Vanessa Buchmann Foto: Privat

Vanessa Buchmann ist 20 Jahre alt. Sie möchte Frauen nicht nur ihrer Generation für Politik interessieren und sich selbst in die Kommunalpolitik einbringen. Vor allem der Klimawandel treibt die Studentin der Kommunikationswissenschaft um.

Ludwigsburg - Vanessa Buchmann wäre bei den Grünen ein konservatives, aber dennoch willkommenes Mitglied: größtenteils themenkompatibel, 20 Jahre jung, tatkräftig, vertraut mit den sozialen Medien, unerschrocken und nicht auf den Mund gefallen. Die Ludwigsburgerin möchte Frauen ihrer Generation für Politik interessieren und sich selbst in die Kommunalpolitik einbringen. Mit diesem Best-of-Profil einer grünen Parteimitgliedschaft ist die Studentin aber seit fünf Jahren in der CDU aktiv. Im Kreisverband ist sie als Beisitzerin Teil des Vorstands. Vanessa Buchmann hat sich als ehemaliges Mitglied im Jugendgemeinderat der Stadt Ludwigsburg und Jungkandidatin 2019 bei den Gemeinderatswahlen den Ruf erworben, grüne Themen bei den Christdemokraten etablieren zu wollen. „Nein, nicht etablieren, sondern grüne Themen besetzen“, korrigiert sie. „Umwelt- und Klimapolitik ist in der CDU ein Thema“, versichert die junge Frau.

 

In der Partei sieht sie ihre Aufgabe darin, sich Themen anzueignen, die ihrer Generation am Herzen lägen und die sie in einem konservativen Umfeld politisch vorantreiben möchte. Der Klimawandel stehe an erster Stelle, sagt sie und verweist auf den Entwurf eines Leitpapiers der Jungen Union (JU) im Kreis, „an dem ich massiv mitgewirkt habe“. Drei der insgesamt zwölf Seiten seien dem Klimaschutz gewidmet. Noch zwei Debatten, dann soll es verabschiedet werden. Ihre Themen durchzubringen sei selbst in der Kreis-JU kein Selbstläufer, gesteht sie. Die Jugendorganisation hat etwa 300 Mitglieder. Rund 120 schätzt Buchmann als aktiv Mitarbeitende ein. „Vielleicht 50 Prozent“, antwortet sie auf die Frage, wie viele davon bei den Ökothemen Mitstreitende seien.

Die sprichwörtliche junge Generation agiert nicht einheitlich

„Das sind vor allem die jungen Frauen“, erklärt sie und stellt klar, dass ihre Generation, die gerne der Friday-for-Future-Bewegung zugeordnet werde, keine Einheit sei. „In meiner Umgebung gibt es welche, die aus Langeweile immer noch sinnlos mit dem Auto umherfahren und Sprit für nichts verbrauchen“, beobachtet die 20-Jährige, die betont, selbst aufs Auto zu verzichten.

Etwas Ökoverhalten an den Tag zu legen macht die Studentin nicht automatisch zu einer Weltverbesserin. Das sieht sie auch so. Ihr Wirkungsbereich ist nicht global, sondern beschränkt sich auf die CDU im Landkreis und in ihrer Heimatstadt. Im Gemeinderat hat der Fraktionsvorstand den Ruf, nicht mehr zeitgemäß sich für jeden Parkplatz in der Innenstadt zu verkämpfen. Vanessa Buchmann nennt das milde „ein bissle altmodisch“.

Radikale Lösungen sind ihre Sache nicht

Sie würde lieber dem öffentlichen Personennahverkehr mehr Platz und nicht dem Auto althergebrachte Privilegien einräumen. Offene Kritik übt das junge Mitglied nicht an ihrer Partei. Man kann sich allerdings vorstellen, dass sie mit ihrer unerschrockenen Art und ihrem jugendlichen Eifer das eine oder andere Altmitglied hin und wieder gehörig nervt.

Sie hat als Geschäftsführerin der Gemeinderatsfraktion im Ludwigsburger Rathaus jede Woche Gelegenheit dazu. Insofern ist Buchmann keine Weltverbesserin, sondern eine Antreiberin, die mit ihrem Engagement die Modernisierung ihrer Partei vorantreiben möchte. Wenn man das ehemalige Mitglied des Jugendgemeinderats nach seiner Einstellung zur Verkehrspolitik fragt, liegen ihre Antworten bei aller Öko-Lastigkeit innerhalb dessen, was für die CDU erträglich ist. Gleichzeitig grenzt sich Buchmann gewollt von Positionen der Grünen ab. Die gingen ihr mit ihren extremen Ansichten zu weit, erklärt sie. Sie stehe nicht „für radikale Lösungen“. Darin sieht sie ihren größten Unterschied zu den Grünen. „Nichts kann man von einem auf den anderen Tag umstellen. Alles braucht seine Zeit“, lautet ihre Einstellung.

Die Bachelorarbeit soll um soziale Medien gehen

So müsse die Innenstadt für den Individualverkehr offen bleiben, sagt sie, um den Einzelhandel zu stützen und die Fußgängerzonen lebendig zu halten. Die Politik dürfe die Automobilindustrie nicht überfordern, wenn sie die Elektromobilität vorantreibe. Alles müsse getan werden, damit die Wirtschaft in der Region ihre Spitzenposition behalte. Ihre parteikonformen Positionen formuliert sie mit ihren 20 Jahren derart gekonnt, dass es nicht verwundern würde, wenn Parteifunktionäre auf sie aufmerksam und sie nach oben weiterreichen würden. Buchmann studiert an der Universität Hohenheim Kommunikationswissenschaft. Ein Schwerpunkt liegt auf den sozialen Medien, denen sie ihre Bachelorarbeit widmen möchte. Auch das passt, um die Parteikompetenzen zu stärken. Aktuell unterstützt die Studentin die Ludwigsburger Kandidatin für den Landtag, Andrea Wechsler, in ihrem Wahlkampf.

Das Beste aus beiden Parteien wäre für Vanessa Buchmann eine Koalition aus CDU und Grünen – sowohl im Land als auch auf Bundesebene. „Natürlich sollte die CDU die Regierung führen“, schiebt die junge Konservative nach.