Die USS Gerald R. Ford muss auf Kreta repariert werden. Foto: AFP

Haben die USA ihre Kräfte überdehnt? Ihr teuerstes Schiff ist seit Juni ununterbrochen im Einsatz – die Besatzung soll unzufrieden sein.

Der neueste und größte US-Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ muss seinen Einsatz im Iran-Krieg nach einem Brand abbrechen und zur Reparatur nach Kreta zurückkehren. Was zunächst als „kleines Feuer“ in der Wäscherei gemeldet wurde, entpuppte sich als schwerwiegender Vorfall, der das 13-Milliarden-Dollar-Prestigeschiff für längere Zeit außer Gefecht setzen könnte - fernab der umkämpften Straße von Hormus.

 

Laut Berichten der New York Times brannte das Feuer über 30 Stunden lang. Die Flammen breiteten sich über das Lüftungssystem im Schiff aus und zerstörten die Unterkünfte und Messen von etwa 600 der insgesamt 4.500 Besatzungsmitglieder. Hunderte Seeleute müssen nun auf Tischen oder dem Boden schlafen, da ihre Schlafplätze unbrauchbar sind. Bei dem Brand wurden zwei Matrosen verletzt, Dutzende weitere erlitten Rauchvergiftungen.

Souda-Bucht vor Kreta. Foto: AFP

USS Gerald R. Ford zur Reparatur in Kreta-Basis

Der Flugzeugträger, der erst 2017 während Trumps erster Amtszeit in Dienst gestellt wurde, soll nun die NATO-Basis Souda Bay auf der griechischen Insel Kreta anlaufen. Dort will die US-Navy nicht nur die zerstörten Unterkünfte reparieren, sondern auch die genaue Brandursache untersuchen. Gerüchten zufolge steht auch Sabotage durch frustrierte Besatzungsmitglieder im Raum.

Doch das Feuer ist nicht das einzige Problem des Superschiffs. Seit Monaten kämpft die „Gerald Ford“ mit massiven technischen Schwierigkeiten, besonders beim Toilettensystem. Nach Recherchen des amerikanischen Rundfunkverbunds NPR waren zeitweise bis zu 80 Prozent der Toiletten an Bord ausgefallen. Ein für die „Ford“-Klasse neu entwickeltes Vakuum-Abwassersystem mit dünnen Leitungen erweist sich als extrem störanfällig.

Tote US-Soldaten werden in die Heimat überführt. Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Sabotage mit T-Shirts und Klopapier in Toilettenspülung?

Interne Marinedokumente, die durch Informationsfreiheitsanfragen öffentlich wurden, zeichnen ein alarmierendes Bild: „An jedem Tag, an dem die ganze Besatzung an Bord war, wurde ein Einsatzruf für das Schiffspersonal ausgelöst, um einen Teil des Toilettensystems zu reparieren oder zu entstopfen – seit Juni 2023.“ Innerhalb von nur vier Tagen sei das System mehr als 200-mal gestört gewesen. Servicetechniker arbeiteten teilweise 19 Stunden am Tag, um die über 600 Toiletten an Bord in Betrieb zu halten.

Besonders beunruhigend: In internen Berichten ist von Verstopfungen mit T-Shirts, ganzen Toilettenpapierrollen und sogar meterlangen Seilstücken die Rede – ein Hinweis darauf, dass die Toiletten möglicherweise absichtlich sabotiert wurden. „Unser Abwassersystem wird von Seeleuten täglich misshandelt und zerstört“, heißt es in einem Navy-Bericht.

Letzte Ehre mit Trump-Käppi. Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Längster Einsatz seit Vietnam-Krieg

Die Moral an Bord soll extrem angeschlagen sein. Der Einsatz des Schiffes dauert bereits seit Juni 2025 – deutlich länger als die üblichen sechs Monate und laut Medienberichten seit dem Vietnam-Krieg nicht mehr überboten. Die Besatzungsmitglieder verpassen Familienfeiern, Beerdigungen und die Geburten ihrer Kinder, können todkranke Familienmitglieder nicht besuchen und haben seit über einem halben Jahr keinen Kontakt zu ihren Angehörigen.

Unter Einsatzbedingungen herrscht Funkstille, auch Videoanrufe in die Heimat sollen laut Medien nicht erlaubt sein. Zu den wenigen Abwechslungen der langen Reise gehörte ein Zwischenstopp auf Mallorca im Oktober 2025. Später war die USS Gerald R. Ford dann vor Venezuela im Einsatz.

USS George H.W. Bush auf dem Weg ins Mittelmeer

Der Ausfall der „Ford“ reißt eine empfindliche Lücke in die US-Militärpräsenz im Nahen Osten. Als Ersatz wurde der Flugzeugträger „USS George H. W. Bush“ von der Ostküste der USA in Marsch gesetzt, der jedoch mindestens zwei Wochen für den Transfer bis ins Rote Meer benötigen wird. Bis dahin steht dem für den Nahen Osten zuständigen Regionalkommando der USA nur noch ein Flugzeugträger zur Unterstützung von Militäroperationen gegen den Iran zur Verfügung.

Der Vorfall wirft grundlegende Fragen zur Belastbarkeit der globalen Einsatzstrategie der USA auf. Wenn schon ein Feuer in der Wäscherei ausreicht, um eines der wichtigsten militärischen Instrumente zeitweise außer Gefecht zu setzen, wie stabil ist dann die gesamte Militärpräsenz in einer kritischen Region wie dem Nahen Osten?