Arizona hat sich auf Golfsport eingestellt. Allein um die Hauptstadt Phoenix gibt es mehr als 200 Plätze wie zum Beispiel in Scottsdale. Foto: Scottsdale Convention & Visitors Bureau

Immer Regen in Deutschland? Der US-Bundesstaat Arizona bietet nicht nur Sonne, sondern auch tolle Golfplätze. Verlorene Bälle sollte man aber besser nicht suchen - jenseits des Rasens lauern Skorpione und Vipern.

„Kein Mensch sucht hier seinen Ball“, sagt Kevin lachend, „das ist zu gefährlich!“ Er arbeitet als Caddie auf dem Troon-North-Golfplatz im Norden von Scottsdale, Arizona. Der Kurs gehört zu den anspruchsvollsten in dem US-Bundesstaat und Golfer tun gut daran, sich hier einen Berater zu leisten, denn die beiden 18-Loch-Plätze namens Monument und Pinnacle liegen als „desert courses“ (Wüstenplätze) inmitten von Steinen, Geröll und stacheligem Gestrüpp. Dort leben auch Vipern und Skorpione. Kevin weiß um die Tücken des Kurses: „Hier sind die Fairways und viele Grüns oftmals nicht einsehbar.“ Da gehe rasch mal ein Ball verloren. In Arizona hat man sich auf Golfsportler eingestellt. Allein rund um die Hauptstadt Phoenix kann man unter 200 Anlagen wählen, auf denen sich Golfspieler aus der ganzen Welt tummeln - besonders wenn der Winter in deren Heimat den geliebten Sport unmöglich macht oder der Sommer auf sich warten lässt. In Troon North funkelt bereits früh am Morgen das feuchte Gras in der Sonne. Der Magie dieser einmaligen Landschaft der Sonora-Wüste kann man sich nicht entziehen. Das Markenzeichen der Wüste sind bullige Granitfelsen und die Saguaro-Kakteen, die wie mehrarmige Leuchter in der kargen Landschaft stehen. Als Europäer muss man sich an die langen Abschläge gewöhnen und furchtlos über breite Roughs (Fläche mit höherem Bewuchs) schlagen. Aber die eigentliche Klippe beginnt mit dem kurzen Spiel. Die Grüns von Troon North sind höllisch schnell und selbst Spieler mit einstelligem Handicap sind am Verzweifeln und suchen den Rat des Caddies. Eine wahre Herausforderung ist Loch 8, eigentlich ein unspektakuläres Par 3, aber ein gewaltiger Bunker versperrt den Weg zum welligen Grün.

Viele Abschläge landen im Sand, da lässt ein gelungener Annäherungsschlag zunächst jubeln, aber dann rollt der Ball unaufhaltsam über das Grün hinaus und verschwindet im Einerlei der Wüste. Der erfahrene Spieler hat daher ein Säckchen voller Bälle dabei, denn Plätze wie Troon North fordern Opfer. Nach gut drei Stunden ist die Runde zu Ende. Mancher spürt nun die Anstrengung eines 18-Loch-Platzes in der ungewohnten Wüstenluft. Selbst ambitionierte Golfer hadern mit ihrer Scorekarte, denn Troon North hat ihnen heute die Zähne gezeigt. In den letzten zwei Jahrzehnten mauserte sich die verschlafene Kleinstadt Scottsdale am Rande von Phoenix zu einem beliebten Urlaubsort. Besonders wohlhabende Leute aus dem Osten der USA schätzen das trockene Wüstenklima. Mit ihnen kamen Boutiquen, Galerien und originelle Restaurants. Am nächsten Tag geht es zum We-Ko-Pa Golf Club im Osten von Scottsdale. Wie der Name schon vermuten lässt, ist dieser Platz in indianischem Besitz, dazu gehören noch ein großes Hotel und ein Casino. Cholla und Saguaro heißen die beiden Plätze, der letztere wurde vor drei Jahren „entschärft“, dagegen verlangt Cholla mit seinen schmalen Fairways (Bahnen) ein präzises Spiel. Aber dieser Platz begeistert mit einer herrlichen Sicht auf die Bergketten. Obwohl man noch immer in der Sonora-Wüste ist, scheint hier die Landschaft etwas lieblicher zu sein. Doch auch hier holen die schnellen Grüns den Golfer rasch in den Alltag zurück. Mal wieder wird das Einlochen des Balls zu einem Geduldsspiel und lässt die Scorekarte peinlich aussehen. Aber es warten noch fünf Plätze bis zum Heimflug, und allein der Gedanke, bei herrlichstem Sonnenschein Golf zu spielen, wenn zu Hause Schmuddelwetter herrscht, lässt auch so manche Schlappe vergessen.

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