Für das Anna-Scheufele-Fest in Kaltental hatte das Ordnungsamt festgesetzt, dass auf der Straße weniger Tische und Stühle aufgestellt werden dürfen. Foto: Rüdiger Ott

Seit Jahren ächzen Festlesbetreiber unter der zunehmenden Last von Sicherheitsauflagen. Immer mehr Feste sind bedroht. Jetzt bekommen sie Hilfe aus Berlin.

Stuttgart - Unter Stuttgarts Ehrenamtlern ist längst bekannt, dass es die Stadtverwaltung den Festlesbetreibern nicht gerade leicht macht. Seit Jahren ächzen sie unter der zunehmenden Last von Sicherheitsauflagen. Das hat sich bis ins ferne Berlin herumgesprochen. In einem Brief an den Oberbürgermeister Fritz Kuhn wirbt die Bundestagsabgeordnete Ute Kumpf dafür, dass sich das wieder ändert. Die SPD-Frau sitzt im Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement des Bundestages und kennt sich in Stuttgart aus. Sie hatte sich 2004 um den Posten beworben, den Kuhn nun innehat, war damals aber Alt-OB Wolfgang Schuster unterlegen.

Amt will unnötige Rettungsgasse

Amt will unnötige Rettungsphase

„Ich habe den Eindruck, dass die Vereine in Stuttgart in letzter Zeit mit mehr Problemen bei der Durchführung von Veranstaltungen zu kämpfen haben als noch vor einem Jahr“, schreibt Kumpf. „Viele Ehrenamtler fühlen sich mit den Auflagen der Stadt überfordert.“

Die hiesigen Vereine mussten noch keine Feste ausfallen lassen, doch zeigen die Beispiele die Bandbreite der Schwierigkeiten. Weil für Gasöfen verschärfte Vorschriften gelten, stellen die Budenbesitzer auf dem Vaihinger Weihnachtsmarkt vermehrt auf Strom um, um ihre Glühweinkocher zu betreiben. Das überlastet die Netze, regelmäßig fliegen die Sicherungen heraus, gassenweise fällt das Licht aus. Für das Anna-Scheufele-Fest in Kaltental hatte das Ordnungsamt festgesetzt, dass auf der Straße weniger Tische und Stühle aufgestellt werden dürfen, damit die Feuerwehr im Falle eines Brandes ein Haus erreichen könnte. Die Feuerwehr selbst erachtete die Gasse aber für unnötig. Die Veranstalter des Möhringer Christkindlesmarkts ärgern sich derweil über die Fußmatten, die sie gegen Staubaufwirbelungen unter ihre Tische legen müssen, obwohl es schneit.

Stadt soll Helfer nicht abwürgen

Stadt soll Helfer nicht abwürgen

Ute Kumpf führt noch zwei weitere Beispiele an. Beinahe wäre das Afrikafestival auf dem Erwin-Schöttle-Platz in Heslach geplatzt, weil das Gartenamt die Nutzung der dortigen Grünflächen untersagte. Stattdessen sollten die Ehrenamtler auf den Cannstatter Wasen ziehen. Letztlich wurde doch in Heslach gefeiert. Und vor anderthalb Monaten wurde das Schimmelhüttenfest in den Degerlocher Weinbergen wegen Brandschutzauflagen abgesagt.

„Auflagen in Bezug auf Sicherheit sind zweifellos notwendig“, schreibt die SPD-Frau. „Dennoch sollten Wege gefunden werden, wie ehrenamtliches Engagement in den Stadtteilen gesichert und weiter entwickelt werden kann und das Engagement von vielen Ehrenamtlichen nicht von Bürokratie und Verwaltung abgewürgt wird.“

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