Am Muttertag haben drei Mütter die Kluft zwischen Theorie und Praxis beschrieben, jetzt sind die Männer dran. Foto: Getty

„Mit einem Kind wird alles anders“, sagen immer alle. Leider stimmt das auch. Nach den Müttern erzählen nun drei Väter vom Schiffbruch guter Vorsätze im Alltag.

Stuttgart Am Muttertag haben drei Mütter die Kluft zwischen Theorie und Praxis beschrieben, jetzt sind die Männer dran:

Die Vorstellung Die eigenen Eltern hatten dauernd Angst, dass etwas passieren könnte. Man selbst bleibt cool.

Die Realität Wenn bisher noch ein leiser Zweifel bestand, dass der Mensch vom Affen abstammt: Er ist ausgeräumt – das zweijährige Kind klettert auf dem Spielplatz und klettert und klettert. Sieht es denn nicht, dass die Sprossen zu weit auseinander stehen, für seine kurzen Beine? Wackelt da nicht eine Planke? Steigt ihm der frühpubertierende Siebenjährige gleich auf seine winzigen Finger? Der Alltag ist plötzlich eine Aneinanderreihung von Schockmomenten. Man würde am liebsten tausend Vollkaskoversicherungen für jeden Moment des Tages abschließen. Und entdeckt: Papa ist der wahre Hosenscheißer.

Die Vorstellung Nein, ich rege mich nicht auf . . .

Die Realität Der nicht aufgeräumte Legostein im Kinderzimmer, auf den man nächtens tritt, ist ebenso legendär wie das quengelige Kind, das partout nicht einschlafen will – weil es ja nichts versäumen oder einfach nur unterhalten werden will. Und wie war das mit aus unerfindlichen Gründen beleidigten Leberwürsten? Herr, wirf Geduld vom Himmel! Und bitte nicht zu wenig davon!

Die Vorstellung Klar, mit einem Kind ändert sich viel. Aber doch nicht der eigene Kulturgeschmack.

Die Realität Warum sollte man sich die Welt schönlügen, wenn sie manchmal brutal ist? Wer mit „Pulp Fiction“ und „Natural Born Killers“ aufgewachsen ist und nicht ständig während der brutalen Szenen die Hände vors Gesicht gehalten hat, der glaubt, dass sich daran auch mit einem Kind nichts ändern wird. Stimmt nur leider nicht: Fall von Kindesentführung? Schaut man erst gar nicht an. Drei Tote im „Tatort“? Werfen die Frage auf, ob das dramaturgisch wirklich nötig war. Ach ja: ein paar Folgen „Bergdoktor“? Haben was für sich. Natürlich nur, solange keinem Kind etwas passiert.

Die Vorstellung Wir leben unser Leben ganz normal weiter und bleiben spontan.

Die Realität Ein Leben ohne jegliche Spontaneität? Herzlichen Glückwunsch zur Vaterschaft! Denn nach der Geburt funktioniert Spontaneität nur noch mit dreiwöchigem Vorlauf. Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Spontaneität haben Väter meist so wenig zu tun, dass sie das Wort erst im Duden nachschlagen müssen, um es richtig schreiben zu können.

Die Vorstellung Wir erziehen unsere Kinder – nicht sie uns.

Die Realität Wie hat es Mark Twain so schön formuliert: „Als ich vierzehn war, war mein Vater so unwissend. Ich konnte den alten Mann kaum in meiner Nähe ertragen. Aber mit einundzwanzig war ich verblüfft, wie viel er in sieben Jahren dazugelernt hatte.“ Na ja, ich dachte immer, dass Twain allen Vätern Mut machen wollte, die Pubertät der Kinder zu überleben – weil die am Ende dieser Umbruchzeit schließlich eingesehen hatten, dass die Altvorderen eben doch nicht so blöd waren. Aber vielleicht wird man gerade in dieser Zeit nicht nur älter, sondern lernt tatsächlich dazu: Wie war das noch mit American Football? Das versteht der Vater erst, als er seiner Tochter beim Cheerleading zusieht.

Die Vorstellung Egal welches Spielzeug, spielen macht immer Spaß.

Die Realität Mit Barbies spielen? Warum nicht? Eine Höhle für 500 Kuscheltiere bauen? Schaffen wir! Selbst an die Rolle des rosafarbenen Einhorns wird sich der stolze Vater irgendwann gewöhnen. Und doch: Wenn im benachbarten Sandkasten plötzlich ein Piratenschiff ausgepackt wird oder die Lego-Ritter zum Sturm auf die belagerte Burg antreten, bricht der Mann im Vater durch. Nur fünf Minuten Raubritter sein!

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