Roswitha Blind (v.l.), Hansmartin Bruckmann, Peter Müller-Rockstroh und Alfred Marek saßen bei der SPD-Veranstaltung auf dem Podium. Foto: Engel

Aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung „Mit uns die Freiheit – 150 Jahre Geschichte der Sozialdemokratie“ diskutiert die SPD über 40 Jahre Stadtpolitik.

Vaihingen - „Was verboten ist, macht uns alle stark“, sagte Peter Müller-Rockstroh zu Beginn eines Rundgangs durch die Ausstellung in der Alten Kelter. Er bezog sich dabei auf den Zeitraum von 1878 bis 1890. Damals wurden im Rahmen der so genannten Sozialistengesetze unter Reichskanzler Otto von Bismarck alle sozialdemokratischen, sozialistischen oder kommunistischen Bestrebungen, beziehungsweise Parteien verboten. Dennoch sind nach den Worten von Rockstroh in dieser Zeit die meisten sozialdemokratischen Ortsvereine in Stuttgart gegründet worden, so 1887 auch der in Vaihingen. Abgesehen davon seien Arbeitersportvereine und politische Feste organisiert worden – trotz Verbot.

Begleitend zur Ausstellungseröffnung hat die SPD am Dienstag zu einer Diskussionsveranstaltung geladen. Der Titel: „Wir gestalten unsere Stadt – 40 Jahre sozialdemokratische Stadtpolitik in Stuttgart“. Der ehemalige Stadtplaner Uwe Stuckenbrock sprach über die Veränderungen im Städtebau. Im Blick auf das gesamte Stadtgebiet seien eigentlich nur die Topografie mit dem Stadtkessel und der Stadtgrundriss unverändert geblieben. Der Rest des Stadtbildes habe sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert. Die Gründe dafür sind laut Stuckenbrock unterschiedlich. Sie basierten auf politischen Entscheidungen, aber auch auf dem gestiegenen Wohnungsbedarf seit dem Zweiten Weltkrieg.

In Vaihingen wurde zum Beispiel vor zehn Jahren auf dem ehemaligen Schwaben-Bräu-Gelände die Schwabengalerie errichtet. Derzeit entsteht auf dessen Rückseite ein Generationenzentrum mit Seniorenwohnungen, Pflegeheim und Kindertagesstätte.

„Ich werde aufpassen, dass die Stadt menschen- und kindergerecht ist“

Stuckenbrock wies auch auf den besseren Nahverkehrsanschluss in Vaihingen durch die Stadt- und die S-Bahn hin. Aber auch viele Dinge, die man nicht so einfach sehen kann, machen nach den Worten des Referenten das Wirken der Sozialdemokraten in der Stadt aus: Seit 40 Jahren waren fast alle Baubürgermeister in Stuttgart Sozialdemokraten. Derzeit leitet mit Matthias Hahn ebenfalls ein Sozialdemokrat dieses Ressort. Stuckenbrock: „Dass die Filderquerstraße nicht gebaut worden ist, war ein diplomatisches Kunststück der SPD.“

Auch die Tatsache, dass es in Stuttgart so gut wie keine Hochhäuser gibt, sei den Bemühungen der Sozialdemokraten geschuldet: „Mit einer Standortuntersuchung aus dem Jahr 1992 hat Professor Ferdinand Stracke gezeigt, dass man keine Hochhäuser bauen muss, sondern dass es auch anders geht“, sagte Stuckenbrock.

Bei der anschließenden Diskussion kamen neben dem ehemaligen Baubürgermeister Hannsmartin Bruckmann auch das frühere Mitglied des Vaihinger Bezirksbeirates, Alfred Marek, sowie die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat, Roswitha Blind, zu Wort. Für Bruckmann waren der Bau des Heslacher Tunnels und der Ausbau des Nahverkehrs die größten Leistungen. Marek hingegen war stolz darauf, die Ortskernsanierung in Vaihingen so lange begleitet zu haben. „So etwas macht keiner alleine“, sagte Marek. Als damals dem Bebauungsplan mit nur einer Enthaltung zugestimmt wurde, sei Marek ein Stein vom Herzen gefallen.

Vor allem das Thema Nachverdichtung beschäftigte das Publikum während der Diskussion: Sigrid Beckmann, die Vorsitzende des Dachswaldvereins, erkundigte sich, wer genau die Baufreigaben erteilt. Da in den vergangenen Jahren viele ältere Besitzer von Einfamilienhäusern im Dachswald gestorben sind, wurde auf den Grundstücken mit deutlich höheren Häusern nachverdichtet. Das liegt nach den Worten von Roswitha Blind zum einen daran, dass heute niemand mehr nur so viel baut, wie er tatsächlich an Platz braucht, zum anderen ließe das Baurecht in solchen Fällen leider sehr viel zu. Die Pläne von Blind sorgten hingegen für Applaus: „Ich werde aufpassen, dass die Stadt menschen- und kindergerecht ist“, versprach die Gemeinderätin.

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