Ein Mitarbeiter montiert Ventilatoren am Stammsitz Mulfingen. Foto:  

Beim Ventilatorenhersteller EBM-Papst soll die defizitäre Automobilsparte nach einem Jobabbau und weiteren Sanierungsmaßnahmen bald wieder schwarze Zahlen schreiben.

Stuttgart - Nach einem erfolgreichen Wachstumsjahr plant der Hohenloher Ventilatoren- und Motorenhersteller EBM-Papst aus Mulfingen vorsichtiger und rechnet im laufenden Geschäftsjahr nur noch mit einem Umsatzzuwachs von 1,6 Prozent. „Wir haben gute Auftragsbestände, spüren aber schon die konjunkturelle Eintrübung und dass es Bremsspuren in den Weltmärkten gibt“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Stefan Brandl, in Stuttgart. Er sieht das Unternehmen aber gut aufgestellt.

Auch die in St. Georgen im Schwarzwald angesiedelte Sparte Automotive/Antriebstechnik, die rote Zahlen schreibt, sieht er wieder auf dem richtigen Kurs. „Die Sanierungsanstrengungen, die wir vor einem Jahr gestartet haben, zeigen Früchte“, sagte Brandl unserer Zeitung. Die Maßnahmen wirkten, um aus den tiefroten Zahlen zu kommen. Man habe aber noch ein Stück Weg zu gehen. Bis Ende des Jahres soll die Sparte aus den Verlusten kommen.

Abbau von 160 Arbeitsplätzen

Der Sanierungskurs brachte harte Einschnitte am Standort St. Georgen, zu dem auch die Werke Herbolzheim (Kreis Emmendingen) und Lauf zählen. Insgesamt wurden 160 Arbeitsplätze abgebaut – Geschäftsführung, Arbeitnehmervertreter und IG Metall haben sich auf die Gründung einer Transfergesellschaft geeinigt. Damit sind an den drei Standorten noch 1776 Mitarbeiter beschäftigt. Brandl sprach im Zusammenhang mit der Sanierung von mehreren Maßnahmen. So wurden die Anlagen optimiert, Preise mit Kunden und Lieferanten neu verhandelt um „die Preisqualität zu steigern“. Zudem wurde ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess gestartet, damit Mitarbeiter kostenbewusster arbeiten und Verbesserungsvorschläge bringen.

Bestimmte Teile werden jetzt auch in Rumänien gefertigt, wo sich EBM-Papst Flächen angemietet hat. „Wir mussten den Standortmix in der Automobilindustrie ändern, weil wir komplett anders aufgestellt sind als typische Automobilzulieferer“, sagte Brandl. In so einem wettbewerbsintensiven Feld könne man es sich nicht erlauben, den Hauptwertschöpfungsanteil in Deutschland zu haben.

Neue Werke ein China und den USA

Vor Ort produzieren – „local for local“ gilt im übrigen für die gesamte EBM-Papst-Gruppe, weil die jeweiligen Märkte unterschiedliche Anforderungen an die Produkte hätten, wie Brandl sagte. Deshalb treibt das Familienunternehmen die Internationalisierung weiter voran. Demnächst stellt EBM-Papst seinen dritten Produktionsstandort in China (in Xian) fertig und eröffnet den zweiten Standort in den USA (in Johnson City) – auch mit Entwicklungskapazitäten in den jeweiligen Regionen.

Neues Technologiezentrum in Mulfingen

In Deutschland wird ab Herbst mit dem Bau des Technologiezentrums für Forschung und Entwicklung am Stammsitz Mulfingen begonnen. Daher fallen die Investitionen mit knapp 200 Millionen Euro im laufenden Jahr um fast 50 Prozent höher aus als im Vorjahr, rund die Hälfte davon entfällt aufs Ausland. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen um 6,3 Prozent auf knapp 115 Millionen Euro steigen. Schwerpunkte sind Digitalisierung, Aerodynamik und -akustik, energieeffiziente Produkte und Ausbau der Elektronik- und Systemfähigkeit.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 das am 31. März endete, hat EBM-Papst trotz des schwierigen Marktumfeldes, geprägt von politischen Unsicherheiten und Materialverknappungen – vor allem Elektronikbauteile – den Umsatz um 6,7 Prozent auf 2,18 Milliarden Euro gesteigert. Gut lief es in Europa (ohne Deutschland) mit plus 7,7 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro, gefolgt von Asien (plus 6,8 Prozent auf gut 400 Millionen Euro) und Deutschland (plus 5,7 Prozent auf 501 Millionen Euro). In Amerika legte der Branchenprimus um 4,9 Prozent auf 260 Millionen Euro zu.

Die Zahl der Mitarbeiter sank weltweit leicht auf 15 058 (minus 0,4 Prozent), 6852 davon arbeiten im Inland. Jobabbau sei derzeit kein Thema, sagte Brandl. Die Gruppe mache Gewinn, sei sehr solide und habe viele Innovationsprojekte.

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