Die Warmbadetage im Winter haben Tradition. Foto: Julia Barnerßoi

Der Verein wird im Juni 40. In der Vergangenheit stand er oft vor Herausforderungen.

Stuttgart-Vaihingen - Um den Namen „Abi“ rankt sich ein Mythos. Viele glauben, dass die Abkürzung nicht einfach nur für „Abenteuerspielplatz“, sondern für „Abenteuerspielplatz Bürgerinitiative Vaihingen“ steht. Uli Matschkal ist einer von ihnen. „Es passt zum Zeitgeist der 70er-Jahre. Damals kam man zusammen, um mit eigener Hände Arbeit etwas auf die Beine zu stellen“, sagt der hauptamtliche Mitarbeiter des Abenteuerspielplatzes.

Der Verein wurde 1973 – vor 40 Jahren – gegründet. Am 8. Juni wollen die rund 260 Mitglieder und das Team den runden Geburtstag feiern. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Doch das Arbeiten ist man auf dem Abi gewohnt.

Kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen

So hatten Mütter und Väter 1973 den von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellten Platz entrümpelt, umzäunt und mit Spielgeräten ausgestattet. Zwei Jahre lang hatten die Arbeiten gedauert. Erst am 14. Juni 1974 wurde das Gelände offiziell eröffnet. „Wir wollen allen Kindern die Möglichkeit geben, schöpferisch zu spielen“, wird ein Elternteil in der Stuttgarter Zeitung vom 16. Juni 1975 zitiert.

Nicht immer war es leicht, den Verein und den Platz am Leben zu erhalten. So fielen einem Brand im Januar 1981 ein Großteil der Gebäude und der Spielgeräte auf dem Abi zum Opfer. Vermutlich war es Brandstiftung. Aufgeklärt wurde der Fall aber nie. Doch das Feuer war für den damaligen Vereinsvorsitzenden Hans Günther Walter kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Er ließ sich in der Filder-Zeitung vom 17. Januar 1981 mit den Worten zitieren: „Im späten Frühjahr können wir wieder mit vollem Programm arbeiten!“

„Der damalige Neuanfang ist auch ein Glücksfall“

Zehn Jahre später stand der Verein vor einer neuen Herausforderung. Denn in den 90er-Jahren wurde auf dem Gelände, wo sich der Platz ursprünglich mal befand, der Stuttgarter Engineering Park (Step) gebaut. Der Abi musste weichen. Erst nach einigem Hin und Her stellte die Stadt dem Verein das Grundstück in unmittelbarer Nähe der damals neu gebauten S-Bahnhaltestelle Österfeld zur Verfügung. Im Jahr 1992 ist der gesamte Platz umgezogen. Ganze Gebäude wurden ab- und an neuer Stelle wieder aufgebaut“, sagt Matschkal.

Aus seiner Sicht ist der damalige Neuanfang auch ein Glücksfall. Denn das Gelände in der Lüsse sei ein Juwel. „Für die Kinder ist es gut erreichbar, wir befinden uns in einer Frischluftschneise und es gibt hier viel Natur“, sagt der ausgebildete Erzieher. Nur eine Sorge haben er und seine Mitstreiter: „Wir sind nicht ganz sicher, ob das Areal nicht doch noch irgendwann Bauland wird“, sagt Uli Matschkal. Im Moment deute jedoch nichts darauf hin.

Immer weniger Muße, um in der Natur zu spielen

Derzeit sind auf dem Abi drei hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt, die sich zwei 100-Prozent-Stellen teilen. Hinzu kommen zwei FSJler und eine BA-Studentin. Doch ohne die Unterstützung der Eltern und Jugendlichen gehe nichts, betont Matschkal. Denn auf dem Abi werde viel in Eigenregie erstellt. Das nächste Projekt ist der Bau einer neuen Tonwerkstatt.

Doch nicht nur die Gebäude müssen ab und an modernisiert werden, sondern auch das Konzept. Denn Jugendliche verbringen heutzutage mehr Zeit denn je vor dem Computer oder dem Fernseher. Hinzu kommt der Ausbau der Schulen zu Ganztagsschulen. Vor diesem Hintergrund haben die Mädchen und Jungen immer weniger Muße, um in der Natur zu spielen, Hütten aus Holz zu bauen, zu basteln oder die Ställe auszumisten. Genau das sind jedoch die Schwerpunkte auf dem Abi.

Das Team hat darauf unter anderem mit verbindlichen Ferienangeboten und mit Schulkooperationen reagiert. Doch für Matschkal steht eins fest: „Wir wollen eine offene Einrichtung bleiben. Das freie Spiel darf nicht zu kurz kommen.“

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