Am Valentinstag schenken viele ihrem Partner Blumen oder Pralinen. Foto: dpa

Am Valentinstag schenken viele ihrem Partner Blumen oder Pralinen. Der Psychologe Guy Bodenmann erklärt, warum es sich lohnt, viel häufiger mit kleinen Zeichen der Liebe aufzuwarten. Außerdem erzählen vier Stuttgarter Ehepaare, was ihre Liebe am Leben hält.

Stuttgart - Den richtigen Partner zu finden ist eine Sache. Dauerhaft mit ihm zusammenzubleiben eine ganz andere. Der Zauber, der jedem Anfang innewohnt, verfliegt bei vielen Paaren doch allzu schnell. Zärtlichkeit und aufrichtiges Interesse werden von Gleichgültigkeit abgelöst. Der Psychologe Guy Bodenmann weiß, wie man dem entgegensteuern kann.

Herr Bodenmann, jede dritte Ehe geht heutzutage in die Brüche. Wie hält man die Liebe am Leben?
Dazu bedarf es des Engagements vom ersten Tag an. Die Liebe ist wie eine zarte Pflanze, welche es zu hegen und zu pflegen gilt. Dies kann mit kleinen Aufmerksamkeiten, dem gegenseitigen Interesse und der Anteilnahme am Leben des anderen und in Form von wechselseitiger Unterstützung erfolgen. Blumen sollte man sich entsprechend nicht nur zum Valentinstag schenken, sondern immer wieder mit kleinen Zeichen der Zuneigung aufwarten.
Viele trennen sich, weil „die Liebe nicht mehr da ist“. Geben wir zu schnell auf?
Effektiv trennen sich heute die meisten Paare aufgrund von Entfremdung, weil sie keine Liebe mehr verspüren und sich auseinandergelebt haben. Ob ein Paar die Beziehung dabei zu schnell aufgibt, kann nur im Einzelfall beurteilt werden. Es lässt sich allerdings beobachten, dass Online-Partnerbörsen die Tendenz erhöhen, ohne großen Aufwand Alternativen zur aktuellen Beziehung zu suchen. Je einfacher es ist, einen neuen Partner zu finden, desto geringer wird die Bereitschaft, für die gegenwärtige Partnerschaft zu kämpfen.
Wie viel Hoffnung gibt es auf mehr Harmonie und Zufriedenheit in der Folgebeziehung, wenn die Verliebtheitsphase erst einmal vorbei ist?
Man nimmt sich selbst mit seiner Persönlichkeit und seinen Problemen in jede neue Beziehung mit. Daher ist die Idee, dass alles in einer anderen Beziehung einfacher wird und dass der andere am negativen Ausgang alleine schuld ist, illusorisch. Es lohnt sich, die Schwierigkeiten innerhalb der Beziehung zu erkennen, an ihnen zu arbeiten. In der Paartherapie gilt der Leitsatz, dass jeder zuerst selber den ersten Schritt zur Veränderung tun und ihn nicht vom Partner erwarten soll. Partnerschaftsprobleme sind in aller Regel von beiden hausgemacht und es bedarf der Anstrengungen beider, um die Beziehung wieder auf Kurs zu bringen.
Wann ist der Punkt zu sagen: Es ist für beide besser, sich zu trennen?
Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da sie von vielen Faktoren abhängt. Wenn allerdings eine Beziehung allen auf Dauer mehr schadet als nützt, sie mit psychischen Verletzungen, jeglicher Form von Gewalt und einer Gefährdung des Selbstwerts der Partner einhergeht, dann sollte sich das Paar um eine professionelle Unterstützung mittels Paarberatung oder -therapie bemühen.
Bei vielen gehen die Schwierigkeiten los, wenn das erste Kind da ist. Wie schafft man es, als Eltern ein Paar zu bleiben?
Der Übergang zur Elternschaft ist eine große Herausforderung für Paare und geht in aller Regel mit einer Abnahme der Beziehungsqualität einher. Auf der einen Seite erlebt die Mehrheit der Eltern die Geburt des Kindes als ein freudiges Ereignis, das sie mit Stolz erfüllt, auf der anderen Seite erwähnen viele junge Eltern große Belastungen im Zusammenhang mit der Elternschaft: Neugeborene beanspruchen viel Zeit, Aufmerksamkeit und Energie. Die Bedürfnisse des Einzelnen und des Paares treten in den Hintergrund. Wichtig ist daher, dass sich das Paar der Veränderungen aufgrund eines Kindes bewusst ist, realistische Erwartungen hat und sich beide in dieser Phase besonders unterstützen und auf die Bedürfnisse und das Erleben des anderen feinfühlig und verständnisvoll eingehen.
