Kam, sah und traf: Gentian Lekaj schmorte zu seinem Ärger 75 Spielminuten lang auf der Bank, avancierte dann aber vom Gescholtenen zum Matchwinner. Foto: Yavuz Dural

Calcio Leinfelden-Echterdingen siegt im Endspurt in Neckarrems verdient noch mit 3:2 und freut sich nun auf sein großes Pokalduell. Vor allem drei Spieler zeigen sich bereit – einer mit Wut im Bauch.

Neckarrems - „Genti!!!“ Die Stimme überschlug sich schier, die Augen funkelten. Und für einen Moment wirkte es, als wollte Francesco Di Frisco am liebsten auf den Platz stürmen, um seinen Spieler am Kragen zu packen und einmal durchzuschütteln. Was erlaube Lekaj?! War jener, der Angreifer, nach einem Ballverlust doch einfach stehen geblieben, statt nachzusetzen, wodurch ein gegnerischer Konter ins Rollen kam.

Wie hätte sich zu diesem Zeitpunkt erahnen lassen, wer nur zehn Minuten später der umjubelte Mann bei den Verbandsliga-Fußballern von Calcio Leinfelden-Echterdingen sein würde? Richtig: Gentian Lekaj. Vom Gescholtenen zum Matchwinner – am Beispiel des 24-Jährigen zeigte sich schließlich, wie schmal der Grat zwischen Pfui und Hui sein kann. Di Friscos Wutausbruch war kaum abgeebbt, als Lekaj seine Mannschaft mit seinen Saisontoren Nummer 13 und 14 zum alles in allem hoch verdienten 3:2-Auswärtserfolg beim VfB Neckarrems schoss. Für die Echterdinger bedeutete dies den dritten Sieg in Serie, mit dem sie sich auf den sechsten Tabellenplatz katapultieren. „Ich denke, das Thema Abstiegskampf ist damit fürs Erste erledigt“, befand ein am Ende sehr zufriedener Trainer Di Frisco in Anbetracht von nun immerhin fünf Punkten Abstand zur Gefahrenzone. Doch nicht nur das: auch haben die Calcio-Kicker das erhoffte Zeichen im Hinblick auf ihre nächste Aufgabe gesetzt.

Ulm kann kommen

Das Signal vom Samstag lautet: Ulm kann kommen – sowohl von Lekaj als auch vom gesamtem Team. Der Filderclub ist bereit für sein Spiel des Jahres am Mittwoch im Leinfeldener Sportzentrum (17 Uhr), das Pokalviertelfinale gegen den Ex-Bundesligisten von der Donau. Passend zur spannendsten Phase der Saison haben die Echterdinger sich stabilisiert. Die Formkurve zeigt klar nach oben – was seine Gründe hat.

Offensichtlich gut tut es dem Team, dass die Coaches Di Frisco und Guerra das Suchen und Experimentieren beendet haben. Seit ein paar Wochen stehen ein festes Spielsystem, ein 3-4-3, und ein festes Spielergerüst. Dazu ergibt sich der glückliche Umstand, dass erstmals in dieser Runde alle Akteure des Kaders einsatzbereit sind. Das belebt den internen Konkurrenzkampf. Und in dieser Gemengenlage kommt der ein oder andere zunehmend auf Touren.

Avdiu glänzt erneut

Beispiel Diamant Avdiu. Seit seiner Umfunktionierung vom Verteidiger zum zentralen Mittelfeldmann blüht der 28-Jährige auf. Abermals glänzte er als Abräumer, Dauerrenner, Antreiber und zudem kluger Passgeber. Lekajs zwischenzeitliches 2:1-Führungstor initiierte Avdiu mit einem energischen Antritt sowie einem steil gespielten Musterball. Für Di Frisco ist es gar „die Überraschung der Saison, wie überragend er das so kurze Zeit nach dem Positionswechsel macht“.

Beispiel Bastian Joas. Der Youngster befand sich nach der Winterpause im Tief, ist inzwischen aber wieder zurück auf seinem vorherigen Level. Kaum ein Calcio-Angriff, bei dem er seine Füße nicht im Spiel gehabt hätte. Als Eckballschütze bei Lukas Zweigles Kopfballtor zum 1:1 sowie Co-Vorarbeiter beim erwähnten 2:1 brachte es Joas aktuell auf zwei Torbeteiligungen.

Lekaj baut Ärger mit Toren ab

Und Beispiel eben Lekaj. Der Stürmer war neben dem Kapitän Shaban Ismaili und Timo Bäuerle einer von drei bisherigen Stammspielern, denen Di Frisco diesmal zunächst eine Verschnaufpause auf der Bank verordnete. Der Plan: Kräfte sammeln – was zumindest Lekaj weniger gut fand, war er damit doch erst einmal der Chance beraubt, sich für Ulm zu empfehlen. „Er war sauer“, berichtet Di Frisco, „aber er hat es richtig gemacht und nicht mit dem Mund, sondern mit Leistung reagiert.“ Nach seiner späten Einwechslung für Sascha Häcker, der bei seinem Startelf-Comeback nach Langzeit-Verletzungspause kaum eine Bindung zum Spiel fand, schlug Lekaj wie erwähnt doppelt zu. Zack und zack – zwei Ausrufezeichen für die Mannschaft, aber auch in eigener Sache. Erst drückte er den Ball nach Joas’ noch abgewehrtem Versuch über die Linie, dann staubte er in Folge einer Direktabnahme seines Teamkollegen Dimitrios Vidic entschlossen ab (81./86.).

So belohnte Calcio sich doch noch für die drückende Überlegenheit der zweiten Hälfte. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie unbedingt die drei Punkte will“, sagt Di Frisco. Und so auch fielen die beiden einzigen größeren defensiven Aussetzer, die der überwiegend auf Konter lauernde Gegner prompt bestrafte, nicht entscheidend ins Gewicht. Beim frühen 0:1 von Emanuel Popescu hatten Zweigle und Josip Biljeskovic schlecht ausgesehen. Und beim 2:2 waren die Echterdinger noch am Jubeln über ihre gerade erzielte Führung, als sie sich unsortiert den prompten Ausgleich durch Nesreddine Kenniche einfingen.

Am Ende egal. Ebenso wie Lekajs eingangs geschilderte Nachlässigkeit. Nach dem Abpfiff bebte Di Friscos Stimme erneut – allerdings aus anderem Grund. Noch auf dem Rasen schmetterte der Trainer seinen Spielern im Kreis die neue Parole entgegen: „Drei Siege wollten wir! Drei Siegen haben wir! Jetzt wollen wir am Mittwoch gegen Ulm die Sensation!“

VfB Neckarrems:
Kapp – Scheuerle, Fota, Bez, Knecht – Ribeiro, Läubin, Schwintjes (89. Mamic), Popescu – Del Genio (57. Kenniche) – Ruckh.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Biljeskovic, Pranjic, Zweigle – Vidic, Avdiu, Ikeng (71. Ismaili), Gerber – Candan (51. Capar), Häcker (75. Lekaj), Joas (83. Brunner).

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