Uta fährt 1970 mit den Freunden ihrer besten Freundin Doris in den Skiurlaub. Unter ihnen ist auch Reinhard. Der findet Uta sofort toll, sie hingegen ist zurückhaltend – das hat mit Doris zu tun.
Schon als er Uta das erste Mal sieht, weiß Reinhard: Die ist es. Sie aber blockt seine Annäherungsversuche ab – aus einem bestimmten Grund. So beginnt ihre Kennenlerngeschichte, und beide wollen sie erzählen, allerdings sei sie nicht mehr so fit im Kopf, sagt Uta fast entschuldigend. Die 81-Jährige hat beginnende Demenz. „Ich liebe sie trotzdem“, sagt Reinhard, 83, der nur Reiner genannt wird, und blickt dabei liebevoll zu seiner Frau.
März 1970. Uta ist mit Freunden ihrer besten Freundin Doris auf dem Weg nach Sent im Schweizer Kanton Graubünden zum Skifahren. Sie kennt aus der Gruppe nur Doris. Beide haben in Schwäbisch Gmünd Grund- und Hauptschullehramt studiert.
Weil die Freundinnen schon lange einen gemeinsamen Urlaub machen wollen, sitzt die damals 29-jährige Uta an diesem kalten, aber sonnigen Tag im März auf der Rückbank eines blauen VW-Käfers. Der Fahrer: Reiner aus Stuttgart, 30 Jahre alt, Lehrer an einer kaufmännischen Schule und ein Freund von Doris. Die junge Frau hat es ihm sofort angetan. Immer wieder schaut er über den Rückspiegel nach hinten zu ihr.
Als sie in Kaufbeuren halten und Geld wechseln, beschließt Reiner: Er wird diese Frau heiraten – auch, wenn das heute bescheuert klinge, wie er sagt. Aber jemanden wie Uta hat er gesucht: zurückhaltend, bescheiden, niemanden, der viel rede oder besonders fordernd sei. „Außerdem ist sie ein sehr sozialer Mensch, hilfsbereit und lieb. “
Uta ist zurückhaltend – damals wie heute
Noch heute ist Uta zurückhaltend. Wenn ihr Mann erzählt, hört sie ruhig zu. Das ist ihre Art. Damals im Skiurlaub ist sie allerdings verhalten, weil sie weiß: Doris hat ein Auge auf Reiner geworfen. In die Quere kommen will sie ihrer besten Freundin nicht. Reiner tut alles, um mit Uta alleine zu sein. Nicht einfach in der Gruppe, zu zweit sind sie höchstens mal im Skilift. Das hat Reiner dann eingefädelt.
Nach zwei Wochen Skiurlaub merkt Uta, dass sie sich mit Reiner mehr vorstellen kann. Von da an fährt sie jedes Wochenende zweieinhalb Stunden von Tuttlingen nach Stuttgart – zu ihm. Doris ist verletzt, es dauert, bis Uta und sie wieder Kontakt haben.
In den nächsten Sommerferien fährt das Paar viereinhalb Wochen in Reiners VW-Käfer samt Zelt durch die Türkei – alles klappt zwischen beiden. Länder wie China, Bali oder die USA folgen. Insgesamt bereisen Uta und Reiner zusammen 45 Länder.
1971 heiraten sie, zwei Jahre später wird ihre Tochter, fünf Jahre später ihr Sohn geboren. 1980 ziehen sie für zweieinhalb Jahre nach Lesotho im südlichen Afrika. Reiner unterstützt dort als Lehrer ein Entwicklungshilfeprojekt. Uta geht mit, ohne zu zögern. „Meine Frau ist nicht sehr initiativ, aber sie hat alles mitgetragen“, sagt er. Dafür sei er sehr dankbar. Für Uta ist das selbstverständlich. Auch als Reiners Eltern krank werden, lässt sie sich beurlauben, um zu helfen.
Utas Krankheit stehen beide zusammen durch
Heute nach 52 Ehejahren glaubt Reiner, er hätte Uta mehr ermuntern sollen, Dinge eigenständig zu machen. Obwohl er alles für sie gerne getan habe – und noch heute tue. Beispiel: sie an all das Positive in ihrem Leben erinnern. Vor allem, wenn es Uta wegen ihrer Demenz schwerfällt, das zu sehen.„Die Krankheit ist hart“, gibt Reiner zu. „Aber wir stehen zusammen.“
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