Abpfiff bei Calcio: der Kapitän Gökhan Gümüssu (Mitte) wird nach jetzigem Stand nicht mehr das Echterdinger Trikot tragen: Foto: Archiv Yavuz Dural

Vor dem Spiel gegen den Zweiten Normannia Gmünd sind die Hintergründe um das Fehlen der Akteure Gümüssu, Candan und Avdiu durchgesickert. Für die nächste Saison planen die Echterdinger derweil bereits den Angriff auf die vorderen Plätze.

Echterdingen - Die Vertuschungsversuche von Vereinsseite können beendet werden, ebenso die bereits aufgekommenen Spekulationen im Umfeld. Vor dem schweren Heimspiel am Sonntag gegen den Tabellenzweiten 1. FC Normannia Gmünd ist das Geheimnis gelüftet – und die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen haben ihr internes Erdbeben. Warum der Kapitän Gökhan Gümüssu sowie dessen Teamkollegen Volkan Candan und Diamant Avdiu zuletzt im Aufgebot fehlten? Der Filderclub hat die drei Leistungsträger suspendiert und wird, wie aus zuverlässiger Quelle zu hören ist, auch die zum Saisonende auslaufenden Verträge nicht verlängern.

Auslöser war offenbar ein Vorfall vor zwei Wochen. So soll das Trio die Echterdinger Verantwortlichen vor der Partie gegen den FSV Hollenbach kurzfristig darüber informiert haben, dass es nicht zur Verfügung stehen wird – gerade einmal 24 Stunden vor Spielbeginn. Der Grund: Candans Junggesellenabschied. Ein Kurztrip nach Spanien unter dem Motto: Sangria und Sonne statt Sportplatz. Auf Calcio-Seite fühlte man sich vor den Kopf gestoßen. Dort wertete man dies als ein Im-Stich-Lassen der Mannschaft, erst recht in Anbetracht der sportlichen Situation, wonach jene ja weiterhin Punkte für den Klassenverbleib braucht.

Als Reaktion folgte die Freistellung der Abtrünnigen vom Trainingsbetrieb – und inzwischen für sie überhaupt der Abpfiff in den Goldäckern. Zumindest nach jetzigem Stand, an dem sich nichts mehr ändern dürfte. Heißt: Calcio wird seine restlichen neun Spiele dieser Saison ohne seinen Spielführer (der Ex-Profi Gümüssu), ohne dessen Amtsvorgänger (Candan) und ohne seinen Stammlinksverteidiger (Avdiu) bestreiten – und ist bereits dabei, für die nächste Runde nach entsprechendem Ersatz auf dem Transfermarkt Ausschau zu halten.

Ein anderes Trio bleibt trotz höherklassiger Angebote

Der Trainer Francesco Di Frisco möchte sich zu diesen aktuellen Begebenheiten zwar nach wie vor nicht äußern. Dabei handle es sich um Interna. Mit Blick in die Zukunft skizziert er aber schon einmal die Absichten. „In diesem Jahr war das Ziel, drin zu bleiben, im kommenden wollen wir oben mitspielen“, sagt Di Frisco. Dafür brauche man eine „junge, homogene Mannschaft, die marschiert“. Ein Team, in dem die bisherige kickende Belegschaft das Grundgerüst stellen soll. „80 Prozent werden bleiben“, kündigt Di Frisco an. Besonders freut ihn und seinen Trainerpartner Francesco Guerra, dass aus höheren Spielklassen umworbene Kandidaten wie ein Sascha Häcker, Bastian Joas und Dimitrios Vidic bereits ihr Ja erteilt haben. Bei den beiden Erstgenannten, Häcker und Joas, hatte dem Vernehmen nach der Oberligist Göppingen angeklopft. Und Vidic galt wie schon in der vorigen Wechselperiode als Kandidat bei den Stuttgarter Kickers.

Von außerhalb sollen laut Di Frisco darüber hinaus „vier, fünf Neue“ hinzukommen. Nach der Geschichte mit den Akteuren Gümüssu, Candan und Avdiu wohl eher fünf. Unter rein sportlichen Aspekten, keine Frage, stellt deren Abberufung einen großen Verlust dar.

Calcio-Anzeige beim Verband

Dass die Echterdinger dennoch weiter über Schlagkraft verfügen, haben sie allerdings schon zuletzt bei ihrem 4:2-Sieg in Pfullingen bewiesen – womit man zugleich aber auch bei einem weiteren unerfreulichen Kapitel wäre. Wie berichtet hatten Beleidigungen von gegnerischer Fanseite und finale Tumulte die Begegnung überschattet – und soll der Calcio-Physiotherapeut gar Opfer körperlicher Attacken geworden sein. Hierzu hat der Filderclub in dieser Woche Anzeige beim Verband erstattet. Dessen Pressestelle bestätigt auf Nachfrage, dass ein Ermittlungsverfahren des Sportgerichts eingeleitet ist.

Reichlich Aufregerthemen abseits des Rasens also, die die Konzentration auf die anstehende sportliche Aufgabe nicht gerade einfach machen. Im 1. FC Normannia Gmünd kommt die Mannschaft der Stunde in die Goldäcker. Mit acht Siegen und einem Unentschieden aus den vergangenen zehn Partien haben die Gäste in der Tabelle das Feld von hinten aufgerollt. Höhepunkt war ein 3:0 beim Spitzenreiter Dorfmerkingen, wonach das Ensemble um den ehemaligen Hoffenheimer Zweitliga-Kicker Andreas „Bobo“ Mayer plötzlich selbst ein heißer Aufstiegsanwärter ist.

Doch wie sagt Di Frisco? „Wir orientieren uns nicht am Gegner. Wir wollen drei Punkte.“ Und mit deren Hilfe bitte schleunigst wieder Ruhe im Verein. Jene hatte die vorherige Dauerskandalnudel Calcio Leinfelden-Echterdingen in den vergangenen Monaten doch tatsächlich einmal erreicht gehabt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: