Aufsteigender Stern am Republikaner-Himmel: Senator Marco Rubio Foto: DPA

Jung, Latino und charismatisch – Marco Rubio, Senator aus Florida, könnte für die Demokratin Hillary Clinton bei den Präsidentschaftswahlen gefährlich werden.

Stuttgart/Washington. Monatelang ist die Vor-Vorwahl-Farce bei den US-Republikanern vom großmäuligen Polit-Clown Donald Trump und dem bibelfürchtigen Neurochirurgen Ben Carson beherrscht worden. Der eine tat sich vor allem mit rechtspopulistischen Einlassungen hervor. Gegen die illegale Einwanderung will er „eine schöne Mauer“ an der US-Südgrenze zu Mexiko bauen. Der andere ist nicht davon abzubringen, dass die USA im „Gestapo“-Zeitalter leben, und die Juden den Holocaust mit Pistolen und Gewehren hätten verhindern können. Es wird klar: Die rechten Graswurzel-Aktivisten sind bitter enttäuscht von „denen in Washington“. Deshalb ihre trotzige Hinwendung zu politischen Quereinsteigern mit irrwitzigen Ideen.

Nur: der Kampf um das höchste politische Amt in den USA wird so nicht gewonnen. Das wissen auch die Republikaner. Deshalb sind viele froh, dass sich endlich ein wählbarer Konservativer aus dem immer noch üppigen Bewerberfeld herausschält. Und es ist nicht Jeb Bush, der jüngere Bruder des umstrittenen Ex-Präsidenten George W. Bush, der noch im Sommer den Partei-Granden als heißer Favorit galt. Zwar konnte Jeb früh viel Geld einsammeln und einen Wahlkampfapparat aufbauen. Doch sein Stern ist im Sinkflug. In den wichtigen Fernsehdebatten konnte er nicht überzeugen. Er musste die Gehälter von Mitarbeitern kürzen. Mangels Erfolgs sind wichtige Spender schon wieder abgesprungen.

Perfekte Biografie

Der neu aufsteigende Stern am Himmel des Partei-Establishments heißt Marco Rubio, der Jung-Senator aus Florida. Rubio ist ein besserer Redner als sein früherer Mentor Bush, er ist mit seinen 44 Jahren deutlich jünger und weist die perfekte Biografie auf: ein Kind kubanischer Einwanderer, der es bis ganz nach oben geschafft hat. Rubios Umfragewerte steigen, weil er es schafft, die Ängste und Sorgen der Menschen anzusprechen, gleichzeitig aber Hoffnungen macht, wenn er eine „neue Zukunft“ verspricht.

Nun sind die Republikaner nicht über Nacht zu einer eingeschworenen Gemeinschaft voller Gleichgesinnter geworden. Die alte Traditionspartei Abraham Lincolns bleibt tief zerstritten. Da gibt es die ideologischen Heißsporne, die nicht davor zurückschrecken, im ewigen Kampf gegen die Abtreibung den US-Haushalt an die Wand zu fahren; diejenigen, die sich nach einem harten Vorgehen gegen illegale Einwanderer sehnen und diejenigen, die verbohrt am Steuerkürzen festhalten wollen, auch wenn der Staat schon jetzt seinen Aufgaben kaum mehr nachkommt. Darüber könnte man fast vergessen, dass es noch gemäßigte Republikaner gibt, die wissen, dass mit Intoleranz und Blockadehaltung allein vor allem die wahlentscheidenden Minderheiten und Frauen nur abgeschreckt werden.

Für welchen Konservatismus steht er?

Wenn die Republikaner ins Weiße Haus zurückkehren wollen, müssen sie sich hinter einen plausiblen Kandidaten scharen. Rubio könnte so einer sein. Allerdings muss auch er noch stärker klar machen, für welche Variante des Konservatismus er steht. Er muss eine Balance finden zwischen seinen reformerischen Ideen und den republikanischen Glaubensbekenntnissen zum Steuernstreichen und Deregulieren. So verfolgt er durchaus neue Ansätze, wie mit Bildungsreformen und einem Aufstocker-Programm Armut und der auseinanderdriftenden Einkommensschere beizukommen ist.

Rund ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl kann noch viel passieren. Doch wenn Rubio nicht noch mit irgendeiner Affäre über sich selbst stolpert, hätte er gegen die Demokratin Hillary Clinton durchaus Chancen, weil er für einen Generationswechsel in der US-Politik wirbt und der bessere Wahlkämpfer ist.

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