Auf dem Besinnungsweg in Fellbach-Oeffingen sind 150 Lavendelpflanzen ausgegraben und die Wände des Trafohäusle am Standort „Freizeit/Muße“ besprüht worden. Wer macht so etwas?
Mit Sprühdosen und Spaten haben sich ungebetene Besucher auf dem Besinnungsweg in Oeffingen zu schaffen gemacht. Rund 150 Lavendel-Pflanzen haben sie an zwei Stellen ausgegraben, die weiß verputzten Wände beim Trafohäusle am Standort „Freizeit/Muße“ sind großflächig mit Graffiti besprüht. Enttäuscht steht Paul Rothwein, der Vorsitzende des Fördervereins Besinnungsweg Fellbach, vor dem Beet bei der steinernen Skulptur „Demut“ an der Kreisstraße zwischen Hegnach und Oeffingen, wo nur noch die Löcher in der Erde, aber kein einziger Lavendelstrauch an die wohlduftende Bepflanzung erinnern. Bienen und Insekten haben sich gerne bei den tiefblauen Blüten getummelt, die Sitzbank daneben wurde von Spaziergängern gerne genutzt.
Die Täter gingen mit System vor. Auch an einer zweiten Stelle, unweit der Feldscheuer, wo ein Kunstwerk zum Thema „Grenzen“ geplant ist, wurden sämtliche Lavendel-Büsche ausgegraben und mitgenommen.
Info-Broschüren werden zerrissen
„Wer macht denn so was“, fragt sich auch Heribert Sautter, der stellvertretende Leiter des städtischen Kulturamts. Er hat den Vorfall bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Den Sachschaden in Euro zu beziffern, das fällt ihm schwer, die Enttäuschung ist auch ihm anzumerken. Erste Versuche, die mit kräftigen Farben aufgesprühten Zahlen und Symbole von den Wänden des Trafohäuschens zu entfernen, haben gezeigt, dass dies schwierig beziehungsweise sehr umfangreich und nahezu unmöglich sein wird. Es sei denn, man erneuert den Putz komplett.
Die Aktiven auf dem Besinnungsweg haben es immer wieder mit Vandalismus auf dem vier Kilometer langen Pfad zu tun. Auf den Wegen finden sie regelmäßig zerrissene Flyer mit Infos zu den Stationen. Das zerfetzte Papier ist nicht nur ein „wüster Anblick“, sondern kostet den Verein auch richtig Geld. Die hochwertigen Broschüren in Farbdruck werden nämlich kostenlos ausgelegt.
Ärgerlich sind auch die häufigen Verunreinigungen entlang der vier Kilometer langen Strecke. Mit Hundekot gefüllte Plastikbeutel werden regelmäßig auf den Kunstwerken abgelegt, Restmüll von Vesperpausen landet ebenfalls dort.
Was die Langfinger mit den vielen Lavendel-Pflanzen im Sinn haben, ist Paul Rothwein ein Rätsel. Wachsen sie auf irgendeinem Gartengrundstück weiter oder verrotten sie irgendwo achtlos?
Ebenso geben die Schriftzüge auf dem Trafohäuschen Rätsel auf. Die Berliner Künstlergruppe Inges Idee, die das Kunstwerk zum Thema „Freizeit/Muße“ geschaffen hat, wurde informiert und ist ebenfalls fassungslos. Ihr Kunstwerk, der abgeknickte Strommast, ist eine augenzwinkernde Metapher auf unsere Leistungsgesellschaft. Es geht um die Rolle des Einzelnen im System. Hinterfragt wird, wie viel Raum uns das System lässt und wie viel Raum wir uns nehmen für ein selbstbestimmtes Leben.
Verwüstungen auch auf dem Kunststückle
Der von Ehrenamtlichen geführte Förderverein Besinnungsweg Fellbach ist nicht der einzige, der sich mit solchen Vorkommnissen konfrontiert sieht. Auch auf dem Kunststückle des Fellbacher Kunstvereins an der Esslinger Straße kam es schon zu Verwüstungen und Diebstählen.
So wurde dort etwa vor zwei Jahren eine Plane der Künstlerin Kirsten Kocagöz von der Halterung gestohlen. Das war nicht nur sehr ärgerlich, sondern hat den Verein auch um den Betrag gebracht, der beim Verkauf der Plane hätte erzielt werden können. Auch der Kunstverein hat damals den Diebstahl zur Anzeige gebracht und gehofft, zu dem Vorfall Hinweise zu erhalten.
Weder die Mitglieder des Fellbacher Kunstvereins noch des Fördervereins Besinnungsweg lassen sich allerdings durch derartige Vorfälle entmutigen oder einschüchtern. Die Freiluftgalerie auf dem beim Kombibad F3 gelegenen Kunststückle ist auch dieses Jahr mit Kunstwerken ihrer Mitglieder bestückt und wird mit Veranstaltungen bespielt. So tritt dort am Samstag, 13. Juli, von 18 Uhr an die fünfköpfige Formation „T-Bone“ auf und spielt „New Country-Rock-Pop“. Der Eintritt ist frei, es wird bewirtet. „Weintrinker sollten nur ihr eigenes Weinglas mitzubringen“, so die Bitte der Veranstalter.
Auch die ehrenamtlichen Mitglieder des Fördervereins Besinnungsweg Fellbach lassen sich von den jüngsten, ärgerlichen Vorkommnissen nicht entmutigen. Am 15. September ist wieder die Veranstaltung „Kunst, Wein und Häppchen“ geplant. An einigen Stationen des Weges wird bewirtet, es gibt von 14 bis 17 Uhr Informationen zu den Kunstwerken und Gelegenheit zum Gedankenaustausch und Gespräch.