Uwe Hück (links) und SPD-Landeschef Andreas Stoch (sitzend) müssen gleich für einige Erinnerungsfotos herhalten. Foto: factum/Weise

Der bisherige Betriebsratsvorsitzende von Porsche, Uwe Hück, kandidiert nun doch für die SPD bei den Gemeinderatswahlen – die Mitglieder der Partei haben ihn am Samstag ohne großen Groll auf Platz eins gewählt.

Pforzheim - Spitzenkandidat der SPD – das ist vor Kurzem noch undenkbar gewesen: Uwe Hück (56) war nach seinem Rücktritt bei Porsche am vergangenen Montag fest entschlossen gewesen, mit einer eigenen Liste bei der Kommunalwahl in seiner gefühlten Heimatstadt Pforzheim anzutreten. Die SPD habe die Sprache der Arbeiter verlernt, maulte Hück; und die Genossen seien dabei, ihr Erbe zu verspielen. Und nun das: Weitgehend ohne Murren wurde Hück am Samstag bei der Mitgliederversammlung auf Platz eins der Kandidatenliste gewählt, und zwar mit 41 von 47 Stimmen. Ein denkwürdiges Ergebnis, wenn man sieht, dass selbst langjährige Parteimitglieder auf den weiteren Plätzen weniger Stimmen als Hück bekamen.

Es war für die Pforzheimer Genossen eine turbulente Woche gewesen, das gibt die junge Kreisvorsitzende Annkathrin Wulff (Platz zwei, 43 Stimmen) unumwunden zu. Die Kandidatenliste war ja fertig gewesen, und nicht allen schmeckte es, dass da jemand zuerst die SPD abwatschte und dann wie selbstverständlich die Führungsposition beanspruchte. „Aber die meisten sehen die prominente Kandidatur als Chance“, sagt der Kreisvize Christoph Mährlein: „Denn wenn wir bei der Kommunalwahl mehr Aufmerksamkeit und mehr Stimmen bekommen, können wir unsere Politik besser durchsetzen.“

Er habe niemanden in der SPD verletzen wollen, sagt Hück

Zunächst hatte der Landesvorsitzende Andreas Stoch vergangene Woche mehrere Extraschichten einlegen müssen, um Uwe Hück von seiner Idee einer eigenen Liste abzubringen. „Fürs Wochenende ist ein Sturmtief namens Uwe angekündigt“, sagte Stoch in Pforzheim: „So fühlten wir uns auch, als Uwe Hück am Montag seine Absichten präsentiert hatte.“ Im Gespräch sei aber beiden schnell klar gewesen, dass es eine sozialdemokratische Idee über den persönlichen Ambitionen gebe. Auch Stoch kam persönlich nach Pforzheim – man weiß ja nie, welche Dynamik solche Mitgliederversammlungen entfalten. Geholfen hatte auch, dass die Pforzheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast den früheren SPD-Chef Sigmar Gabriel einschaltete, der Hück ins Gewissen redete.

Also ruderte Hück, seit 1982 Mitglied der SPD, zurück; und in Pforzheim rollte man ihm dafür den roten Teppich aus. Womöglich hat man ihm zudem angeboten, bei der Landtagswahl 2021 auf die SPD-Liste zu kommen, denn aus seinen höheren Ambitionen hat er nie einen Hehl gemacht. „Ich habe nicht daran gedacht, dass ich euch verletzen könnte“, entschuldigte sich Hück jetzt indirekt bei den Genossen: „Aber ich bin halt ein Boxer. Wenn der Gong ertönt, geht’s los und ich denke an nichts mehr.“ Einigen wenigen war das nicht genug Kreide, die Hück hätte schlucken müssen. Ein Mitglied stellte den Antrag, dass eine Frau auf den ersten Platz gehöre – das sei sich die SPD im Jubiläumsjahr des Frauenwahlrechts schuldig. Doch über den Antrag auf eine Veränderung der Liste wurde nicht abgestimmt – das wäre nur möglich gewesen, wenn eine Frau auch für den ersten Platz kandidiert hätte. Die Kreisvorsitzende Annkathrin Wulff lehnte das ab. So verpuffte dieser kurze Widerstand. Zuletzt gab es nur drei Nein-Stimmen für Hück. Tatsächlich sehen auch viele einfache Mitglieder vor allem die Vorteile. Hück sei authentisch und spreche die Sprache der einfachen Leute, sagt ein SPD-Mitglied: Er könne verlorene Wähler zurückgewinnen, vielleicht sogar im AfD-Milieu, das in Pforzheim groß ist. Auch ein anderer Genosse ist überzeugt, dass Uwe Hück frischen Wind bringe. Christoph Mährlein verteidigte den ersten Platz für Hück so: „Wenn die Rolling Stones kommen, ist auch Mick Jagger der Frontman. Das braucht man nicht gut finden, aber es ist halt so.“

Sein Hauptziel in Pforzheim sei es, Jugendlichen zu helfen

Der so Gelobte gab sich in seiner Rede ungewöhnlich leise, ja demütig. Er sei in einem Alter, in dem er kein Amt mehr brauche für sein Ego – ihm gehe es wirklich um die Sache. Er erinnerte daran, dass er als Heimkind selbst ein junger zorniger Mann gewesen sei; von dieser Sorte treffe er derzeit sehr viele auf der Straße: „Aber wenn die Jugend unzufrieden ist, dann gibt es soziale Unruhe – und das hat bisher immer nur den Rechten geholfen.“ Er wolle sich in Pforzheim für die Jugend einsetzen, jetzt schon mit seiner Lernstiftung, künftig auch als Politiker: „Dafür mache ich bei der SPD auch die Kehrwoche, wenn es sein muss.“

Konkret will Hück in Pforzheim darum kämpfen, dass keine Bäder geschlossen werden, dass die Schulen saniert werden und dass Jugendliche eine Perspektive bekommen. Er gab aber auch offen zu, dass er mit seiner Impulsivität sicher unbequem bleiben werde. Das wahre Sturmtief Uwe dürfte also erst nach der Kommunalwahl am 26. Mai über Pforzheim kommen. Wobei: Zunächst einmal müssen ihn die Bürger wählen – Listenplatz eins hin oder her. Die Herzen der Genossen hat er schon gewonnen. Uwe Hück musste gleich für einige Promi-Selfies herhalten.

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