Eine zähe Geschichte für Shaban Ismaili (links, hier gegen Michael Mariolas) und dessen Teamkollegen: Irgendwie funkte der Gegner ein jedes Mal dazwischen. Foto: Pressefoto Eibner

Calcio Leinfelden-Echterdingen kommt gegen einen bissigen Aufsteiger FV Löchgau nicht über ein 0:0 hinaus. Immerhin: die Mannschaft schafft etwas, was ihr in den vergangenen 39 Punktspielen nur ein einiziges Mal gelungen war.

Echterdingen - Seit April hat der Fußball-Verbandsligist Calcio Leinfelden-Echterdingen ein eigenes Vereinslied. Textprobe gefällig? Bitte! „Blau-Weiß ist die Macht, wir haben ein Feuer entfacht.“ „Forza Calcio – hier, da gewinnen nur wir.“ Unter anderem so dröhnt es nun vor jedem Heimspiel aus den Boxen. Bleibt nur zu hoffen, dass niemand die Zeilen zu sehr für bare Münze nimmt. Sonst könnte er nach diesem Sonntag auf die Idee kommen, den Echterdingern eine Mogelpackung zu unterstellen. Eine Woche nach dem tatsächlich feurigen 5:1 gegen den SSV Ehingen-Süd loderte die aktuelle Partie an selber Stätte nämlich auf recht kleiner Flamme. Dem Festmenü ist quasi die Magerkost gefolgt. Gegen den Aufsteiger FV Löchgau erreichte der Filderclub lediglich ein 0:0-Unentschieden – eines, über das am Ende in den eigenen Reihen allerdings die Meinungen auseinandergingen.

Der Kapitän Shaban Ismaili sagte es kurz und knapp, als er nach seiner Auswechslung auf der Bank Platz nahm: „Ein Scheißspiel.“ Mimik und Gestik seiner Teamkollegen schienen ihn in seiner Einschätzung zu unterstützen – während der Trainer Francesco Di Frisco zu einem besonneneren Fazit kam. „Man kann halt nicht jedes Mal fünf, sechs Tore schießen. Schon gar nicht gegen einen Gegner wie diesen“, sagte er und mahnte somit indirekt vor überbordenden Erwartungen. In der Tat hatte der ein oder andere aus den eigenen Reihen mit Blick auf die Tabelle schon funkelnde Augen gehabt. Auch die starken Ergebnisse der Saisonvorbereitung hatten das Selbstvertrauen gestärkt. Nun stellt das jetzige Remis nach dem 1:3 vor vierzehn Tagen in Tübingen den zweiten Dämpfer der noch jungen Runde dar.

Lekaj diesmal ohne Fortune

Just die Mannschaft, die in der Vergangenheit mehrfach bewiesen hat, dass sie ihre Kontrahenten an guten Tagen auf dem heimischen Kunstrasen unter einer regelrechten Angriffslawine begraben kann, hatte diesmal Flaute. Echterdinger Torchancen waren an den Fingern einer Hand abzuzählen. Die beste verbuchte der eingewechselte Rene Brunner in der Endphase, als er aus halbrechter Position den Außenpfosten traf. In vier weiteren Szenen fehlte Gentian Lekaj, dem Toptorjäger der vergangenen Spieltage, stets ein Tick: mal zu wenig Druck hinter dem Ball, mal ein Schritt zu spät, mal ein Luftloch beim Abschlussversuch – so blieb es für den 24-Jährigen diesmal auch bei einer persönlichen Nullnummer.

Freilich: es war dies darüber hinaus auch ein Verdienst des Gegners. „Die Löchgauer sind sehr giftig in die Zweikämpfe gegangen“, konstatierte Di Frisco und ist sich schon jetzt sicher: „Die werden nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“ Stören habe man wollen, ergänzte sein Gegenüber Thomas Herbst, der seinerseits ein zufriedenes Lächeln aufsetzte. Gegen diesen Biss und eine kompakte defensive Ordnung der Gäste taten sich die Echterdinger durchgängig schwer. So entwickelte sich für sie eine mühsame und zähe Begegnung. Der Favorit lag in puncto Ballbesitz zwar turmhoch vorn. Nur: was bringt es, den Ball zu haben, wenn man nichts Entscheidendes damit anzufangen weiß?

Zweigle als Retter in der Not

Lücken vergeblich gesucht. Dem eigenen Spiel mangelte es an der nötigen Kreativität. Und wie es dann bisweilen bei solchen Kaugummi-Auftritten ist: Zwischendurch mussten sie bei Calcio dann sogar froh sein, dass der Schuss nicht nach hinten losging. In der 58. Spielminute hatten plötzlich die Gäste die Führung auf dem Fuß. Lukas Zweigle klärte im Strafraum im letzten Moment vor dem einschussbereiten Terry Offei.

Di Frisco schwirrte vermutlich auch dies im Kopf, als er nach dem Abpfiff bilanzierte: „Ein Punkt für uns – ich bin nicht unzufrieden.“ Und immerhin haben die Seinen ja auch etwas geschafft, was ihnen in den 39 Punktspielen zuvor nur ein einziges Mal gelungen war: nämlich eine Partie ohne Gegentor zu beenden. Es wird sich nicht mehr beweisen lassen: Aber in der vergangenen Saison wären die Echterdinger wohl noch in Harakiri-Manier in ein, zwei verhängnisvolle Konter gerannt.

Inwieweit wenigstens dieser Stabilitätsgewinn den Spion auf den Zuschauerrängen beeindruckt hat, ist indes nicht überliefert. Unter den Zuschauern weilte Markus Koch, der Trainer des Überraschungstabellenführers VfB Neckarrems. Jener wird mit seiner Mannschaft in zwei Wochen in den Goldäckern zugegen sein. Für Calcio dann die Chance, die aufgelegte Vereinshymne wieder besser zu untermauern. Einstweilen entschwand Blau-Weiß weniger mächtig als hadernd in die Kabine.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Bäuerle, Biljeskovic, Zweigle – Vidic, Ismaili (90. Colic), Candan (64. Pranjic), Nicastro – Joas (83. Brunner), Capar – Lekaj.

FV Löchgau:
Brasch – Macorig, Simon Herbst, Haug, Haile – Mariolas – Asare (83. Andric), Wiens, Wolter, Gurth (67. Gündüzalp) – Offei (77. Gioia).

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