Trigema-Chef Wolfgang Grupp Foto: dpa

Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren strukturiert Trigema-Chef Grupp seine Firma um.

Burladingen - Der Burladinger Textilunternehmer Wolfgang Grupp macht in Sachen Managerhaftung Ernst. Ab Januar haftet er für alle Verluste seiner Firma Trigema persönlich und direkt. Damit will Grupp ein Zeichen für eine bessere Wirtschaftsordnung setzen.

Seit Jahren zieht Wolfgang Grupp, Familienunternehmer aus Burladingen, gegen die Verantwortungslosigkeit von Managern, speziell im Bankenbereich, zu Felde. Jetzt hat das auch persönliche Konsequenzen: Zum 1. Januar 2011 will er seine Firma Trigema, die ihr Geld vor allem mit Sportbekleidung verdient, als "eingetragener Kaufmann" (e.K.) leiten. Die bisherige Rechtsform von Trigema als GmbH & Co. KG wird damit abgelöst.

Hinter dem zunächst rein rechtlichen Vorgang verbirgt sich aber mehr. Bei einer e.K. haften die Einzelkaufleute für Schulden des Unternehmens mit ihrem gesamten Vermögen. Es wird nicht zwischen dem Vermögen des Unternehmens und dem Privatvermögen unterschieden. Grupp, der alle Anteile an Trigema hält, haftet also umfassend. Bei der GmbH & Co. KG dagegen haftet keine natürliche Person, sondern die GmbH.

"Nur durch die persönliche Haftung von Entscheidungsträgern hätte das Desaster nach der New-Economy-Blase verhindert werden können", heißt es in einem Schreiben, in dem Grupp seine Pläne ankündigt.

Grupp ist in Kritik geübt

Immer wieder hat der Textilunternehmer in den vergangenen zehn Jahren das Verhalten von Managern in Top-Positionen kritisiert und ihnen vorgeworfen, mit falschen Entscheidungen den Wert ihrer Firmen und damit die Zukunft ihrer Mitarbeiter geschädigt zu haben. In jüngster Vergangenheit hat er sich besonders gegen die Verantwortungslosigkeit an den Finanzmärkten gewandt und dabei die Führungsetagen von Pleitebanken wie der Hypo Real Estate (HRE) oder der Hypo-Alpe-Adria kritisiert. Es gehe nicht an, dass - solange die Geschäfte gutliefen - Millionengehälter gezahlt würden, bei Verlusten oder Pleiten aber der Steuerzahler die Zeche zahlen müsse, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Stattdessen müsse das Management auch für die von ihm verursachten Verluste verantwortlich gemacht werden. Mit seinem Schritt wolle er diesbezüglich ein Zeichen setzen. Grupp führt das Familienunternehmen seit 1969 und hat es von einem Nähereibetrieb mit 8,5 Millionen Euro Umsatz zu einer deutschlandweit bekannten Marke gemacht, die 2009 gut 85 Millionen mit Bekleidungsartikeln umsetzte. Betriebsbedingte Kündigungen hat Grupp nach eigenen Angaben in dieser Zeit noch nie ausgesprochen.

Die bisherigen Gesetze hält er für unzureichend. Mitte vergangenen Jahres hatte der Deutsche Bundestag unter anderem beschlossen, dass sich die Vergütungen von Top-Managern stärker am langfristigen Unternehmenserfolg orientieren sollen. Firmenvorstände müssen seitdem mit einem Eigenanteil von mindestens zehn Prozent eines Jahresgehalts für Schäden einstehen. Bei Schieflagen kann der Aufsichtsrat die Managergehälter senken. Grupp hält davon wenig. Solche Schritte durchzusetzen sei wegen der rechtlichen Lage schwierig. Stattdessen schlägt er vor, die Einkommensteuer für Unternehmer spürbar zu erhöhen. Firmenlenkern, die in Haftung gehen, soll im Gegenzug ein Steuerrabatt von bis zu 50 Prozent gewährt werden. Das Argument dabei: Entscheider, die selbst haften, gehen wirtschaftlich gewissenhafter vor und verursachen auch weniger gesamtwirtschaftliche Schäden - etwa durch Insolvenzen, falsche Standortentscheidungen und Fehlinvestitionen. Alles in allem profitiere der Staat, auch wenn er die Steuern senke.

Der jetzige Umbau seines Unternehmens ist allerdings nicht ohne Vorbild. Im Jahr 2000 hatte Grupp Trigema schon einmal von einer GmbH & Co. KG in eine eingetragene Kaufmannsgesellschaft überführt, um seinem Willen nach mehr Verantwortung in der Wirtschaft Ausdruck zu geben. Nachdem sein Schritt aber keinerlei Signalwirkung in der deutschen Unternehmerschaft entfaltete und auch steuerlich alles beim Alten blieb, wandelte er sie 2003 wieder in eine GmbH um. Angesichts neuer Milliardenlasten, die die Gesellschaft infolge der Krise zu tragen habe, sei es nun Zeit für einen "zweiten Anlauf", sagt er.

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