Mit fünf Themenabenden begleitet die Liebfrauengemeinde von Filderstadt in die anstehende Fastenzeit von 40 Tagen. Ein Blick auf weitere Angebote dazu.
Viele Christen schätzen die ausgelassenen Faschingstage. So beschäftigen sie sich dann umso befreiter mit den ernsteren Dingen des Lebens von Aschermittwoch an: Die Fastenzeit als Vorbereitung für Ostern, dem eigentlichen Feierhöhepunkt im kirchlichen Jahr.
Fünf Abende zu Leben und Sterben
Die Katholiken von Liebfrauen in Filderstadt haben dazu für dieses Jahr die Idee einer kleinen Themenreihe wiederbelebt. „Das Ende ist mein Anfang – fünf Abende zu Leben und Sterben“ ist das Motto der fünf Veranstaltungen zwischen dem 22. Februar und dem 21. März jeweils um 19.30 Uhr im Gemeindesaal von Liebfrauen in Bonlanden (Plattenhardter Straße 45). Die Themen klingen zunächst sehr allgemein, doch größtenteils sind sie auch ganz konkret im Wirkungskreis der Gemeinde verortet. Das ist schon etwa so beim ersten Abend am 22. Februar mit dem Titel „Den Tagen mehr Leben geben“. Da ist Magdalene Weinmann zu Gast, erste Vorsitzende des 1995 gegründeten Vereins Hospizgruppe Filderstadt.
Ein Hospizgebäude gibt es zwar noch nicht in Filderstadt. Aber Weinmann mache derzeit mit etwa 18 anderen Frauen viele Hausbesuche bei Menschen, die sehr schwer erkrankt sind und wohl bald sterben werden, so Jessica Knopik, Pastoralassistentin bei Liebfrauen. Sie ist federführend für diese Veranstaltungsreihe tätig. „Sie berichtet über ihre Arbeit, über ihre Erfahrungen, gibt auch Antworten auf Fragen wie zur historischen Herkunft des Hospizes“, so Knopik. Und sie wird vermutlich auch über die Bemühungen berichten, ein Hospiz in Filderstadt einzurichten. Ein Grundstück dafür ist wohl schon gefunden, in unmittelbarer Nähe der Filderklinik.
Das zweite Thema „Chancen und Grenzen der Patientenverfügung“ (29. Februar) ist nur auf den ersten Blick eng mit dem Thema Krankheit und Tod verknüpft. Da ist heute sehr viel möglich. Es empfiehlt sich, sich da früh auseinanderzusetzen, vielleicht gerade dann, wenn man sich „voller Tatendrang in der Mitte des Lebens“ sieht, bevor einem eine Krankheit die Kräfte und Konzentration raubt. An diesem Abend wird die Esslinger Initiative vorgestellt. Das ist eine kostenlose und unabhängige Beratung zur Vorsorge, abgestimmt auf die persönliche Situation. Beratungsstellen im gesamten Landkreis Esslingen und darüber hinaus bieten diese Hilfe an. Eine individuelle juristische Beratung ist freilich Rechtsanwälten und Notaren vorbehalten.
Die Esslinger Initiative
Der dritte Abend am 7. März gehört dem Thema Bestattungskultur. Auch in städtischen Friedhöfen ist heute vieles möglich: Gemeinschaftsgräber, Wandgräber, so genannte Kolumbarien, Baumgräber – ein Stuttgarter Bestattungsunternehmer weist hin auf die vielen Möglichkeiten, auf die individuelle Gestaltung.
Der vierte Abend am 14. März geht wieder in Richtung Hospiz. Das Thema: „Wie werden wir sterben, wollen wir darüber reden?“. Knopik: „Hier berichten Ehrenamtliche aus ihren Erfahrungen in der Hospizarbeit. Wie geht eigentlich sterben, was sind da die körperlichen Prozesse – das sind Fragen, die hier besprochen werden.“ Und ein ganz großes Thema, das auch bei der Betreuung der Todkranken eine wichtige Rolle spielt, ist die Trauer der Hinterbliebenen. Auch dabei ist viel Rat und Trost gefragt.
Das Ende als Anfang
Der fünfte und letzte Abend dieser Reihe am 21. März gehört dem italienischen Schriftsteller und Journalisten Tiziano Terzani, der viel in der Welt herumgekommen ist, unter anderem 30 Jahre lang als Auslandskorrespondent für den „Spiegel“. In seinen letzten Lebensjahren setzte er sich intensiv auch schriftstellerisch mit seiner Krebserkrankung auseinander bis zu seinem Tod im Jahre 2004. Sein letztes postumes Werk mit dem Titel „Das Ende ist mein Anfang“ ist ein Zwiegespräch, das er mit seinem Sohn Folco schrieb. Darin befragte der Sohn den Vater, Terzani blickte nochmals zurück auf sein Leben und sprach über seinen bevorstehenden Tod, den er als sein letztes Abenteuer willkommen hieß.
Parallel zur Zeit der Besinnlichkeit, die hier von Liebfrauen in Filderstadt mit dieser Veranstaltungsreihe begleitet wird, gilt für Christen auch die Fastenzeit – 40 Tage von Aschermittwoch bis Karsamstag, um auf die Auferstehung Jesu an Ostern vorzubereiten.
Einst wurden die Verzichtvorschriften für Christen, vor allem auf genussvolles Essen, sehr streng ausgelegt. Heute gilt der Verzicht auf Fleisch nur noch an Aschermittwoch sowie am Karfreitag als verpflichtend. Heute gibt es stattdessen viele andere Angebote an Verzichtsmöglichkeiten, es gibt beispielsweise das Auto- , Plastik- oder Social-Media-Fasten.
Angebote zur Fastenzeit
Fasten
Als ein Akt der Selbstreinigung ist Fasten eigentlich immer ein Thema, auch bei Menschen, die nicht religiös sind. Die Zielsetzung – neue Energie für Körper und Geist – ist dem Fastengedanken der religiösen Menschen freilich ziemlich ähnlich. So gibt es Fastenzeiten eigentlich in so ziemlich allen Weltreligionen. In der katholischen Kirche organisiert das Hilfswerk Misereor die zentrale Fastenaktion, in der evangelischen Kirche gibt es viele entsprechende Aktionen.
Morgenlob
Um geistig gut gerüstet den Tag zu starten, gibt es in der Möhringer katholischen Kirche St. Hedwig (Lieschingstraße 48) vom 14. Februar bis zum 27. März täglich außer Sonntags von 6.45 bis 7 Uhr ein Gebet nach dem ökumenischen Stundenbuch „Magnificat“. Jeden Morgen leitet eine andere Person das Gebet, seit zehn Jahren nun gibt es diese Einrichtung.
Fasten online
Das Spirituelle Zentrum Station S bietet hier keine Social-Media-Aktivitäten an, sondern den Online-Kurs „frei werden“, in dem nicht der Verzicht im Mittelpunkt steht, sondern die Fastenzeit als Zeit der Freiheit. Wie das geht, dazu gibt es vier Kurse am 12. und 28. Februar sowie am 13. und 17. März jeweils von 20.30 Uhr an. Eine möglichst frühe Anmeldung ist notwendig unter station-s.stuttgart@drs.de. Es wird um eine Spende gebeten.