Chris Hermann (links) ist begeisterter Schlagzeuger und einer der 60 Porträtierten. Albert Schmider hat ihn beim Musik machen abgelichtet. Foto: Thomas Miedaner

Albert Schmider zeigt im Regierungspräsidium Porträtbilder von Menschen mit Behinderung.

Vaihingen - Ein langes Gespräch war der Einstieg für jedes einzelne der insgesamt 60 Porträtbilder, die Albert Schmider in den vergangenen zwei Jahren gemacht hat. Erstmalig fotografierte der Waldenbucher Künstler Menschen mit Behinderung und ist von der Zusammenarbeit begeistert: „Mir wurde sehr viel Lebensfreude entgegengebracht“, sagte er bei der Vernissage am Montag.

Und eine weitere neue Erfahrung hat Schmider gemacht: „Es hat niemand nein gesagt. Alle waren sofort von der Idee angetan, fotografiert zu werden“, sagt er. Bei seiner vorherigen Porträtserie, für die er 45 Erwachsene ohne Behinderung aus verschiedenen Kultur- und Berufskreisen fotografierte, hat er sich auch Absagen eingefangen. „Für mich steht im Vordergrund, den Menschen nicht bloßzustellen und möglichst authentisch abzulichten“, sagt Schmider. Und dies sei ihm bei der aktuellen Arbeit leichter gefallen als üblicherweise. „Wenn ich Porträts mache, versuchen die Menschen sich selbst immer so darzustellen, wie sie gerne sein möchten, nicht wie sie wirklich sind.“ Bei seiner Arbeit mit Menschen mit Behinderung sei das nicht so gewesen. „Sie sind authentisch und kommen auf den Porträts auch so rüber“, sagt der Künstler. Zwei Jahre hat Albert Schmider für die Reihe „Das sind wir“ fotografiert. Die Bilder zeigen die Menschen in ihrer gewohnten Umgebung, dort, wo sie selbst gerne abgelichtet werden wollten: mal am Arbeitsplatz, beim Sport oder auch in der eigenen Wohnung. Die Ausstellung war bereits am Flughafen Stuttgart, in Sindelfingen und Steinenbronn zu sehen, nun also im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart in Vaihingen. Regierungspräsident Johannes Schmalzl freute sich sehr über die Bilder in seinem Haus: „Die Ausstellung passt zum Regierungspräsidium Stuttgart, denn auch bei uns arbeiten insgesamt 223 Menschen mit schwerer Behinderung. Das sind rund zehn Prozent der Belegschaft.“ Damit belege das Regierungspräsidium einen Spitzenplatz in der baden-württembergischen Verwaltungslandschaft. Auch Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer lobte bei der Vernissage die erfolgreiche Inklusion im Regierungspräsidium, mahnte aber auch, sich nicht darauf auszuruhen. „Vor uns steht noch ein langer Weg. Vor allem ist es sehr wichtig, die Öffentlichkeit für mehr Inklusion am Arbeitsplatz zu sensibilisieren. Die Ausstellung bietet hierbei ein tolles Forum“, sagte Fezer.

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