Verschwindet aus der Markthalle: der Stand von Rüdiger Stock Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In der Markthalle stehen große Veränderungen an: Der Fischhändler Rüdiger Stock gibt auf und hat am Samstag das letzte Mal geöffnet. Ein Nachfolger für den Stand steht bereits fest.

Stuttgart - In der Markthalle schwimmen den Kunden die Fische davon. Nicht für ­immer, doch am kommenden Samstag kann man vorerst zum letzten Mal bei der Firma Feinkost Stock die Köstlichkeiten aus Flüssen und Meeren einkaufen. Dann folgt ein Monate langer Umbau, an dessen Ende Lachs und Lotte, Kabeljau und Krebs in piekfeiner Umgebung angeboten werden. Den Zuschlag als neuer Pächter bekam der in der Markthalle mit den Lokalen Empore, Café Markthalle und Tapasbar Desirée vertretene Gastronom Holger Looß, der hier eine halbe Million Euro investieren wird. „Das wird superschön“ schwärmt Looß voller Vorfreude schon jetzt.

Die Investitionen wären zu hoch gewesen

Hohe Investitionen von mehreren hunderttausend Euro auf Betreiben des Wirtschaftskontrolldienstes hätte auch Rüdiger Stock tätigen müssen, wenn er das Geschäft weiter betreiben wollte: „Neue Theken, ein neues Kühlhaus, ein neuer Boden“, zählt er nur einiges davon auf und macht kein Hehl daraus, dass er sich das nicht mehr aufbürden wollte. „Ich bin jetzt 57 und will nicht mehr ewig arbeiten.“ Sein Sohn komme als Nachfolger nicht in Frage, interessierte Mitarbeiter hätten sich finanziell auch nicht derart engagieren können. Darum habe er gekündigt und seinen Betrieb, den er am 1. Juni 1994 übernommen hat und fünf Tage später nach einem Brand in der Markthalle gleich wieder für drei Monate schließen musste, der Stuttgarter Märkte GmbH zur Ausschreibung freigegeben. Er verrät, dass er schon vor Jahren darüber mit Holger Looß gesprochen habe.

Auf die Entscheidung habe das keinerlei Einfluss gehabt, stellt Axel Heger, der Chef des Eigenbetriebes Stuttgarter Märkte GmbH, klar. Man habe auf jeden Fall wieder Fisch in der Markthalle anbieten wollen, und Looß habe unter den Bewerbern einfach das beste Konzept vorgelegt. Das mache erst mal einen grundlegenden Umbau nötig: „Der alte Stand wird restlos abgebaut. Entstehen wird, so Heger, eine kleine Fischhalle in der Markthalle. Vor allem sollen die Fenster zur Münzstraße hin, bislang verbaut und quasi blind, wieder freigelegt und klar verglast werden. Dass man raus- und reinschauen kann. Das werde die Attraktion der Markthalle noch mal steigern und bedeute eine Aufwertung auch im Hinblick auf das neue Dorotheenquartier gegenüber.

Gespräche mit Denkmalschutz waren konstruktiv

Was sagt der Denkmalschutz? „Wir sind im Gespräch“, versichert nicht nur Heger, sondern auch Ellen Pietrus, die Chefin der bei der Stadt angesiedelten Denkmalschutzbehörde, die von einer engen und ausgesprochen konstruktiven Zusammenarbeit spricht. Die ersten Pläne bezeichnet Pietrus als begrüßenswert. Was bei dem Abbruch noch alles zum Vorschein komme, welche Probleme auftauchen könnten, wisse man freilich noch nicht, „aber ich bin sicher, dass wir sie gemeinsam lösen“.

Helligkeit und Transparenz sind für Holger Looß die Stichworte beim Umbau. Als Gastronom erfülle er sich außerdem den Wunsch nach einer „Art Austernecke“, wo man Austern, auch mal eine Platte Fruits de Mer und ein Glas Champagner genießen könne. Den nötigen Platz dafür bekommt Looß, weil er auch den Stand von Javier Sanz mit argentinischen Spezialitäten übernehmen kann. Sanz wurde gekündigt, weil er sich laut Heger nicht an Vertragsbedingungen gehalten habe. Das gleiche gelte für den Stand mit tropischen Trockenfrüchten, auf den eine belgische Firma mit Lakritz-Spezialitäten folgen wird. „Ja“, sagt Heger, „wir haben seit Ende letzten Jahres eine hohe Fluktuation in der Markthalle.“ Denn von sich aus gekündigt hat der Zebundus-Stand mit Alb-Produkten, auf den die Firma Failenschmid GmbH, „ebenfalls mit Wurst und Fleisch der Premium-Klasse“ folgte, und der Blumenladen. Hier bekam Merz und Benzing den Zuschlag.

Von Rüdiger Stock müssen sich die Kunden nicht endgültig verabschieden: Er wird Looß als Experte und Einkäufer zur Verfügung stehen. Seine Mitarbeiter wird Looß nach dem derzeitigen Stand allerdings nicht übernehmen.

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