Alte Weggefährten unter sich: Jürgen Klinsmann (li.) und Guido Buchwald Foto: Baumann

Beim Benefiz-Fußballspiel von Jürgen Klinsmann in Geislingen bringt sich das Lager um Guido Buchwald und Thomas Berthold in Stellung. Es will Verantwortung – aber will das auch der VfB?

Geislingen - Einen solchen Auflauf hat das Stadion im Eybacher Tal seit 35 Jahren nicht erlebt. 1984 sorgte der örtliche SC Geislingen gegen den Hamburger SV für eine Pokalsensation, seitdem sind große Fußballtage des Landesligisten selten geworden. Am Sonntag war aber mal wieder Volksfest angesagt.

Jürgen Klinsmann hatte die versammelte schwäbische Fußballprominenz in die Stadt geladen, in der die VfB-Legende zuletzt 1978 aktiv war. Klinsmann, Guido Buchwald, Thomas Berthold, Maurizio Gaudino, Thomas Hitzlsperger, Gerald Asamoah, Berti Vogts, Jürgen Kramny, sie alle und viele mehr waren für Klinsmanns Kinderstiftung Agapedia am Ball und sorgten vor 3000 Fans für eine fußballerische Zeitreise in die 80er und 90er Jahre.

Und doch war die Aktualität am Spielfeldrand omnipräsent. Wie geht es weiter beim VfB Stuttgart? Diese Frage schwang rund um den Benefizkick ständig mit. Der 55-Jährige hatte seinem Herzensclub vergangene Woche ja mitgeteilt, nicht für eines der vakanten Ämter in Verein und Fußball AG zu Verfügung zu stehen. „Weil es in der derzeitigen Konstellation einfach nicht passt.“ Am Sonntag unterstrich der Weltmeister von 1990, dass er zwar einen Schlussstrich gezogen habe, aber keineswegs einen endgültigen. „Die Türen bleiben immer offen. Was in ein, zwei oder fünf Jahren ist, kann niemand sagen.“

Klare Worte von Thomas Berthold

In die aktuelle Führungsstruktur, das machte Klinsmann mit der Betonung auf „aktuelle“ deutlich, passt der Fußball-Globetrotter und streitbare Geist nicht hinein. Also in das Interims-Führungstrio des Präsidialrats, bestehend aus Hermann Ohlicher, Wilfried Porth und Bernd Gaiser. Weil Klinsmann das Gefühl hat, nicht wirklich erwünscht zu sein. Eine vom VfB zwischengeschaltete Personalberatungsagentur war ihm Indiz genug.

Bedauerlich, wie Karl Allgöwer findet. „Er bringt soviel Erfahrung und Wissen mit. Es wäre gut gewesen, hätte sich Jürgen eingebracht“, urteilte der frühere VfB-Scharfschütze am Spielfeldrand. Und gab den aktuell Handelnden gleich noch eine mit: „Es ist immer von Anforderungsprofil die Rede. Doch wie soll dieses eigentlich aussehen? Das weiß niemand. Es sind Leute in der Verantwortung, die zwei Abstiege in drei Jahren zu verantworten haben.“ Auch Thomas Berthold war nicht um klare Worte verlegen: „Beim VfB verstecken sie sich hinter Gremien, Paragrafen, Satzungen. Für mich ist das im Moment ein bisschen Provinztheater.“

Buchwald will Gräben zuschütten

Anders als Allgöwer, den es nicht in eine Funktion zum VfB zurückdrängt, hat Berthold Ambitionen. Er kann sich eine Rolle im Aufsichtsrat der Fußball AG vorstellen. „Wenn das Team stimmt“, wie er sagt. Den „Grüß-Gott-August“ für „Kaffeegespräche“ will er nicht geben, stattdessen nur in einem Gremium arbeiten, in dem Fußballkompetenz kein Fremdwort ist. Das hat er den Verantwortlichen signalisiert – ob sie seine Stimme erhören, ist eine andere Frage.

Nach dem Ende der Ära Wolfgang Dietrich stehen sich beim Verein für Bewegungsspiele im Moment zwei Lager gegenüber. Die aktuellen Vereinsbosse auf der einen Seite, das Klinsmann-Buchwald-Berthold-Lager auf der anderen. Was wohl passiert, wenn Buchwald seine Ambitionen auf das Präsidentenamt des Hauptvereins aufrechterhält? Am Sonntag wollte der Klinsmann-Intimus seinen Hut nicht offiziell in den Ring werfen. Er wolle sich das in den kommenden Tagen noch überlegen, erklärte der Ehrenspielführer.

Vieles spricht jedoch dafür, dass der nach einem Streit mit Wilfried Porth vor sieben Monaten aus dem Aufsichtsrat zurückgetretene Buchwald seine Unterlagen bis zum 15. September einreicht. Dann endet die Bewerbungsfrist.

Hinter den Kulissen geht es nicht harmonisch zu

„Momentan harmonieren die Dinge nicht. Es braucht wieder ein Wir-Gefühl“, nennt der 58-Jährige seine Beweggründe. Bislang haben in dem Unternehmer Claus Vogt und dem Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer zwei Anwärter ihre Bereitschaft erklärt. Maximal zwei Kandidaten werden vom Vereinsbeirat für die Mitgliederversammlung am 15. Dezember vorgeschlagen – Buchwald wäre der Dritte im Bunde. Was wiederum Thomas Berthold zu der Frage führt: „Warum werden nur zwei Kandidaten zugelassen? Weil die im Verein genehm sind und andere nicht?“

So spielten sich die Klinsmann-Freunde am Sonntag munter die Bälle zu. Nochmal zum Verständnis: Der Präsident des eingetragenen Vereins gehört später auch dem Aufsichtsrat der Fußball-AG an. Dem Kontrollgremium wiederum obliegt die Entscheidung, einen Vorstandsvorsitzenden der Profi-Fußballsparte zu installieren. Den Vereinsgranden ist es wichtig, den sportlich bedeutenderen Posten vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember zu besetzen, also bevor ein neuer Präsident gewählt wird.

Kandidat Klopfer wiederum plädiert für eine umgekehrte Vorgehensweise: Erst den Präsidenten wählen, dann den Vorstandschef bestimmen. Vereinsintern werden aber längst andere Kandidaten wie Alexander Wehrle vom 1. FC Köln oder Bernhard Heusler, der Ex-Präsident des FC Basel, diskutiert. Die wiederum, so die Befürchtung beim VfB, könnten unter einem bereits gewählten Präsidenten schlechtere Karten haben.

Es geht hinter den Kulissen also längst nicht so harmonisch zu wie bei Klinsmann fröhlichem Fußballfest in Geislingen. Die VfB-Legende verabschiedete sich noch am Sonntag vom Albtrauf in Richtung Nordirland zur Nationalmannschaft. Seinem Ex-Club wünschte er „Alles Gute.“

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