Vegan Street Day in Stuttgart: die Botschaften sind eindeutig. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Vegan Street Day hat mehr als 10 000 Besucher abgelockt. Für die Veranstalter ist das ein Beweis, dass vegane Lebensweise inzwischen ein Selbstläufer ist.

Stuttgart - Einen Schweinebraten auf dem größten veganen Straßenfest der Republik? Ja, das gibt es. Und es gibt sogar noch eines drauf: die „gemischte Platte“. Oder eine Extrawurst für das nörgelige Töchterchen: eine Ofenkartoffel, aber bitte ohne Quark! Denn da ist Milch drin, die von der Kuh kommt, und was vom Tier kommt, das isst der vegane Nachwuchs nicht. Schmatzend räumen die Eltern die Platte ab, wonach sich herausstellt: Die Bedienung hatte sich geirrt, den eingefleischten Fleischessern wurde die Platte für die Veganer-Party serviert.

Alles Theater natürlich, „Tierschutztheater“, wie die Veranstalter sagen, und doch kennzeichnend für den Vegan Street Day, den Animal Rights Watch (Ariwa) am Sonntag zum siebten Mal vom Rathaus bis zum Schillerplatz veranstaltet hat: Die Veganer-Bewegung legt das Image ab, eine bleichgesichtig-verkniffene Glaubensgemeinschaft von Spaßbremsen zu sein. Vegan schmeckt nicht nur, bei rein pflanzlicher Ernährung dürfen auch Genuss und Lebensfreude sprießen: Das ist die Botschaft. Und nur Fleischesser werden sich von moralischen Imperativen umstellt sehen, wie sie sich etwa aus Vorträgen und den Darstellungen von Massentierhaltung, Schlachthauselend und Tierversuchen ergeben. Auch Sven aus Ludwigsburg, von der Schwägerin in spe auf den Street Day gelockt, fühlt sich „nicht umstellt“: „Mir schmeckt ein Steak. Aber ich kann selber entscheiden, ob ich darüber nachdenken will. Falls es Alternativen gibt.“ Er hat’s mal mit veganem Eis probiert.

Kochshows für die vegane Küche

Richtig hipp wird die vegane Küche bei den Kochshows mit den Szenestars Björn Moschinski, Stina Spiegelberg und Christian Geiser, wo Hundertschaften sich gut unterhalten fühlen und auf dem Marktplatz im kalten Wind ausharren, bis die Probehäppchen gereicht werden. Sowieso ist der Parcours der Verpflegungsstände dicht belagert, am Ariwa-Zelt sind bereits um 14 Uhr alle Kuchen verputzt. Petra Kreutz von der „Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt“, aus „tierethischen und gesundheitlichen Gründen umgestiegen“, sieht im Schlangestehen „ein gutes Zeichen für wachsendes Interesse“, was sie auch auf „die Lust der Besucher“ auf Infos und Diskussionen bezieht.

Zufrieden war der Ariwo-Vorsitzende Achim Stammberger: „Das Wetter war viel ungünstiger als im Vorjahr. Trotzdem sind wieder über 10 000 Leute gekommen“. Für ihn ist die Botschaft klar: „Vegan ist inzwischen ein Selbstläufer“, sagt Stammberger.

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