Uschi Glas möchte so lange arbeiten wie sie nur kann. Foto: dpa

Eine von Hannelore Elsners letzten Filmarbeiten läuft in der ARD: „Club der einsamen Herzen“. Uschi Glas stand zusammen mit Elsner vor der Kamera. Im Interview spricht sie über diese Wochen, über den Dreh einer „Traumschiff“-Folge und die „Fridays for Future“-Bewegung.

München - Erst kürzlich feierte sie ihren 75. Geburtstag, jetzt ist Uschi Glas in der Seniorenkomödie „Club der einsamen Herzen“ (ARD, 8. Juni 2019, 20.15 Uhr) gemeinsam mit Hannelore Elsner zu sehen. Die Figur der Ex-Schlagersängerin Kiki ist eine der letzten Rollen der deutschen Filmdiva Elsner, die im April mit 76 Jahren einem Krebsleiden erlegen ist.

Frau Glas, in „Club der einsamen Herzen“ sind Sie gemeinsam mit Jutta Speidel an der Seite von Hannelore Elsner zu sehen. Es ist einer ihrer letzten Filme …

Es geht um drei frühere Freundinnen, die sich aus den Augen verloren haben, aber dann wieder zusammenfinden. Als die Regisseurin und Autorin Christine Hartmann mich fragte, ob ich Lust hätte, mit Hannelore zu drehen, fand ich das wahnsinnig toll, denn ich hatte seit Jahrzehnten nicht mehr mit ihr gearbeitet.

Sie sagen nicht Frau Elsner, sondern Hannelore. Standen Sie sich sehr nahe?

Ja, die Hannelore und ich haben vor 50 Jahren bei den „Lümmelfilmen“ zusammen gedreht. Seitdem haben wir zwar nicht mehr miteinander vor der Kamera gestanden, aber wir haben uns oft gesehen. Als sie noch in München gelebt hat, haben wir uns regelmäßig getroffen. Ich hatte damals eine Art Jour fixe, da habe ich Kolleginnen eingeladen, und die Hannelore war auch immer dabei. Als sie nach Frankfurt gezogen ist, haben wir uns dort gesehen. Ich habe sie immer als eine herausragende und tolle Frau mit einem guten Humor erlebt. Sie hatte so ein entzückendes Lachen und war so offen, ein richtiges Lausemädel. Ein lebendiger, gescheiter und inspirierender Mensch – es ist so traurig, dass sie nicht mehr da ist.

Wussten Sie von Ihrer Krankheit?

Nein, ich habe genauso wenig davon geahnt wie alle anderen. Ich bin total erschüttert gewesen, als ich von ihrem Tod erfahren habe.

Hat man denn bei den Dreharbeiten nichts davon gemerkt?

Nein, gar nichts. Ich habe in einer Illustrierten gelesen, dass sie das so wollte. So eine tapfere Frau. Ich bin mir sicher, dass sie das richtig gemacht hat. Welches Recht hat denn die Öffentlichkeit oder irgendjemand, an deinem Schicksal teilzunehmen? Und was hat man davon, wenn man jemandem seinen Kummer erzählt? Dann schauen einen alle mit traurigen Augen an. Vielleicht hatte sie auch Angst, dass es heißt: Wenn sie so krank ist, engagieren wir sie lieber nicht.

Sie galt ja als eine Diva. Wie war Frau Elsner als Kollegin?

Eine Diva war sie auf gar keinen Fall, sondern eine Grande Dame. Sie war eine unglaublich engagierte, tolle Kollegin. Wir haben bei den Dreharbeiten darüber geredet, dass wir jetzt hoffentlich wieder öfter miteinander drehen können. Wir hätten zum Beispiel zwei verrückte Schwestern spielen können, wir stammen ja beide aus Niederbayern. Aber jetzt ist es anders gekommen.

Die große Zeit der Freundinnen in dem Film war die 68er-Ära. Sie selber wurden mit dem Film „Zur Sache, Schätzchen“ zu einem Aushängeschild dieser Epoche …

Das war damals eine wilde Zeit. Die 68er hatten eine Wut, weil die Generation davor, unsere Eltern, Lehrer und Großeltern, die Nazizeit nicht mit uns aufarbeiten wollte. Wie konnte es sein, dass so viele Leute ermordet wurden, und niemand hat etwas davon gewusst? Die ganze Zeit war sehr extrem, damals gab es ja auch noch richtige Gegensätze in Musik und Mode. Für meinen Vater war eine Bluejeans noch das Allerletzte. Heute tragen wir alle die gleichen Jeans und hören die gleiche Musik – ich weiß gar nicht, wie die Kinder opponieren können. Aber ich hüte mich davor, zu sagen: Damals war alles besser und wir waren wilder.

Wie finden Sie es, dass viele Schüler sich heute wieder politisch engagieren und bei den „Fridays for Future“-Demos auf die Straße gehen?

Ich finde es toll, dass junge Menschen sich engagieren, dass sie auch wählen gehen und nicht sagen, ihnen sei alles wurscht. Politisch zu werden, sich eine Meinung zu bilden, ist eine wichtige Sache. Ob die Schüler aber wirklich zur Unterrichtszeit demonstrieren müssen, darüber kann man sicherlich diskutieren.

In dem Film geht es darum, wie man glücklich älter wird. Was ist Ihr Rezept dafür?

Mein Rezept ist, dass man aktiv bleibt. Man muss sein eigenes Leben mit einer Aufgabe interessant gestalten. Meine größte Aufgabe neben meinem Beruf ist der Verein Brotzeit, wo wir Kinder mit dem täglichen Frühstück versorgen. Das macht viel Arbeit, aber auch viel Freude. Ich finde die Vorstellung furchtbar, nichts zu tun zu haben und mein Gehirn nicht gebrauchen zu müssen. Wenn mich jemand fragt, ob ich immer noch arbeiten möchte, sage ich: „Aber selbstverständlich!“ Ich möchte so lange arbeiten, wie ich kann.

Jetzt waren Sie gerade auf dem „Traumschiff“. Es ist erst Ihr zweiter Auftritt in der Reihe nach 1986. Was hat Sie an Bord gelockt?

Ich habe schon andere „Traumschiffe“ angeboten bekommen, aber da hat mir die Story nicht gefallen. Es ist was Schönes, wenn man auch Rollen ablehnen kann und nicht auf Biegen und Brechen drehen muss, obwohl es einem nicht gefällt. Diesmal hat mir die Story gefallen, aber leider darf ich über die Rolle nichts verraten. Joko Winterscheidt war auch an Bord. Ein ganz netter Kollege, sehr höflich, ich war positiv überrascht. Es war richtig nett, den kennenzulernen.

Es ist die Jungfernfahrt von Florian Silbereisen als Kapitän …

Den Florian kenne ich natürlich, er ist aus Passau, ich aus Landau. Ich mag den Florian Silbereisen sehr, er ist ein ganz natürlicher, unkomplizierter junger Mann, der sein Ding macht. Er ist einfach ein Profi und auch easy-going, ich kann nur das Beste von ihm sagen. Ich glaube, er wird auf jeden Fall ein guter Kapitän werden.

Was sagen Sie dazu, dass es im Vorfeld so viel Kritik daran gab, dass er die Rolle als „Traumschiff“-Kapitän bekommen hat?

Ich finde solche Vorurteile blödsinnig. Man muss ihn doch erst mal machen lassen. Man kann jemandem nicht im Voraus unterstellen, dass er etwas nicht kann. So eine Vorverurteilung mag ich nicht.

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