Am Boden. Dimitrios Vidic stand am Ende symbolisch für die unglückliche Echterdinger Niederlage. Foto: Yavuz Dural

Der Echterdinger Verbandsligist ist in Hollenbach nah am forsch angekündigten Auswärtscoup, verliert dann aber doch noch mit 2:3. Ein bitteres Ende mit verschiedenen Ursachen.

Hollenbach - Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Über dem rechten Auge von Josip Pranjic prangte ein breites blaues Pflaster. Auf die Schnelle hatten sie dem Mannschaftsroutinier eine im Luftduell erlittene Platzwunde zusammengeklebt. Immer noch flach auf dem Rasen lag Dimitrios Vidic. Der Youngster, so schien es, wollte gar nicht mehr aufstehen. Auch dann nicht, als seine Teamkollegen bereits beim obligatorischen Auslaufen waren. In seinem Fall half nichts aus dem Medizinkoffer. Vidic kämpfte damit, zum finalen Unglücksraben für seine Elf geworden zu sein.

Pranjic und Vidic – es waren Anblicke mit Symbolcharakter. Die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen haben am Samstag Schrammen abbekommen, sowohl physisch als auch psychisch. Beigetragen hatten sie zu einem Spiel von enormer Intensität, zu einer Begegnung, die schließlich jede Achterbahn des Cannstatter Wasens in den Schatten stellte. Die mutig-forschen Ankündigungen, auf dem Platz des Meisterschaftsmitfavoriten FSV Hollenbach drei Punkte mitnehmen zu wollen? Die Gäste von den Fildern hatten eindrucksvoll bewiesen, dass es sich dabei nicht bloß um Wortgeklimper handelte. Bis zur 84. Spielminute sahen sie bei einer 2:1-Führung tatsächlich wie der Sieger aus. Dann führte die Fahrtstrecke abrupt und abschließend in die Tiefe. Zwei späte Gegentore kosteten doch noch den greifbar nahen Erfolg. Sie stürzten die Echterdinger in kollektiven Frust.

„Wir können stolz auf unsere Leistung sein. Aber jetzt ist die Enttäuschung riesig“, sagte der Kapitän Shaban Ismaili. Derweil schnaubte der Trainer Francesco Di Frisco: „Wir haben nicht gegen Hollenbach verloren, sondern gegen einen einzelnen Mann.“ Gemeint war der Schiedsrichter Alexander Rösch aus Bad Wurzach. Der hatte sich mit einer strittigen Entscheidung in der turbulenten Schlussphase den Calcio-Ärger zugezogen.

Ärger über nicht anerkanntes Tor

Nachdem ein Hinterhaltsschuss von Niko Zalac hart neben dem Pfosten ins Netz gerauscht war, hatten Di Frisco und die Seinen sich bereits am Ziel gewähnt (79.). Das 3:1! Die Entscheidung! Dachten alle, bis die Ernüchterung kam und Rösch dem Treffer auf Rücksprache mit seinem Assistenten die Anerkennung verweigerte. Ein Echterdinger Spieler soll aktiv im Abseits gestanden sein. „Die Nummer war durch, der Gegner am Boden. Und dann das“, haderte Di Frisco. Seine Einschätzung: „Das war der Genickbruch für uns.“ Wenige Minuten später lagen sich seine Kicker nicht mehr jubelnd in den Armen, sondern deprimiert am Boden.

Freilich: die Gäste mussten sich auch an die eigene Nase fassen. Immerhin waren sie zum betreffenden Zeitpunkt ja nach wie vor vorn. Den Vorsprung danach nicht über die Zeit zu bringen, so wie vor Kurzem schon beim 1:1 in Nagold, das war vor allem ein eigenes Versäumnis – und offenbarte zugleich ein grundsätzliches Manko. Zwar ist es für die aktuelle Saison gelungen, das Harakiri-Potenzial der eigenen Auftritte zu reduzieren. Doch in entscheidenden Phasen fehlt es der Mannschaft nach wie vor an der nötigen Balance. Man könnte auch sagen: Abgezocktheit und Cleverness.

„Blind nach vorne gerannt“

„Dass am Ende alle blind nach vorne gerannt sind, statt nach dem Ausgleich wenigstens einen Punkt zu sichern, war natürlich ein Fehler“, sagte Di Frisco, dessen Aufgebot den Gegner in der ersten Hälfte mit einem Doppelschlag geschockt hatte. Erst ein Bilderbuchkonter über die drei Stationen Gentian Lekaj, Vidic, Bastian Joas, der den Ball am Ende über die Linie drückte. Dann ein Abstauber von Lekaj selbst, diesmal umgekehrt nach Joas-Vorlage (25./27.). Damit waren zwei Ausrufezeichen gesetzt.

In der Folge wurde es ein Kampf, in dem der Ex-Oberligist Hollenbach nach der Pause die Schlagzahl erhöhte. „Wir haben die Räume nicht mehr so gut zugekriegt“, monierte Ismaili. Allein: zu ihren Toren kamen die Gastgeber schließlich nur bedingt durch eigenes Zutun, profitiert haben sie von einer Echterdinger Mithilfe.

Drei Patzer, drei Gegentore

Die aus Calcio-Sicht bittere Defensivbilanz des Duells: dreimal gepatzt, und dreimal war der Ball prompt drin. Beim 0:1 schon hatte sich Zalac von seinem Gegenspieler Fabian Czaker düpieren lassen (17.) – Saisontreffer Nummer acht des Führenden der Liga-Schützenliste, der damit erahnen ließ, warum er in diesem Sommer ganz oben auf der Echterdinger Wunschliste gestanden war.

Dem 2:2 ging ein Kopfball von Josip Biljeskovic in den Lauf des Gegners voraus. Und das 2:3 musste zuletzt der eingangs erwähnte Vidic auf seine Kappe nehmen. Beim Abwehrversuch versprang ihm die Kugel. Beide Male sagte der eingewechselte Torben Götz „Danke“ (84./90.+1) – für ihn die Fortsetzung eines persönlichen Hochs. In der Woche zuvor war der 26-Jährige mit dem deutschen Kleinfeldfußball-Nationalteam in Lissabon Weltmeister geworden.

Und nun auch auf Titelkurs in der Liga? In deren Klassement jedenfalls hat Calcio die Chance verpasst, einen hochkarätigen Mitbewerber fürs Erste zu distanzieren. Aber wie sagte Ismaili trotzig? „Kopf hoch. Weiter geht’s. Jetzt holen wir am nächsten Wochenende drei Punkte.“

Dann kommen die Sportfreunde Dorfmerkingen in die Goldäcker. Das ist der Tabellenführer.

FSV Hollenbach:
Hörner – Hutter, Zeller, Brenner, Hofmann – Rohmer, Michael Kleinschrodt – Dörner (90.+2 Schülke), Schmitt (69. Götz), Minder (62. Schieferdecker)– Czaker.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Zalac, Biljeskovic, Zweigle – Bäuerle (32. Nicastro), Ismaili (54. Candan), Pranjic, Vidic – Joas (72. Saglam), Lekaj, Capar (77. Syla).

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