Boxkämpfer und Betriebsrat: Uwe Hück bei seinem Vortrag in Waiblingen Foto: Stoppel

Die Kaufmännische Schule Waiblingen feiert ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Schülerjubiläumstag und einem Vortrag von Uwe Hück. Der Porsche-Betriebsratsvorsitzende plädiert für Werte.

Waiblingen - Wenn’s dich da oben geben sollte, dann mach mich groß und stark, dann kümmere ich mich um andere“ – diesen Schwur habe er als achtjähriger Bub im Waisenhaus getan, erzählt Uwe Hück den Schülern der Kaufmännischen Schule in Waiblingen. Sie sitzen an diesem Montagmorgen dicht an dicht auf dem Boden der Turnhalle und hören dem Mann zu, der sich als „der moderne Robin Hood“ bezeichnet und sagt, er habe „einen Scheißstart“ ins Leben gehabt.

Rund 46 Jahre nach seinem Deal mit dem lieben Gott steht Uwe Hück also beim Schülerjubiläumstag anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Schule vor der versammelten Schüler- und Lehrerschar und hält einen Motivationsvortrag. Ohne Honorar, wie der Schulleiter Ulrich Lenk betont, und ein „lebendes Beispiel“ dafür, „dass man aus einfachsten Verhältnissen und widrigsten Lebensverhältnissen Erfolg haben und richtig toll Karriere machen kann“.

Boxkämpfer und Betriebsratsvorsitzender

Groß und stark – das hat im wortwörtlichen und im übertragenen Sinne geklappt: Hück ist zweifacher Europameister im Thai-Boxen und hat als Gesamtbetriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Porsche einiges zu sagen. Dabei habe man ihn, der sich als Lackierer beworben hatte, zunächst als nicht geeignet abgelehnt, erzählt er. Er hat sich beschwert – und doch eine Chance bekommen.

Das Leben, sagt Hück, sei wie ein Fußballspiel: „So lange du spielst, kannst du Tore schießen. Bleibst du in der Kabine, geht das nicht.“ Also motiviert er seine Zuhörer zum Mitmischen, sagt ihnen: „Seid erfolgreich, aber gebt der Gesellschaft auch etwas zurück.“ Dafür bekommt er kräftigen Applaus. Hück hat seinen Vorsatz, anderen zu helfen, nicht vergessen: Er hat eine Lernstiftung gegründet, die sich um benachteiligte junge Menschen kümmert. Bildung, sagt der 54-Jährige, sei „die schärfste Waffe gegen Terrorismus“.

Bildung als schärfste Waffe gegen Terrorismus

Dann kommt der Betriebsratsvorsitzende auf die Flüchtlingsthematik zu sprechen. Seine Frau sei aus Vietnam geflohen, zwei seiner drei Kinder sind Adoptivkinder mit vietnamesischen Wurzeln. Hück warnt vor „der braunen Soße“ und ermahnt die Jugendlichen: „Ihr müsst euch dagegen wehren und nicht wegschauen.“ Er fordert Courage ein, betont, Frieden in Europa sei das höchste Gut, und ermuntert seine Zuhörer zu einem respektvollen Umgang mit und Wertschätzung für die Mitmenschen.

Letztere sollte auch die Jugend erfahren, findet er. Dass viele junge Arbeitnehmer nur befristete Verträge erhielten, sei unanständig, sagt Hück. Und dennoch: „Ihr habt ein geiles Leben, macht das Beste draus.“ Donnernder Applaus.

„Das war eine der besten Gemeinschafts- und Lebenskundestunden, die wir je hatten – Motivation vom Feinsten“, findet der Schulleiter Ulrich Lenk.

Das Festprogramm der Kaufmännischen Schule

Biografie
Uwe Hück ist der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche AG. Als Vollwaise in einem Kinderheim aufgewachsen, hatte er keinen leichten Start ins Leben. Er machte eine Ausbildung zum Malerund Lackierer, wurde zwei Mal Europameister im Thaiboxen und heuerte Mitte der 1980er-Jahre bei Porsche an. Dort wurde er 1990 Mitglied des Betriebsrats und arbeitete sich hoch.

Ehrenamt
Hück engagiert sich in einem integrativen Sportverein und hat eine Lernstiftung gegründet, deren Ziel es ist, benachteiligte und sozial schwache Jugendliche zu unterstützen, insbesondere durch Lern-, Ausbildungs- und Integrationsprojekte.

Jubiläumsfeiern
Ihr 50-jähriges Bestehen feiert die Kaufmännische Schule Waiblingen, die rund 1600 Jugendliche besuchen, mit mehreren Veranstaltungen. Neben dem Schülerjubiläumstag am Montag gibt es am Freitag, 15. Juli, einen Festakt mit einem Vortrag zum Thema „Wie geht es weiter mit unseren Kaufmännischen Schule?“ Referentin ist Veronika Nölle vom Kultusministerium. Am Samstag, 16. Juli, schließt sich ein Tag der offenen Tür an. Zwischen 11 und 17 Uhr gibt es Theateraufführungen, einen Autosalon, kulinarische Angebote und die Chance für Abiturienten, sich bei diversen Ehemaligen-Treffen auszutauschen.

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