Der Durchbruch: Uschi Glas (rechts), Werner Enke (links) und Regisseurin May Spils (Mitte) bei den Dreharbeiten zu „Zur Sache, Schätzchen“. Foto: dpa

Als „Schätzchen“ wurde sie 1968 deutschlandweit bekannt: Schauspielerin Uschi Glas hat eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. Privat lief es dagegen nicht immer ganz rund.

Als „Schätzchen“ wurde sie 1968 deutschlandweit bekannt: Schauspielerin Uschi Glas hat eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. Privat lief es dagegen nicht immer ganz rund.

München - Sie war das Schätzchen der Nation. Von der weißen Corsage aus „Zur Sache, Schätzchen“, mit der sie die Polizisten becircte, träumt manch’ Zuschauer noch heute. Die Hauptrolle in der sozialkritischen Komödie brachte Uschi Glas den Durchbruch als Schauspielerin, zahlreiche Verehrer – und machte sie kurzzeitig zum Darling der „Flower-Power-Bewegung“. An diesem Sonntag feiert sie ihren 70. Geburtstag. Gefeiert werde im Kreis der Familie, sagt sie. „Damit hat sich’s.“

Aufgewachsen im niederbayerischen Landau an der Isar als jüngstes von vier Geschwistern zieht es sie als 20-Jährige nach München. Sie schlägt sich als Sekretärin durch, um in der Großstadt – besser: Schwabing – ihr Glück zu machen. Auf einer Premiere empfiehlt sie sich dem Berliner Produzenten Horst Wendtland als Schauspielanwärterin. Der findet Gefallen an der kecken jungen Frau und verschafft ihr 1965 eine kleine Rolle in dem Edgar-Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“.

Sie nimmt Schauspielunterricht, beißt sich durch, bekommt 1966 ihre erste Hauptrolle in „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ und schafft zwei Jahre später mit Peter Schamonis „Zur Sache, Schätzchen“ schließlich den Durchbruch – dem unvollendeten Strip im Polizeirevier sei dank. Mit Gagen von 90.000 Mark pro Film zählt Uschi Glas schnell zu den Jungstars der 60er Jahre. Unvergessen auch ihre Auftritte in den Paukerschreck-Filmen an der Seite von Hansi Kraus. Doch ihr Schätzchen-Image wird sie nur schwer los.

Mit Schauspielkollege Elmar Wepper bildet Glas in den 80er und 90er Jahren das „Traumpaar des deutschen Fernsehens“, angefangen mit der Serie „Polizei-Inspektion I“ (1977), gefolgt von „Unsere schönsten Jahre (1983 und 1985) und „Zwei Münchner in Hamburg“ (1988). Uschi Glas wird mit Preisen überschüttet – darunter Bambis, der Bayerische Fernsehpreis und das Bundesverdienstkreuz. Auch privat läuft alles nach Wunsch: 1981 heiratet sie den Filmproduzenten Bernd Teewag, die drei Kinder Benjamin, Alexander und Julia kommen zur Welt. Eine Bilderbuchfamilie: Keine Skandale, keine Affären, keine Allüren. Uschi Glas schirmt ihr Privatleben von der Öffentlichkeit ab – bis 2002 Fotos ihres Mannes mit einer fast 30 Jahre jüngeren Frau erscheinen. Dann ist erstmal Schluss mit Schätzchen, und Glas zieht öffentlich erstmals vom Leder. „Ich steh’ doch nicht daheim wie ein Möbelstück rum, und er geht abends schnackseln“, empörte sie sich mit bajuwarischem Temperament. Die Trennung sei „die härteste Prüfung meines Lebens“ gewesen, sagt sie später über diese Zeit. Inzwischen ist sie wieder glücklich verheiratet, mit dem Unternehmensberater Dieter Hermann. „Unsere Beziehung wächst und wächst, und wir ranken uns aneinander hoch. Das ist etwas sehr Besonderes“, erzählt sie der „Bild am Sonntag“.

Aus dem Schätzchen wird die „CSU-Zicke“

Politisch setzt sich Glas ins Fettnäpfchen, als sie 2000 dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in der Schwarzgeld-Affäre mit einer Spende von 10 000 Mark zur Seite springt. „Das war für mich eine Frage der Courage“, sagte sie später. Schon früher musste sie sich als „CSU-Zicke“ beschimpfen lassen, als sie nicht für Willy Brandt votieren wollte. Spott und Häme erntet sie 2003, als sie sich in dem Magazin „Max“ in knappem Bikini und wilder Kriegsbemalung ablichten lässt. Eine Niederlage muss sie 2006 auch in einem Rechtsstreit um die von ihr vermarktete Hautcreme hinnehmen: Die Stiftung Warentest darf die Pflege weiter mangelhaft nennen. Sorgen bereitet ihr auch Sohn Benjamin, der eine Haftstrafe absitzen musste.

Beruflich dreht Glas weiter Film um Film, meist in der Rolle der patenten „Powerfrau“. Zudem engagiert sie sich für soziale Projekte, ist Schirmherrin der Deutschen Stiftung Patientenschutz und unterstützt das Münchner Obdachlosen-Projekt Biss sowie das SOS Kinderdorf.

Im vergangenen Jahr spielte sie dem Erfolgsfilm „Fack ju Göhte“ eine suizidgefährdete Lehrerin mit Burnout, und auch in diesem Jahr will sie drehen. „Ich habe aktuell drei Filmprojekte, eins ist eine Komödie“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Und sie wolle ihren Verein BrotZeit voranbringen, der Kinder in der Schule mit Frühstück versorgt. „Wir haben schon 800 freiwillige Helfer und mein großer Wunsch ist, dass kein Kind in Deutschland mehr hungrig in der Schule sitzt.“

Ob sie sich wie 70 fühlt? „Nee. Ich weiß auch nicht, wie man sich mit 70 fühlen sollte. Soll ich mich jetzt anders anziehen?“, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Und sie schaut mild zurück auf die Vergangenheit. Jede überraschende Wendung verändere einen, sagte sie in einem Interview. Das Leben sei wie eine Pralinenschachtel. Von Ruhestand und Lebensabend ist Uschi Glas jedenfalls noch weit entfernt. Ihre 2004 erschienene Autobiografie trägt den Titel „Mit einem Lächeln“. Sie hätte genauso gut „Eine Frau geht ihren Weg“ heißen können.

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