Der richtige Schwung beim Pizzabacken will gelernt sein – Benjamin Hehn zeigt es den Kursteilnehmern. Foto: Gottfried Stoppel

Steaks und Würste sind das liebste Grillgut der Deutschen – doch immer mehr entdecken vegetarisches Grillen. Ein Besuch beim Veggie-Kurs einer Grillschule im Rems-Murr-Kreis.

Urbach - Köstlicher Duft strömt aus den Gasgrills der Grillschule Urbach. Neugierig hebt eine Kursteilnehmerin den Deckel an – „kann noch ein bisschen“, befindet sie. Kurze Zeit später ist es dann so weit: Der erste Gang ist fertig, Bruschetta Caprese, goldbraun gegrillt. Wer ein saftiges Steak oder zarte Spareribs erwartet, ist heute falsch. Der Grillschul-Koch Benjamin Hehn bringt seinen Eleven vegetarisches Barbecue näher. Die Veggie-Kurse gibt es seit dem vergangenen Jahr.

Das Umfrageinstitut Forsa untersucht im Auftrag des Geflügelgiganten Wiesenhof regelmäßig die Grillgewohnheiten der Deutschen. Ergebnis der repräsentativen Befragung aus dem Jahr 2015: Acht von zehn Deutschen legen am liebsten Fleichstücke wie Steaks oder Schnitzel auf den Rost, etwa drei Viertel auch den Klassiker schlechthin, die Bratwurst.

Vegetarisches Grillen wird immer beliebter

Zucchini, Aubergine und Co. sind als Grillgut nicht ganz so verbreitet – doch seine Beliebtheit wächst. Gaben 2010 noch 29 Prozent an, auch Gemüse zu grillen, sind es in der aktuellen Ausgabe 43 Prozent, bei gesundheitsbewussten Grillfans gar mehr als die Hälfte.

Vegetarisches Grillen liegt also im Trend. Auch der Lehrmeister Benjamin Hehn ist überzeugt: „Vegetarisches Grillen wird absolut unterschätzt.“ Er selbst ist zwar kein Vegetarier („dann wäre ich in meinem Job falsch“) , aber mit seinem Kurs will er beweisen, dass beim fleischlosen Grillen viel mehr geht, als Gemüse in eine Aluschale zu legen. Die wenigsten Teilnehmer seien Vegetarier: „Die meisten von ihnen wollen sich einfach neue Ideen holen, zum Beispiel, wenn sie vegetarische Gäste erwarten.“

Auf der Speisekarte: Vanille-Balsamico-Zwiebeln und Ziegenkäse im Pergament

Die Stuttgarterin Nina Degelmann dagegen isst kein Fleisch und möchte etwas anderes ausprobieren als Maiskolben oder Grillkäse. „Für Vegetarier sind solche Kurse wirklich selten“, erzählt sie, während sie Hehn beim fachgerechten Brutzeln von Gemüse zusieht.

Was die Teilnehmer im Lauf des Kurses zubereiten, hat mit verkohlten Paprikastücken oder Tofuwürsten mit Papparoma nichts mehr zu tun. Das köstlich duftende Grillgemüse zum Beispiel kommt nicht einfach auf den Teller, sondern zunächst mal auf Hefeteig – und auf einen Pizzastein.

In wenigen Minuten wird der Teig knusprig braun und der Appetit der Teilnehmer groß. Die Grillgemüse-Pizza ist schnell verdrückt; doch bevor die Teilnehmer noch mehr kosten können, müssen sie wieder an die Arbeit. Ein junger Mann stopft getrüffelte Pilze in einen riesigen Hokkaidi-Kürbis. „Das wird ein Highlight“, freut er sich. Doch bis das Trumm im Grill durchgegart ist, wird noch eine Stunde vergehen.

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Gut, dass die Speisekarte des Kurses noch mehr hergibt: Bei Vanille-Balsamico-Zwiebeln, Ziegenkäse im Pergament und grünem Spargel von der Salzplanke dürfte selbst hartgesottenen Fleischfans das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die mit Kässpätzle gefüllten Champignons lassen das Schwabenherz höher schlagen – und spätestens bei der im Grill gebackenen Schokoladen-Mascarpone-Griesschnitte zum Dessert verlangt niemand mehr heimlich nach einem saftigen Steak.

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