Ein Kuss am Valentinstag Foto: dpa

Mit Kuss-Quiz - Nicht nur am Valentinstag küssen sich Verliebte gerne. Das Hochgefühl dabei kennt jeder, denn der Stresspegel wird gesenkt und der Körper mit Glückshormonen überschüttet.

Möhnesee/Lübeck - Aufwallender Puls, heiße Wangen, Herzklopfen und Kribbeln im Bauch – wer kennt solche Glücksgefühle beim Küssen nicht?

Rund 82 Prozent aller Deutschen denken laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung, Küssen sei die beste Medizin. Der Herzschlag steigt, Stoffwechsel, Sauerstoffaufnahme und Blutzirkulation werden angekurbelt, Glückshormone lassen uns Stress und Schmerzen vergessen, und das Immunsystem läuft auf Hochtouren. Wunderbar eben.

Aber Küsse sind auch ein Kulturgut. Mit entsprechend vielen Varianten. Ob Handkuss, bayerisches Bussi, französischer Wangenkuss oder ein zärtliches Nasereiben bei den Inuit. Küsse fallen – je nach Kultur – einfach anders aus.

Aber wieso küssen Menschen überhaupt? Dieses Phänomen beschäftigt die Wissenschaft schon lange. Sigmund Freud war davon überzeugt, dass Küssen ein angeborener Instinkt sei. Iwan Pawlow nahm seine geglückte Konditionierung von Hunden als Indiz dafür, dass der Kuss ein gewollter Ausdruck von Liebe wäre. Heutzutage haben sich Wissenschaftler gewissermaßen auf der Theorie-Mitte geeinigt. Danach ist Küssen ein offener Instinkt, der aber geändert werden kann.

Aber nicht überall auf der Welt wird geküsst. Zehn Prozent tun dies nicht. Schon Charles Darwin bemerkte auf seinen Reisen, dass die Einwohner von Feuerland, die Eingeborenen von Tahiti, Somalia, Australien, Neuseeland oder Papua-Neuguinea nicht küssten.

Die gute Nachricht: die Globalisierung tut ihre Wirkung. Die Kuss-Tendenz steigt.

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Für Neurologen und Sexualforscher ist klar: Küsse sind ein biologisches Hilfsmittel bei der Partnerwahl. Die amerikanische Forscherin Sarah Woodley hat herausgefunden, dass während eines Kusses der Partner unbewusst gecheckt wird. Und zwar dahin gehend, ob das andere Immunsystem das eigene ergänzt oder eben nicht. Je verschiedener die Gene, desto besser die Chancen für das Paar. Und Glück für die Nachkommen, die so immuner gegen Krankheiten sind und deshalb eine höhere Lebenserwartung haben.

Aber: Ein glücklicher Mensch ist auch ein gesunder Mensch? Dem stimmt Dr. Rainer Schubmann völlig zu. Der Kardiologe und Psychotherapeut muss es wissen. Als Chefarzt leitet er die kardiologische Abteilung der Dr.-Becker-Klinik Möhnesee mit dem Zentrum für Psychokardiologie. Er sieht zwischen seinen beiden Fachgebieten enge Verbindungen. „Emotionalität und Herz liegen dicht beieinander. Deshalb ist das Küssen – ohne Zweifel – heilsam. Und heilsame Beziehungen gehören zu den Schutzfaktoren, die jeder Mensch hat. Einsamkeit bringt um.“

Nur: Es reicht nicht, einfach jemanden zu küssen. „Küssen um des Küssens willen bringt gar nichts. Jeder hat das sicherlich schon erlebt. Analog zu dem schönen Spruch ‚Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein‘. Diese Situation ist vollkommen subjektiv. Aber nur, wenn man jemanden mag, sinkt physiologisch der innere Stresspegel“, so Schubmann.

Dieses unglaubliche Gefühl ist natürlich schon rauf und runter untersucht worden. Danach senken Küsse den Cortisolpegel. Das Hormon ist für den Stress im Körper zuständig und nimmt beim Küssen ab, entspannt und verleiht im besten Sinne Flügel. Zudem stimulieren Küsse die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen, den natürlichen Opiaten des Körpers. Wer intensiv küsst, gerät in ein Endorphin-Hoch. Gleichzeitig setzen die Nebennieren Adrenalin frei, die Bauchspeicheldrüse bildet Insulin, und das Immunsystem schickt mehr Abwehrzellen ins Blut, die unerwünschte Abbauprodukte des Stoffwechsels unschädlich machen.

Ein Phänomen, was Prof. Dr. Werner Solbach vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene von der Universität Lübeck und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), bestätigt. „Beim Küssen werden intensiv Bakterien ausgetauscht. Mehrere Tausend an der Zahl. Das macht aber nicht krank, sondern stärkt das Immunsystem. Und zwar für alle Beteiligten. Krank hingegen machen Viren. Wenn der Partner eine Erkältung hat, sollte man also eher aufs Küssen verzichten.“

Bei der Partnerwahl favorisiert der genetische Pool also eindeutig den Spruch „Gegensätze ziehen sich an“. Und selbst hier hilft die Globalisierung. „Unter mikrobiologischen Gesichtspunkten betrachtet macht das Küssen die Welt ein Stück gesünder“, sagt Solbach.

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