b>Sexualität ist wie ein Muskel – er muss trainiert werden
Spätestens nach der Geburt des zweiten Kindes, aber auch in langjährigen kinderlosen Beziehungen, kommt die Sexualität häufig viel zu kurz. Wie kann man dem entgegenwirken?
Die Sexualität eines Paares ist stark stressanfällig. Wir haben in einer eigenen Untersuchung nachweisen können, dass der im Alltag erlebte Stress direkte Auswirkungen auf die Libido und die sexuellen Aktivitäten eines Paares hat. Je mehr Stress tagsüber erlebt wurde, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit für sexuelle Aktivitäten am Abend. Doch wenn die sexuelle Zufriedenheit zurückgeht, nimmt meistens auch die Partnerschaftszufriedenheit ab. Zwei Möglichkeiten helfen, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Erstens, indem sich die Paare abends Zeit nehmen, um Belastungen des Alltags zu besprechen und gemeinsam zu bewältigen. Zweitens sollten sich beide Partner Zeiten für Sexualität reservieren. Sexualität ist wie ein Muskel – er muss trainiert werden, um nicht zu verkümmern.
Wie wichtig ist gemeinsame Zeit? Und wie wichtig ist es, auch einmal Zeit alleine, zum Beispiel beim Sport oder auch mit Freunden, zu verbringen?
Beides ist wichtig: Zeit mit dem Partner und Zeit mit anderen, um neue Impulse in die Beziehung einzubringen und sie zu entlasten. Die Partner sollten sowohl genügend Zeit zu haben, um sich auszutauschen und an der gegenseitigen Entwicklung teilzunehmen, als auch Qualitätszeit miteinander verbringen. Feste Paar-Abende und gemeinsame Rituale sind sinnvoll, damit die Paar-Zeit nicht auf der Strecke bleibt.
Was braucht eine gute Partnerschaft?
Gegenseitiger Respekt, Achtung und Wertschätzung sind die Basis für eine auf Dauer erfüllende Partnerschaft. Realistische und flexible Erwartungen sind ein weiteres wichtiges Moment, gepaart mit Toleranz, der Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, und einer gewissen Großzügigkeit, über kleinere Macken des anderen hinwegzusehen. Die meisten Paare starten glücklich verliebt: Die Partner gehen aufmerksam, zuvorkommend und unterstützend aufeinander ein. Diese Positivität des Anfangs gilt es zu erhalten und bewusst zu pflegen – mit kleinen Zeichen der Zuwendung, Zärtlichkeit und wechselseitigem Interesse. Daneben gilt es, die Sexualität als Quelle der Verbundenheit und Intimität zu erhalten. Eine glückliche Partnerschaft auf Dauer zu führen, ist primär eine Sache der Motivation.
Wie gelingt es, zueinander zurückzufinden, wenn man sich entfremdet hat?
Indem man sich aktiv wieder sucht, auf den anderen zugeht und gemeinsam die Zuneigung wieder zu entdecken versucht. Oft kann dabei eine Paarberatung hilfreich sein, da es häufig viel Schutt aus dem Weg zu räumen gilt, was einfacher gelingt, wenn man dabei Unterstützung hat.

Mehr zur Person: Guy Bodenmann

Nach dem Studium der Psychologie, Pädagogik und Heilpädagogik leitete Guy Bodenmann von 1995 bis 2008 das Institut für Familienforschung und -beratung an der Universität Fribourg, Schweiz, und erstellte ein Training zur Pflege der Partnerschaft: www.paarlife.ch.

Seit 2008 ist er als Professor für Klinische Psychologie mit dem Schwerpunkt Kinder / Jugendliche und Paare / Familien an der Universität Zürich tätig.

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