Gute Nachrichten für Veganer und Fans der pflanzlichen Küche: Katharina Bretsch verabschiedet sich zwar mit Super Jami von der Gastronomie, das Lokal wird trotzdem nicht geschlossen. Denn Nadja Prokhorenko hat genug Energie für ein weiteres Projekt.
Diesem Ende in Stuttgarts Gastronomie wohnt ein Anfang inne: Zwar schließt das vegane Super Jami Kitchen Ende März, aber im April geht es unter dem Namen Energetic World weiter. Die Inhaberin Katharina Bretsch findet, dass ihre Nachfolgerin Nadja Prokhorenko alles richtig macht.
Frau Bretsch, ist es so anstrengend, ein veganes Restaurant zu betreiben? Nach Körle und Adam und dem Ladies Diner ist nun auch für Super Jami Schluss.
Katharina Bretsch: Überhaupt Gastronomie zu betreiben, ist anstrengend, wenn das Lokal vom Inhaber geführt wird. Im Super Jami bin ich allein für alles verantwortlich. Man kann von außen nicht wirklich beurteilen, wie viel Power das kostet. Nebenher bleibt jedenfalls relativ wenig freie Lebenszeit übrig, und das erschöpft einen irgendwann.
Dabei scheinen vegane Restaurants gut zu laufen, ständig kommen neue dazu.
Katharina Bretsch: Ja, vegane Küche ist auch in einer kleinen Großstadt wie Stuttgart angekommen. Wir kamen noch aus der Tierrechtsaktivisten-Szene. Unser Beweggrund ist und war, dass kein Tier für uns getötet wird. Mittlerweile hat sich die vegane Ernährung zu einer Lifestyle-Thematik entwickelt. Ich finde es aber schön, dass es nun fast überall vegane Sachen zu essen gibt.
Trotzdem sehen Sie keine Perspektive?
Katharina Bretsch: Ich glaube, dass sich die Konzepte in Zukunft stark verändern werden. Dass es weniger kleine Läden geben wird, dafür mehr Systemgastronomie. Oder man muss feine Küche anbieten, dazwischen bleibt wenig Raum. Würde ich heute noch einmal gründen, würde ich eine Fine-Dining-Geschichte machen. Aber für mein Lokal im Heusteigviertel wird es nie eine Konzession für Alkoholausschank geben, das hat meine Entwicklung eingegrenzt. Und irgendwann ist man zu alt, um von der Hand in den Mund zu leben.
Frau Prokhorenko, Sie wollen das Restaurant von Katharina Bretsch trotz all der Probleme übernehmen?
Nadja Prokhorenko: Es entspricht meinem Traum! In diesem Restaurant kann ich mich mehr in der Küche austoben. Es läuft gut, Kathi hat einen großen Kundenstamm aufgebaut. Und Alkohol ist nicht das Thema, an dem mein Herz hängt. Vegane Menschen trinken allgemein nicht viel Alkohol. Ich werde dafür zusätzlich Frühstück anbieten.
Es wird Ihr drittes Lokal – nach dem Energetic Life Café und einer Neueröffnung in Nürtingen. Wie schaffen Sie es?
Nadja Prokhorenko: Ich habe sehr, sehr gutes Personal. Alle stehen hinter dem Konzept. Bei drei Locations kann nicht nur ich alles frisch produzieren, ich muss Aufgaben abgeben. Dafür werden der Einkauf und die Produktion günstiger.
Katharina Bretsch: Sie macht richtig, was ich falsch gemacht habe. Das finde ich megagut. Du bist eine Unternehmerin. Ich bin dagegen kompromisslos. Alles muss genau so sein, wie ich es haben will. Das ist mein großer Fehler. Denn es hat seinen Preis, alles selbst machen zu wollen.
Frau Prokhorenko, gehen Sie nüchterner an das Geschäft heran?
Nadja Prokhorenko: Ich stehe auch noch mitten in der Nacht auf, um meine Törtchen zu backen, und arbeite dann den Tag durch in meinem Café oder bei Caterings. Niemand kann die Sachen so gut backen wie ich, davon bin ich ebenfalls überzeugt. Aber man muss Abstriche machen. Ich komme aus der Automobilbranche, dem Projektmanagement und der Produktion. Das ist meine Welt. Deshalb weiß ich, dass ich die Rezepte und ihre Herstellung standardisieren muss. Dadurch geht die Qualität nicht verloren, und ich kann viel mehr Menschen mit meinen Produkten erreichen und glücklich machen.
War es Ihr Plan, Großgastronomin zu werden?
Nadja Prokhorenko: Nein, das ist wirklich Zufall. Schon an das Café in der Schulstraße bin ich zufällig gekommen, weil die Vorgängerin wegen Corona aufhörte. Der Nürtinger Oberbürgermeister hat ein veganes Konzept für seine Stadt gesucht und mich angeschrieben. Die Pacht dort ist verführerisch günstig. Und im Fall von Kathi habe ich zufällig gelesen, dass sie aufhören will.
Einen Nachfolger zu finden, ist heutzutage ein großes Glück.
Katharina Bretsch: Vor allem, jemand zu finden, der ein Konzept hat, das ich richtig gut finde. Deshalb kann ich mich mit einem lachenden Herzen verabschieden. Meine Stammkundschaft wird glücklich sein, sie kann direkt weiteressen.
Müssen sich die Gäste an ein paar Neuerungen gewöhnen?
Nadja Prokhorenko: Ich werde nicht viel verändern. Die Speisen bleiben ähnlich international. Aber es wird einen neuen Namen geben. Aus Super Jami wird Energetic World.
Zwei neue Anfänge
Vorgängerin
Katharina Bretsch feiert am 22. März die Abschiedsparty von Super Jami Kitchen. Die 42-Jährige hat zwischenzeitlich eine Ausbildung zur Sommelière absolviert und arbeitet im Fellbacher Weingut Heid.
Nachfolgerin
Nadja Prokhorenko ist vor drei Jahren mit dem Energetic Life Café in die Gastronomie eingestiegen. Die 35-jährige Ingenieurin für Fahrzeugtechnik arbeitete zuvor bei Porsche. Sie ist auch am georgischen Restaurant Kartuli Eso beteiligt.