Die Wohnzellen an der Fils für Wohnsitzlose, die sich schwertun mit der Integration in Gemeinschaften, sind umstritten und nach Bränden in schlechtem Zustand. Die Stadt Göppingen sieht jedoch keine Alternative.
Die Wohnmöglichkeiten für Obdachlose an der Fils in Göppingen sind noch nicht einmal zwei Jahre alt. Der aktuelle Zustand ist jedoch desolat. Drei der sieben Mini-Wohnungen sind verkohlt. An zwei weiteren sind die Fenster teils mit Spanplatten verrammelt. Die Umgebung ist nicht weniger trostlos. Die Behausungen in Modul-Bauweise, die die städtische Wohnbau-Gesellschaft für viel Geld am Filsufer gebaut hat, sind derzeit nur zum Teil bewohnt. Dabei wollte die Stadt dort solche Menschen unterbringen, die in ihrem Sozialverhalten als so schwierig gelten, dass sie für andere Obdachlosenunterkünfte nicht infrage kommen.
Doch die Kritik an diesem Konzept und an dem Standort lässt nicht nach. Vor allem bei der SPD im Gemeinderat waren die abgelegenen Mini-Appartements von Anfang an nicht gerne gesehen. Von Isolation und Stigmatisierung war die Rede. Und es kam zu Zwischenfällen. Zuerst brannte es im Oktober 2021, vermutlich wegen einer Zigarettenkippe. Dann kam es im Hochsommer zu mehreren Zwischenfällen: zwei Brandstiftungen und ein Einbruch innerhalb weniger Tage. Ein Bewohner wurde schwer verletzt ins Krankenhaus geflogen. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten die Zusammenhänge bisher nicht klären.
Was aber folgte, war ein Krisentreffen bei der Stadt: Es ging um das große Konfliktpotenzial, um Vermüllung und Drogenmissbrauch. Wenige Wochen nach den Bränden nahm die „Mobile Obdachlosenbetreuung“ unter Leitung der Wohnungslosenhilfe „Haus Linde“ in den verbliebenen Unterkünften ihre Arbeit auf.
Ein Wohncontainer wurden bei den Bränden zerstört, zwei beschädigt. Gut vier Monate später sind sie noch nicht wieder hergestellt. „Die Abwicklung des Versicherungsfalls läuft“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. „Die Freigabe der Versicherung für die Instandsetzung der beiden teilweise zerstörten Wohncontainer sowie die Herstellung des vollständig ausgebrannten Wohncontainers ist erfolgt und die Aufträge sind erteilt.“ Konkrete Termine kann die Stadt nicht nennen, geht aber davon aus, dass die beiden teilweise beschädigten Wohnungen Anfang nächsten Jahres repariert und im Frühjahr wieder bewohnbar sein werden. Der Schaden wird auf 70 000 Euro geschätzt.
Die Reparatur ist also in Sicht, nicht jedoch eine oft geforderte Alternative zu den Wohnzellen. Dabei hatte die SPD im Gemeinderat gefordert, die Unterkünfte für „nicht integrierbare Obdachlose“ an einen anderen Standort zu verlegen. Unterstützung bekamen die Sozialdemokraten von Christian Stähle (Linke): „Das gehört da nicht hin.“ Doch diese Forderung stieß bei der zuständigen Sozialdezernentin Almut Cobet auf wenig Verständnis. „Wir haben zig andere Orte durchgeprüft“, sagte sie, merklich gereizt, als der Antrag bei der Etat-Debatte diskutiert wurde. „Es hat sich kein anderer Standort gefunden, wo die Anwohner einverstanden sind“.
Außerdem tue die Stadt alles, um die Verhältnisse in den Griff zu bekommen: „Ja, wir hatten große Schwierigkeiten“, sagte Cobet. „Wir sind nun aber glücklich über einen Sicherheitsdienst, der mehrmals täglich dort hinfährt.“ Auch die Mitarbeiter der Ortspolizeibehörde versuchen, mit den Bewohnern in Kontakt zu kommen, berichtete die Stadtverwaltung.
In den Wochen direkt nach den Bränden fuhr eine private Sicherheitsfirma jede Nacht viermal an die Fils, der Gemeindliche Vollzugsdienst (GVD) tagsüber dreimal. Inzwischen kontrolliere der GVD täglich zweimal, nachts wird der Ort nur noch an Freitagen und Samstagen zweimal durch die Sicherheitsfirma angesteuert, teilt die Stadt mit. Das Abfallkonzept sei überarbeitet worden. „Der städtische Betriebshof erhält regelmäßig Räumungsaufträge und es wurden neue Abfalltonnen beantragt, um zu verhindern, dass Dritte ihren Müll dort unerlaubt entsorgen“.
Außerdem heißt es bei der Stadt, die Betreuung durch den Sozialarbeiter werde von den Bewohnern „insgesamt gut angenommen“. Die Betreuung umfasse Treffen, Gespräche und Unterstützung in allen Lebenslagen, auch bei der Wohnungs- und Arbeitssuche sowie der Strukturierung des Alltags.
Ermittler sind bei Brandstiftungen noch nicht am Ziel
Polizei
Direkt nach der ersten Brandstiftung in den Miniappartements am 1. August hatte die Polizei einen damals 27-jährigen Tatverdächtigen festgenommen, ihn dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Am 3. August brannten die Minihäuser erneut.
Ermittlungen
Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigen, dass die Ermittlungen vier Monate später noch laufen. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Ulm stellte in Aussicht, dass sie vermutlich im Januar abgeschlossen sein werden. Der Tatverdächtige der ersten Tat sei für den zweiten Fall aber „nicht als Verdächtiger bestätigt“.