in die Oberliga zum FSV 08 Bissingen. „Nach vier Jahren Calcio ergibt sich für mich die Möglichkeit, noch einmal eine Etage höher zu spielen – die will ich nutzen“, sagt der 28-Jährige, in dessen Leben sich gerade überhaupt Einschneidendes tut. Am Montag ist er zum ersten Mal Vater geworden.

Für Joas, zweitbester Calcio-Torschütze dieser Saison, führt der Weg derweil zum Staffelrivalen 1. FC Normannia Gmünd – in seinem Fall eher zum Unverständnis Di Friscos. „Ich weiß nicht, ob das für ihn sportlich ein Schritt nach vorne ist“, sagt der Coach – „für uns ist es jedenfalls ein Verlust“. Gümüssu schließlich hat sich entschlossen, ein Angebot des Landesliga-Aufsteigers Türkspor Neckarsulm (Staffel 1) anzunehmen. Entscheidendes Argument: sein neuer Verein vermittelt ihm einen Arbeitsplatz.

Weitere sichere Abgänge sind die beiden Ersatztorhüter Melvin Tullo (GSV Maichingen) und Hüsrev Kop (Ziel unbekannt) sowie der erst zur Winterpause wieder eingestiegene Dimitrios Vidic (berufliche Gründe/TV Nellingen?), Aron Zogaj (zurück zum TV Echterdingen) und Terry Ofei (Ziel unbekannt).

Sicher weiter bei Calcio

Außer dem Kapitän Shaban Ismaili haben ihren Verbleib zugesagt: Josip Biljeskovic, Felix Gerber, Lukas Zweigle, Diamant Avdiu und Josip Pranjic. Hinzu kommen als Spieler mit Verträgen, die noch über die aktuelle Runde hinaus laufen: Panagiotis Karastergios, Lukas Ryl und Carmelo Quartuccio.

Wahrscheinlich weiter bei Calcio

In den Fällen Ugur Capar, Timo Bäuerle und Erdem Akcan sind lediglich noch Details zu klären. Klare Tendenz: auch sie schlüpfen weiter ins Echterdinger Trikot.

Noch offen

Der Torjäger Sascha Häcker hat laut Marinovic ein Calcio-Angebot zur Vertragsverlängerung vorliegen – noch ohne Antwort von ihm. Den 29-Jährigen würde der Filderclub ebenso gerne halten wie Roberto Forzano, Aaron Nkansah und Marcel Bahm. Um die beiden Letztgenannten buhlt jedoch die Konkurrenz. Nkansah wird nach seinem Teamkollegen Joas ebenfalls in Gmünd gehandelt. Bei Bahm hat der SSV Reutlingen angeklopft.

Mit Valentino Stepcic und Athanasios Raptis stehen noch Gespräche aus. Zwar laufen ihre Kontrakte bis 2021. Doch kamen beide Akteure, vor Jahresfrist als vermeintliche Hochkaräter verpflichtet, bislang nicht über Mitläuferrollen hinaus.

Zugänge

Ein erster zeichnet sich deutlich ab. Es ist ein Altbekannter in den Goldäckern: Shkemb Miftari. Der Ex-Profi hat nach seinem Winterpausen-Ausstieg bei den Stuttgarter Kickers zuletzt ein Gastspiel in Fellbach gegeben. Nun scheint der Weg des Angreifers zurück nach Echterdingen zu führen. „Die Gespräche sind auf der Zielgeraden. Wir sind uns zu 80 Prozent einig“, sagt Marinovic.

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