Das beschädigte US-Kriegsschiff im Hafen von Singapur.Die USS Foto: AP

Die Untersuchung eines Zusammenstoßes im Juni ist noch nicht beendet, da geschieht bereits der nächste. Erneut wird ein US-Kriegsschiff bei einer Kollision in asien schwer beschädigt. Die Untersuchungen laufen, und im Internet blühen die Verschwörungstheorien.

Singapur - Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit ist ein Schiff der US-Marine in einen Unfall verstrickt worden, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. In den Gewässern östlich von Singapur ist am Montag das US-Kriegsschiff USS John S. McCain mit einem Handelsschiff zusammengestoßen. Nach Angaben der US-Marine wurden fünf Seeleute dabei verletzt, ein knappes Dutzend wird vermisst.

Wie es zu dem Vorfall kommen konnte, ist noch unklar. Offenbar wurde der Zerstörer an der hinteren Backbordseite von dem 183 Meter langen Öl- und Chemikalientanker gerammt und erlitt erhebliche Schäden. Das Handelsschiff Alnic MC ist unter liberianischer Flagge unterwegs. Es hatte nach Angaben von Besatzungsmitgliedern Öl geladen. Dieses soll nicht ausgelaufen sein.

Unfall mit Containerschiff vor Japan

Erst vor zwei Monaten war das Kriegsschiff USS Fitzgerald vor Japan mit einem ­Containerschiff zusammengestoßen. Damals kamen sieben US-Seeleute ums Leben. Der Zerstörer wurde an der Steuerbordseite so schwer beschädigt, dass er nach amerikanischen Angaben beinahe gesunken wäre. Das fast viermal größere und voll beladene Containerschiff, das unter philippinischer Flagge fuhr, wurde hingegen nur leicht beschädigt. Die Rekonstruktion dieses Unfalls, der am 17. Juni geschah, ist noch immer nicht vollständig abgeschlossen. Erst vor vier Tagen hat die US Navy erste Konsequenzen gezogen und mehrere Führungsoffiziere der USS Fitzgerald ihres Postens enthoben. Die Führungscrew habe „schwerwiegende Fehler“ begangen.

Während die Untersuchungen des aktuellen Zwischenfalls noch ganz am Anfang stehen, haben Militärexperten die vorliegenden Daten des Unfalls vom Juni ausgewertet. Sie glauben, dass die Brücke des Containerschiffs zum Zeitpunkt des Unglücks unbesetzt gewesen sei und das Schiff vom Autopiloten gesteuert wurde. Dies sollen unter anderem Radarbilder belegen, die zeigen, dass das Containerschiff 15 Minuten nach der Kollision wieder auf den ursprünglichen Kurs schwenkte und weiterfuhr. Wäre ein Mensch auf der Brücke gestanden, dann hätte der anders reagiert, so die Experten.

Rätselraten auch über den Zeitpunkt der Kollision

Völlig unklar bleibt hingegen, warum das mit Technik vollgestopfte US-Kriegsschiff dem Zusammenstoß nicht ausgewichen ist. Auch über den genauen Zeitpunkt des Zusammenstoßes herrscht zwei Monate nach dem Unglück Unklarheit. Experten glauben, dass die Schiffe morgens um 1.30 Uhr kollidierten. Der Notruf wurde allerdings erst eine Stunde später abgesetzt. Warum es zu dieser Zeitverzögerung kam, ist unklar.

Das Team auf der Brücke der USS Fitzgerald habe es in der entscheidenden Situation an Aufmerksamkeit vermissen lassen, heißt es nun in einer Untersuchung. Daher seien die drei Offiziere, darunter der Kapitän, ihres Dienstes enthoben worden. Mindestens zwei weitere Untersuchungsteams der US Navy sind derzeit noch damit beschäftigt, die Umstände und Einzelheiten des Falls zu überprüfen.

Die amerikanischen Untersuchungsberichte beschäftigen sich ausführlich mit der Frage, was nach dem Zusammenstoß der Schiffe geschah, wie es zum Wassereinbruch in das Kriegsschiff kam und ob bei der Rettungsaktion Fehler gemacht wurden. Schlafkabinen der Mannschaft waren nach 90 Sekunden mit Wasser geflutet. Die Frage, weswegen es zu dem Zusammenstoß kam, wird deutlich weniger ausgeleuchtet. Das ruft im Internet Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Der Autopilot des Containerschiffs könne von Hackern manipuliert worden sein, um die Fitzgerald bewusst zu rammen, lautet eine Theorie. Ob auch das Handelsschiff, das am Montag mit der USS John S. McCain zusammenstieß, per Autopilot gesteuert wurde, ist noch nicht klar.

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