Der Echterdinger Kirchplatz blieb am 6. November leer: Der Martinimarkt fiel aus – zur Verwunderung vieler Einheimischer. Foto: Archiv Thomas Krämer

Für viele überraschend hat die Stadt die beliebte Veranstaltung in Echterdingen abgesagt – ohne das öffentlich anzukündigen. Das sind die Gründe.

Der Martinimarkt ist seit Jahrhunderten Tradition in Echterdingen. Einst wurde der Krämermarkt zusammen mit einem Viehmarkt organisiert, weiß FDP-Stadtrat Wolfgang Haug. Die Veranstaltung rund um die Echterdinger Stephanuskirche ist laut Eberhard Wächter, Fraktionschef der Freien Wähler/FDP und Apotheker in Echterdingen, auch stets gut besucht. Gerade die in diesem Stadtteil verwurzelte, einheimische Bevölkerung schaut dort gerne vorbei, will wissen, was für Kleidung und Haushaltswaren angeboten werden. Für Naschkatzen, Kinder und Enkel gibt es Zuckerwatte und türkischen Honig.

 

Am Donnerstag, 6. November, hätten die fliegenden Händler ihre Stände eigentlich wieder aufbauen müssen. Doch die Stadt hat den Markt abgesagt. Allerdings wurde die Bevölkerung darüber nicht informiert. Eine Notiz dazu im Amtsblatt hat es nicht gegeben.

Auch die Gastronomie wurde nicht ins Boot geholt. Traditionsgaststätten wie der Hirsch oder der Ochsen haben sich auf einen größeren Ansturm vorbereitet. Denn Tradition ist es auch, dass sich die Menschen nach dem Marktbesuch in den örtlichen Gaststätten zum Mittagessen treffen. Auch ohne Markt blieb der Ansturm nicht aus, wie Eberhard Wächter selbst an diesem Tag miterlebt hat. Der Stadtrat wurde dabei von vielen Seiten bestürmt, wie er sagt. Alle wollten wissen, warum es denn keinen Martinimarkt gegeben habe.

Leinfelden-Echterdingens Bürgermeister entschuldigt sich

Es hat eine schlechte Kommunikation nach außen gegeben, wofür sich Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell am Dienstagabend im jüngsten Sozialausschuss entschuldigt hat. „Ich nehme das selbstkritisch auf meine Kappe“, sagte er. Dort hat er auch erklärt, warum sich die Stadt in diesem Jahr gegen den Markt entschieden hatte.

Die Kommune sei angesichts neuester Amokläufe unsicher, welche Sicherheitskonzepte für solche Veranstaltungen notwendig seien. Auch für den Martinimarkt hätte die Kommune – wie beim Stadtfest und beim Krautfest – wohl wieder mit hohen Kosten für Security und Absperrungen rechnen müssen. Außerdem habe die Stadt gerade ein Personalproblem in der städtischen Verkehrsbehörde. Dort fehlen aktuell drei Leute. Zudem sei die Frequenz auf solchen Märkten laut Kalbfell mittlerweile eher begrenzt. Kalbfells Idee, einen Krämermarkt künftig zusammen mit dem Echterdinger Fleckabaatsch oder dem Bürgerfest zu organisieren, kam bei Beatrix Hess, ebenfalls Stadträtin der Freien Wähler, nicht gut an. „In Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen gibt es richtig große Krämermärkte und ganz hervorragende Feste“, sagte sie. Dies zu organisieren sieht sie als Aufgabe des Stadtmarketings an.

Welche Veranstaltungen will sich die Stadt noch leisten?

Sigrid Ott (Demokratie in Bewegung) betonte: „Einen Krämermarkt kann man nicht mit dem Krautfest vergleichen“. Und ergänzte: „Auch für unsere Wochenmärkte haben wir keine Security und Eisengitter.“ Angesichts der Haushaltssituation sei zu überlegen, welche Feste und Märkte sich die Stadt noch leisten wolle, sagt Eberhard Wächter. Ein Marktkonzept sei zu erarbeiten. Traditionsveranstaltungen – wie der Martinimarkt – sollten aber erhalten werden.